Land in Sicht: Die neuen Wohnwünsche der Städter

BHW Pressedienst 4/2020
Henning Göbel ist Vorstandsvorsitzender der BHW Bausparkasse

Henning Göbel ist Vorstandsvorsitzender der BHW Bausparkasse
Bild Nr. 6238, Quelle: BHW Bausparkasse

Landflucht war gestern. Nach dem Corona-Lockdown träumen viele Städter von einem Haus im Grünen. Hat die Krise die Wohnwünsche der Deutschen verändert?

Die Sehnsucht nach Freiraum im Grünen und Sicherheit in den eigenen vier Wänden ist ein Trend, den es bereits vor der Pandemie gab. Hohe Mieten und Grundstückspreise zwingen Normalverdiener in den Städten oft in kleine Wohnungen ohne Garten. Während des Lockdowns war städtisches Leben reduziert auf häusliche Enge – eine Belastung besonders für Familien. Corona wirkt als Katalysator, durch den viele Städter ihre Wohnsituation neu bewerten. Eine aktuelle BHW Umfrage zeigt, dass 40 Prozent der Befragten damit rechnen, dass zukünftig immer mehr Menschen auf dem Land leben wollen.

Rund 32 Prozent der Deutschen leben in Großstädten. Würde es nicht zu weiterer Zersiedelung führen, wenn viele der Stadt den Rücken kehren?

Reine Neubaugebiete, die dann letztlich nur als Schlafstätte fungieren, sind der falsche Weg. Hier sind Konzepte zur Sanierung von Bestandsbauten und neue Wohnmodelle gefragt. Gemeinschaften für Junge und Ältere oder Projekte, die Wohnen und Arbeiten verbinden. Es gibt viele Möglichkeiten, die zu neuen Perspektiven führen.

Was müssen Regionen bieten, um für Stadtbewohner attraktiv zu sein?

Wer nicht mehr täglich, sondern dank Videokonferenz nur noch gelegentlich ins Büro pendeln muss, nimmt tendenziell größere Distanzen in Kauf. Unabdingbar ist dann aber eine gute digitale Anbindung. Das Homeoffice funktioniert nur mit Internet. Umzugswillige wollen Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr und eine Infrastruktur mit Kindergärten, Schulen, Ärzten und Einkaufsmöglichkeiten. Eine unbürokratische Unterstützung für neue Wohnformen wird neues Leben in ländliche Gemeinden bringen, Raum für Familien und Digital-Arbeiter schaffen.

Das alles ist aber für kleinere Gemeinden außerhalb der großstädtischen Speckgürtel kaum in Eigenregie zu stemmen…

Richtig! Hier ist der Staat gefordert, denn es braucht Hilfe auf politischer Ebene – von zielgerichteter Strukturförderung bis zu effektiven Unterstützung für mutige Familien und Gestalter. Denkbar wären da zum Beispiel „Altbau-Börsen“, in denen ländliche Gemeinden leer stehende Immobilien auf überregionaler Ebene anbieten. Unsere Umfrage zeigt, dass sich 92 Prozent derjenigen, die ihre Wohnsituation belastend finden, eine stärkere Förderung des Landlebens wünschen. Darin besteht die große Chance auf neues Leben in alten Ortskernen und entvölkerten ländlichen Regionen.

Kontakt

Iris Laduch
Pressesprecherin