Zinsparadoxon: Des einen Freud, des anderen Leid

Aus Ausgabe 2/2016

Erwerber und Bauherren sollten möglichst hohe Tilgungsraten vereinbaren, um das Risiko eines Zinsanstiegs zu minimieren, sagt Dr. Jörg Koschate, Generalbevollmächtigter der BHW Bausparkasse.

Dr. Jörg Koschate, Generalbevollmächtigter der BHW Bausparkasse Bild Nr. 6063, Quelle: BHW Bausparkasse

Dr. Jörg Koschate, Generalbevollmächtigter der BHW Bausparkasse
Bild Nr. 6063, Quelle: BHW Bausparkasse

Viele Kunden legen auf zwei Faktoren besonderen Wert: Der Kredit soll eine geringe monatliche Rate haben und er soll schnellstmöglich abbezahlt sein, am besten vor Renteneintritt. Zwei Anforderungen, denen der Niedrigzins in die Hände zu spielen scheint. Zumindest bei der Finanzierung mit einem Annuitätendarlehen ist hier aber Vorsicht geboten: Die monatliche Rate setzt sich aus einem Zins- und einem Tilgungsanteil zusammen. Da die Kreditsumme nach und nach zurückgezahlt wird, fallen auf den Restbetrag immer weniger Zinsen an. So erhöht sich die Tilgung um den Betrag, um den die Zinsbelastung fällt. Der Kreditnehmer kann sich also über eine jährlich wachsende Zinsersparnis freuen. Doch diese Zinsersparnis ist sehr gering, so dass der Tilgungsanteil nur langsam steigt. Das kann dann dazu führen, dass der Kredit erst nach langer Zeit abgezahlt ist.

Wer höher tilgt, ist schneller am Ziel

Was können Baufinanzierer also tun, damit historisch niedrige Zinsen nicht zu historisch langen Tilgungszeiten führen und sie gleichzeitig für die gesamte Laufzeit auf der sicheren Seite sind? Zunächst sollte eine lange Zinsfestschreibung genutzt werden, denn das bedeutet langfristige Planungssicherheit. Wichtig ist es, auch die Nebenkosten für den Kauf einzukalkulieren. Bei Tilgungszeiten von bis zu 30 Jahren müssen auch Reserven für Instandhaltungen mit bedacht werden. Ist eine Finanzierung schon zu Beginn "auf Kante genäht", bedeutet das ein potenziertes Risiko. Kunden sollten nicht nur – wie früher üblich – eine Tilgung von einem Prozent vereinbaren, sondern eine höhere Tilgungsrate und Sondertilgungsoptionen. Das führt zu einer niedrigeren Restschuld und minimiert somit das Risiko eines möglichen Zinsanstiegs.

Bausparen garantiert Sicherheit

Auf der sicheren Seite sind Kunden immer dann, wenn Anschlussfinanzierungen über Bausparverträge mit anschließendem Bauspardarlehen abgesichert werden. Der garantierte Festzins ist dabei besonders wertvoll. Bereits bei Vertragsabschluss stehen die Zinsen für das spätere Bauspardarlehen fest und zwar unabhängig davon, wie sich die Hypothekenzinsen entwickeln. Mit einem Bausparvertrag wissen künftige Eigenheimbesitzer oder Modernisierer also von Anfang an, welche finanziellen Belastungen auf sie zukommen. Hier ist natürlich die individuelle Situation und Lebensplanung des Kunden maßgeblich. Gute, umfassende und vorausschauende Finanzierungsberatung ist nicht nur sinnvoll, sondern nötig, um das Projekt "Eigenheim" zu einem Erfolg zu machen.