Wege nach Rom – Wohnungsbau weiterdenken

Aus Ausgabe 2/2017

Die Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum steigt rasant. Welche Lösungsmöglichkeiten es gibt, erläutert Dr. Jörg Koschate, Generalbevollmächtigter der BHW Bausparkasse.

Dr. Jörg Koschate, Generalbevollmächtigter der BHW Bausparkasse Bild Nr. 6063, Quelle: BHW Bausparkasse

Dr. Jörg Koschate, Generalbevollmächtigter der BHW Bausparkasse
Bild Nr. 6063, Quelle: BHW Bausparkasse

Wie konnte es so weit kommen? Innerhalb von nicht einmal zehn Jahren hat sich die Wohnungsnachfrage in den Ballungszentren stark erhöht. Zwar wurde 2016 mit bundesweit 277.700 neuen Wohnungen 12,1 Prozent mehr Wohnraum als im Vorjahr fertiggestellt, so das Statistische Bundesamt. Doch der Wohnungsbau in deutschen Großstädten wird dem wachsenden Bedarf derzeit nicht gerecht. Es gibt immer weniger bezahlbare Miet- oder Eigentumswohnungen. Ein Grundproblem: Warten lohnt sich. Wer heute über Bauland in den Großstädten verfügt, kann mit Preissteigerungen von zehn Prozent und mehr pro Jahr rechnen. Diese Rendite macht es – gerade in Niedrigzinszeiten – sogar attraktiv, Bauland zurückzuhalten. Eine mögliche Bodenwertsteuer für unbebaute Grundstücke könnte Abhilfe leisten. Für Eigentümer von Bauland würden so gesetzlich fundierte Anreize geschaffen, ein Grundstück schnell zu verkaufen oder zu bebauen. Eine solche Steuer könnte zur teilweisen Entlastung des angespannten Wohnungsmarktes beitragen.

Wohnreserven in der Höhe

Ein weiterer Ansatz: Städte können auch in die Höhe wachsen. In den seltensten Fällen wird in deutschen Großstädten bis an die Hochhausgrenze gebaut. Gelänge es, die Etagenzahl um durchschnittlich zwei zu erhöhen, könnten beim Neubau von Mehrfamilienhäusern rund 40 Prozent mehr Wohnungen entstehen. Gleichzeitig müssen die Genehmigungsverfahren kürzer und unbürokratischer werden.

Mehr Bauland ausweisen

Neben Nachverdichtungen und höherer Bebauung werden auch neue Stadtviertel oder Entlastungsstädte benötigt. Für die Umlandgemeinden sind aber sowohl Ausweisung von Bauland als auch Bauvorhaben im großen Stil meist unattraktiv. Denn die nötige Infrastruktur – Schulen, Kindergärten, Straßen, Energieleitungen, Abwassersysteme – kostet Geld. Grund genug für viele Bürgermeister, solche Ideen weit wegzuschieben. Stadtplanung liegt nämlich in Deutschland in den Händen der Kommunen, zentrale Planungen sind eher die Ausnahme. Die überregionale Planung müsste also verstärkt und die Förderung – gerade für Familien mit Kindern oder in Großstädten – verbessert werden.

Fazit: Viele Wege führen nach Rom. Nur muss man sie auch gehen.