Social-Media-Sucht: Jugendliche erkennen Risiken und ziehen Konsequenzen

Medieninformation vom 22.10.2026
Mehr als die Hälfte hat bereits Kanäle verlassen, weil dort Hass oder Unwahrheiten verbreitet wurden • Etwa jeder und jede Zweite hat in den vergangenen sechs Monaten etwas gekauft, das von Influencern beworben wurde • TikTok ist wichtigste Plattform für Social Shopping

Postbank Jugend-Digitalstudie 2026
Social-Media-Sucht: Jugendliche erkennen Risiken und ziehen Konsequenzen

Ju­gend­li­che ver­brin­gen durch­schnitt­lich 64,6 Stun­den pro Woche im In­ter­net, einen Groß­teil davon in so­zi­a­len Netz­wer­ken. Na­he­zu alle der be­kann­tes­ten zehn Social-​Media-​Kanäle ver­zeich­nen im Ver­gleich zum Vor­jahr hö­he­re Nut­zungs­wer­te. Zu­gleich set­zen sich viele Ju­gend­li­che kri­tisch mit den Ri­si­ken aus­ein­an­der: Acht von zehn der 16- bis 18-​Jährigen ken­nen in ihrem per­sön­li­chen Um­feld Men­schen, die aus ihrer Sicht süch­tig nach so­zi­a­len Me­di­en sind. Viele zie­hen dar­aus kon­kre­te Kon­se­quen­zen und ver­las­sen Ka­nä­le mit Hass, Ag­gres­si­on oder Un­wahr­hei­ten. Das zeigt die re­prä­sen­ta­ti­ve Postbank Jugend-​Digitalstudie 2026, für die im Juli 1.000 Ju­gend­li­che im Alter von 16 bis 18 Jah­ren be­fragt wur­den.

Viele Ju­gend­li­che re­agie­ren auf pro­ble­ma­ti­sche In­hal­te in so­zi­a­len Netz­wer­ken: Mehr als die Hälf­te von ihnen hat be­reits einen abon­nier­ten Kanal ver­las­sen, weil dort zu viel Ag­gres­si­on, Hass oder Un­wahr­hei­ten ver­brei­tet wur­den. 37 Pro­zent de­ak­ti­vier­ten aus die­sen Grün­den sogar ihr ei­ge­nes Pro­fil auf einer Social-​Media-​Plattform. Fast jeder Zwei­te kennt zudem je­man­den, der be­reits über so­zi­a­le Me­di­en ge­mobbt wurde. „Ju­gend­li­che be­we­gen sich selbst­ver­ständ­lich in so­zi­a­len Netz­wer­ken, re­flek­tie­ren deren Ri­si­ken aber durch­aus kri­tisch. Dass viele Ka­nä­le ver­las­sen oder sogar ihre Pro­fi­le de­ak­ti­vie­ren, zeigt ein wach­sen­des Be­wusst­sein für die Ge­fah­ren di­gi­ta­ler Platt­for­men“, sagt David Dom­mel, Lei­ter di­gi­ta­les Performance-​Marketing der Postbank. „Diese Me­di­en­kom­pe­tenz ist sehr wich­tig, weil Apps längst nicht mehr nur Kom­mu­ni­ka­ti­ons­räu­me, son­dern zu­neh­mend auch Ver­kaufs­platt­for­men sind, auf denen Kauf­im­pul­se un­mit­tel­bar zu Aus­ga­ben füh­ren.“

In­sta­gram liegt vorn, Tik­Tok holt auf

Bei jun­gen Men­schen hier­zu­lan­de am be­lieb­tes­ten ist In­sta­gram: 73 Pro­zent der Be­frag­ten nut­zen die App, ge­folgt von What­sApp und You­Tube mit je­weils 70 Pro­zent und Tik­Tok mit 68 Pro­zent. Ale Platt­for­men konn­ten im Ver­gleich zum Vor­jahr wie­der hö­he­re Nut­zungs­wer­te er­zie­len. In den Jah­ren 2021 bis 2024 waren die Nut­zer­zah­len auf vie­len Ka­nä­len zu­rück­ge­gan­gen. Be­son­ders dy­na­misch ent­wi­ckel­te sich Tik­Tok: In­ner­halb eines Jah­res stieg die Nut­zung um 14 Pro­zent­punk­te. Sag­ten 2025 nur 54 Pro­zent der Ju­gend­li­chen, dass sie Tik­Tok nut­zen, sind es ak­tu­ell 68 Pro­zent. Snap­chat legte um zehn Pro­zent­punk­te auf 56 Pro­zent zu. Face­book er­reicht da­ge­gen nur noch 16 Pro­zent der Ju­gend­li­chen, eben­so wie Te­le­gram und Twitch.

Die Apps haben für ihre jun­gen Nut­ze­rin­nen und Nut­zer un­ter­schied­li­che Funk­ti­o­nen. What­sApp und Snap­chat wer­den fast aus­schließ­lich für den per­sön­li­chen Aus­tausch ge­nutzt. Auch auf In­sta­gram ste­hen pri­va­te The­men im Vor­der­grund. You­Tube dient da­ge­gen be­son­ders stark der Frei­zeit und Un­ter­hal­tung. Tik­Tok ver­bin­det bei­des: per­sön­li­che The­men und Frei­zeit sind dort die wich­tigs­ten Nut­zungs­an­läs­se.

Jeder Vier­te kauft re­gel­mä­ßig per App

Auch wirt­schaft­lich ge­win­nen so­zi­a­le Netz­wer­ke an Be­deu­tung. 54 Pro­zent der Ju­gend­li­chen haben al­lein in den ver­gan­ge­nen sechs Mo­na­ten ein Pro­dukt ge­kauft, weil sie es bei In­flu­en­cern oder Blog­gern ge­se­hen haben. 2020 waren es noch 41 Pro­zent. Junge Frau­en (57 Pro­zent) re­agie­ren dabei etwas häu­fi­ger auf ent­spre­chen­de Emp­feh­lun­gen als junge Män­ner (51 Pro­zent). Auch der di­rek­te Ein­kauf über so­zi­a­le Netz­wer­ke ist in­zwi­schen ver­brei­tet. 44 Pro­zent der 16- bis 18-​Jährigen haben be­reits min­des­tens ein­mal So­cial Shop­ping ge­nutzt, ein Vier­tel sogar mehr­fach. Von den Ju­gend­li­chen mit ent­spre­chen­der Er­fah­rung wol­len drei Vier­tel künf­tig ge­nau­so häu­fig oder noch häu­fi­ger di­rekt über so­zi­a­le Netz­wer­ke ein­kau­fen.

Tik­Tok ist beim So­cial Shop­ping die wich­tigs­te Platt­form. 55 Pro­zent der 16- bis 18-​Jährigen, die be­reits über so­zi­a­le Me­di­en ein­ge­kauft haben oder sich dies vor­stel­len kön­nen, nen­nen die­sen Kanal – 15 Pro­zent­punk­te mehr als 2025. In­sta­gram folgt mit 39 Pro­zent, nach 48 Pro­zent im Vor­jahr. You­Tube liegt mit 24 Pro­zent auf Rang drei. At­trak­tiv ma­chen So­cial Shop­ping für die Be­frag­ten vor allem Ra­batt­ak­ti­o­nen (35 Pro­zent) und in­di­vi­du­ell pas­sen­de Pro­dukt­vor­schlä­ge (33 Pro­zent). „So­cial Com­mer­ce ver­wischt die Tren­nung zwi­schen Un­ter­hal­tung, Wer­bung und Ein­kauf“, sagt David Dom­mel. „Kauf­ent­schei­dun­gen ent­ste­hen zu­neh­mend dort, wo junge Men­schen oh­ne­hin einen er­heb­li­chen Teil ihrer Frei­zeit ver­brin­gen. Für Han­del und Fi­nanz­wirt­schaft ist das ein struk­tu­rel­ler Wan­del, weil Reich­wei­te, Emp­feh­lung und Kauf­ab­schluss immer enger zu­sam­men­rü­cken. Da­durch ge­winnt fi­nan­zi­el­le Bil­dung an Be­deu­tung: Junge Men­schen kön­nen Kon­sum­entschei­dun­gen immer schnel­ler und mit immer we­ni­ger Hin­der­nis­sen tref­fen.“

Hintergrund­informationen zur Postbank Jugend-Digitalstudie 2026

Die „Jugend-​Digitalstudie“ der Postbank un­ter­sucht seit 2019, wie sich das Leben Ju­gend­li­cher in Deutsch­land be­züg­lich Di­gi­ta­li­sie­rung all­ge­mein und ins­be­son­de­re in Bezug auf Fi­nanz­the­men ver­än­dert. Dafür wur­den 1.000 Ju­gend­li­che in Deutsch­land zwi­schen 16 und 18 Jah­ren be­fragt. Um eine be­völ­ke­rungs­re­prä­sen­ta­ti­ve Struk­tur ab­zu­bil­den, er­folg­te eine Ge­wich­tung der Stich­pro­be nach Bun­des­land, Alter und Ge­schlecht. Als Re­fe­renz­da­tei wurde die Fort­schrei­bung des Be­völ­ke­rungs­stan­des auf Basis des Mi­kro­zen­sus 2022 des Sta­tis­ti­schen Bun­des­am­tes zu­grun­de ge­legt. Die Er­geb­nis­se sind auf ganze Zah­len ge­run­det. 

Kontakt

Iris Laduch
Mediensprecherin