Die Kaufpreise für Wohnimmobilien in Deutschland sind 2025 erstmals wieder leicht (+0,6 Prozent) gestiegen. Vor allem in den Großstädten befinden sie sich seit Jahren auf einem hohen Niveau und sollen künftig weiter steigen. Wer sich dagegen für den Kauf einer Wohnung im Umland statt in der Innenstadt einer Metropole entscheidet, kann viel Geld sparen. Während die durchschnittlichen Quadratmeterpreise für Bestandswohnungen in Köln bei 5.029 Euro lagen, waren Eigentumswohnungen in den Umlandkreisen im Schnitt mindestens 900 Euro pro Quadratmeter günstiger.
Doch aus dem Umland in die Kölner Innenstadt zur Arbeit zu pendeln, kann teuer werden: Wer im Speckgürtel wohnt, zahlt mehr für Kraftstoff, Ladestrom oder ÖPNV-Tickets. Zudem kostet der Arbeitsweg in die Domstadt nicht nur zusätzliches Geld, sondern auch mehr Zeit. Das Hamburgische WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) hat für die Postbank eine Modellrechnung für die Pendelkosten entwickelt. Der Postbank Wohnatlas 2026 zeigt, wie viele Jahre sich der Immobilienerwerb im Umland lohnt und wann die erhöhten Pendelkosten den Preisvorteil aufgezehrt haben. Im Modell pendelt je Haushalt eine Person zur Arbeit. Neben einer Vollzeittätigkeit wurde auch der Faktor Homeoffice oder Teilzeit mit drei statt fünf Pendeltagen pro Woche berücksichtigt.
Die Untersuchung des HWWI vergleicht den Kauf einer durchschnittlich teuren 70 Quadratmeter bzw. 120 Quadratmeter großen Wohnung in Köln zur Selbstnutzung mit gleich großen Immobilien in den kreisfreien Städten Bonn und Leverkusen sowie in den größten Ortschaften der fünf Landkreise Mettmann, Rhein-Kreis Neuss, Rhein-Erft-Kreis, Rheinisch-Bergischer Kreis und Rhein-Sieg-Kreis. Neben den jeweils vier bevölkerungsreichsten Städten wurden aus den Landkreisen alle Kommunen mit mehr als 20.000 Einwohnerinnen und Einwohnern in die Analyse einbezogen. Insgesamt hat das HWWI somit 47 Städte und Gemeinden im Umland von Köln untersucht. Da Immobilien in verkehrsgünstig gelegenen größeren Ortschaften im Umland deutlich teurer sind als in abgelegenen kleineren Gemeinden, gingen die Fachleute bei ihren Analysen von einem Preisaufschlag von 20 Prozent auf den Durchschnittspreis des jeweiligen Landkreises aus.
Darüber hinaus hat das HWWI den Kaufpreisvorteil im Speckgürtel mit den jährlichen Pendelkosten gegengerechnet. In die Rechnung fließen neben Kosten für das ÖPNV-Ticket oder für das Fahrzeug inklusive Kraftstoff bzw. Ladestrom auch der höhere Zeitaufwand fürs Pendeln ein. Die Kosten für die Autofahrt liegen nach Abzug der Steuervergünstigungen durch die Entfernungspauschale bei 0,47 Euro pro Kilometer und ab einer einfachen Entfernung von 21 Kilometern bei 0,45 Euro. Die Fahrt mit Bus und Bahn wird mit 0,14 Euro pro Kilometer veranschlagt, ab 21 Kilometern beträgt der Preis 0,12 Euro pro Kilometer. Durch das Deutschland-Ticket sind die jährlichen Mobilitätskosten im ÖPNV nach Abzug von Steuervergünstigungen auf 673 Euro gedeckelt.
Nur Leverkusen bieten einen Preisvorteil beim Pendeln
Beim Vergleich einer 70-Quadratmeter-Wohnung in der Metropole Köln mit einer gleich großen Immobilie in den größten Umlandkommunen liegt Leverkusen vorn: Pendelnde profitieren dort am längsten vom günstigeren Wohnungskauf. Bei 220 Pendeltagen pro Jahr mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ist der Preisvorteil erst nach 28,5 Jahren aufgebraucht, denn die Bahn braucht nur knapp 20 Minuten zum Kölner Hauptbahnhof. Für Autofahrerinnen und Autofahrer schrumpft die Zeitspanne auf 15,6 Jahre. Damit sich ein Kauf im Umland lohnt, sollten die erhöhten Pendelkosten mindestens 25 Jahre lang durch die Kaufpreisersparnisse gedeckt werden. Dies entspricht in der Regel der restlichen Lebensarbeitszeit von Immobilienkäuferinnen und -käufern, die in Deutschland im Durchschnitt 40 Jahre alt sind. Unter diesen Bedingungen lohnt sich das Pendeln für Vollzeitarbeitskräfte, die Bus und Bahn aber kein Homeoffice nutzen, beim Kauf einer 70-Quadratmeter-Wohnung in keiner anderen Umlandstadt außer Leverkusen. Im nur elf Kilometer entfernten Hürth (Rhein-Erft-Kreis) reicht der Vorteil immerhin noch 22,2 Jahre.
„Für diejenigen, die mit über 40 Jahren eine Immobilie kaufen, kann sich Hürth rechnen. Ebenso zur Überbrückung. Denn die malerische Stadt mit historischer Burg ist in rund 15 Minuten mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar. Mit dem Auto dauert es jedoch mehr als doppelt so lang und der Preisvorteil ist bereits nach weniger als zehn Jahren aufgebraucht“, sagt Manuel Beermann, Leiter Produktmanagement Immobilien der Privatkundenbank Deutschland. „Dennoch sollten Interessenten nicht nur auf den günstigen Quadratmeterpreis schauen. Für Berufstätige zählen auch Fahrtkosten und Zeitaufwand. Der Pendelkostenrechner hilft ihnen bei der Einschätzung.“