Mehr Wohnungen braucht das Land!

Aus Ausgabe 3/2016

Das Bedürfnis der Deutschen nach der eigenen Immobilie ist ungebrochen und die Politik muss darauf reagieren, sagt Dr. Jörg Koschate, Generalbevollmächtigter der BHW Bausparkasse.

Dr. Jörg Koschate, Generalbevollmächtigter der BHW Bausparkasse Bild Nr. 6063, Quelle: BHW Bausparkasse

Dr. Jörg Koschate, Generalbevollmächtigter der BHW Bausparkasse
Bild Nr. 6063, Quelle: BHW Bausparkasse

Die meisten Deutschen träumen von den eigenen vier Wänden. Das ist lange bekannt und wird durch Umfrageergebnisse immer wieder bestätigt. Überraschend ist, wie hoch Wohneigentum schon bei jungen Leuten im Kurs steht: 40 Prozent der 18- bis 34-Jährigen bezeichnen laut einer Postbank Studie die eigene Immobilie als beliebteste Anschaffung. Damit rangiert das Eigenheim deutlich vor dem eigenen Auto (18 Prozent) und vor neuester Technik wie Smartphone und Tablet (12 Prozent).

Morgen mit den Zinsen von heute bauen

Auch junge Leute haben erkannt, dass die erste eigene Wohnung nicht nur Unabhängigkeit und Lebensqualität bedeutet, sondern zudem eine gute Geldanlage ist. Die Grundlage wird bereits früh gelegt, denn rund 33 Prozent von ihnen besitzen einen Bausparvertrag, mit dem Ziel, sich irgendwann den Wunsch nach der eigenen Immobilie zu erfüllen. Die derzeit sehr niedrigen Zinsen können so langfristig gesichert werden. Morgen mit den Zinsen von heute bauen, lautet das klar definierte Ziel. Denn die Konditionen für das spätere Darlehen stehen beim Bausparen für die gesamte Laufzeit fest. Damit sind die Finanzierungskosten kalkulierbar und der Kauf des Eigenheims wird – wenn man das Ziel nicht aus den Augen verliert – einfacher denn je. Sofern dann die passende Immobilie zu finden ist.

Positive Signale reichen nicht

Obwohl das Statistische Bundesamt in seinen neuesten Zahlen einen signifikanten Anstieg der Baugenehmigungen in den ersten fünf Monaten dieses Jahres meldet (30,6 Prozent mehr als im selben Zeitraum 2015), ist dieses positive Signal bei Weitem noch nicht ausreichend, um die Wohnungsnot vor allem in Ballungsräumen und großen Städten nachhaltig zu mindern. Insgesamt geht das Bundesbauministerium von einem jährlichen Baubedarf von je 350.000 Wohnungen aus – zusammengerechnet für die nächsten drei Jahre also über eine Million Wohneinheiten. Dem gegenüber stehen aber Hindernisse wie teure Grundstücke, hohe Baukosten, langwierige Genehmigungsverfahren und zu wenig Informationen über die passende staatliche Förderung.

Handlungsbedarf erkennen

Hier ist die Politik gefragt, die Stimme der Bundesbürger zu hören: Die Deutschen wollen bauen. Sie wollen ihre Träume von den eigenen vier Wänden realisieren und sind bereit, dafür zu sparen, sich finanziell auf anderen Gebieten einzuschränken und in Wohneigentum zu investieren. Und zwar über alle Alters-, Bildungs- und Einkommensgrenzen hinweg. Dass etwas passieren muss, ist also klar: Mehr Wohnungen braucht das Land! Sie sind ein entscheidender Faktor für Lebensqualität und Zukunftsperspektive. Bleibt zu hoffen, dass dieser Ruf auch Gehör findet und die richtigen politischen Stellschrauben bald gefunden und auch betätigt werden.