Immobilienschätze im Ruhrgebiet: Kaufen ist vergleichsweise günstig

Presseinformation vom 30.11.2021
Marktanalyse nimmt dichtbesiedelte Region im Westen unter die Lupe • Für Mieter*innen kann sich der Umzug in die eigenen vier Wände lohnen

Wo kaufen, wenn es im Pott sein soll? Wer im Ruhrgebiet verwurzelt ist und in die eigenen vier Wände ziehen möchte, hat gute Chancen, diesen Traum in die Tat umzusetzen. Seit dem Nieder­gang der Schwer­industrie steckt die Region zwar im Struktur­wandel, was erst einmal kein Vorteil für die Wert­ent­wick­lung von Immo­bilien ist. Jedoch macht das moderate Preis­niveau auch in Relation zu den örtlichen Mieten den Immobilien­kauf für Selbst­nutzer*innen zu einer attraktiven Option – zumindest, wenn sie ihren Lebens­mittel­punkt lang­fristig in der Region sehen. Das zeigt der Postbank Wohnatlas, für den das Hamburgische WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) die Immobilien­märkte bundesweit unter die Lupe genommen hat und nun eine Sonder­auswertung für das Ruhrgebiet vorlegt.

In den Ruhr­gebiets­kommunen lagen die Quadrat­meter­preise im vergangenen Jahr zwischen knapp 1.300 Euro in Gelsen­kirchen und gut 2.100 Euro in Mühlheim an der Ruhr. Damit gehört das gesamte Ruhrgebiet zu den im bundes­weiten Vergleich eher günstigen Regionen. In Essen war der Quadratmeter 2020 beispiels­weise für 2.093 Euro zu haben, in Dortmund für 2.105, in Bochum für 1.816 Euro und in Duisburg für 1.587 Euro.

Kaufen günstiger als Mieten?

Auch in Relation zu den örtlichen Mieten bleiben die Kauf­preise im Rahmen. Damit bieten sich gute Chancen, beim Umzug von einer Miet­wohnung in die eigenen vier Wände sogar noch günstiger wegzu­kommen. Das zeigt der sogenannte „Vervielfältiger“. Er bildet ab, wie viele Jahres­netto­kaltmieten für eine gleich große Eigentums­wohnung im Bestand durch­schnittlich zu zahlen wären. Am günstigsten ist das Kaufpreis-Miete-Verhältnis in Gelsen­kirchen. Dort ist bereits für 18 Jahres­netto­kalt­mieten eine Eigentums­wohnung zu haben. In Duisburg, Oberhausen und Hamm sind es rund 20, in Herne, Bochum und Hagen sind es rund 21 Jahres­mieten. Im Mittel über alle deutschen Kreise und kreisfreien Städte lag der Vervielfältiger 2020 bei 25,7. In allen Städten und Kreisen des Ruhr­gebiets bleibt er unter dieser Marke.

„Wer sich jetzt überlegt, eine Immobile zur Eigennutzung zu erwerben, kann von den vergleichs­weise günstigen Preisen im Ruhr­gebiet durchaus profitieren“, sagt Gabriele Strunk, Regional­bereichs­leiterin und Mitglied der regionalen Geschäfts­leitung Nord-West der Postbank Immobilien GmbH. In den benachbarten NRW-Metro­polen Düssel­dorf und Köln müssen Kauf­interessierte dagegen mit deutlich höheren Preisen rechnen. In Düssel­dorf kostete der Quadrat­meter im vergangenen Jahr durch­schnittlich 4.528 Euro pro Quadratmeter, in Köln 4.261 Euro. Der Vervielfältiger lag in den beiden NRW-Metropolen bei 33,4 beziehungs­weise 25,5. Das Ruhr­gebiet könnte eine günstige Alternative sein, sofern das Eigen­heim verkehrstechnisch gut angebunden ist und Kosten­vorteile nicht schon in wenigen Jahren durch Fahrt- und Neben­kosten aufgebraucht werden.

Wohneigentum für Durchschnittsverdiener*innen erschwinglich

Vergleicht man die monatliche Ein­kommens­belastung durch Kauf und Miete, liegen die Anteile einer Immobilien­finanzierung meist nur knapp über der Miet­belastung. In Gelsen­kirchen kommt sogar der Kauf günstiger: Für die Finanzierung einer Immobilie müssen Käufer*innen im Schnitt 13,2 Prozent ihres Haus­halts­ein­kommens einplanen. Die Miete schlägt dagegen mit durch­schnittlich 14,3 Prozent zu Buche. Der Vergleich basiert auf Modell­rechnungen, die jeweils den Anteil der monat­lichen Netto­kalt­miete beziehungs­weise der Finanzierungs­kosten für eine vergleich­bare 70-Quadratmeter-Wohnung am durch­schnittlichen regionalen Haus­halts­einkommen ausweisen. Für die Finanzierung von Wohn­eigentum wird dabei mit einem Zinssatz von 2,45 Prozent, einer Anfangstilgung von 4 Prozent und 20 Prozent Eigenkapital kalkuliert. Kauf­neben­kosten wie Grund­erwerb­steuer oder Notar sind nicht einberechnet, ebenso wenig der Vermögens­aufbau, mögliche Wert­steigerungen und Zins­veränderungen oder in der Zukunft anfallende Sanierungs- beziehungsweise Instand­haltungs­kosten.

Sinkende Einwohnerzahlen drücken die Preise

Wer den Kauf einer Immobilie im Ruhrgebiet in Erwägung zieht, sollte allerdings auch bedenken, dass das HWWI in seiner Prognose bis zum Jahr 2030 für die Region durchweg von sinkenden Preisen ausgeht. Das liegt vor allem daran, dass die Bevölkerung im Pott schrumpft und somit die Nachfrage sinkt. Für Kauf­interessierte kann das auch Vorteile haben. „Auch in Zukunft können Käufer mit günstigen Preisen rechnen“, sagt Postbank-Expertin Strunk. „Außerdem muss der Trend zu sinkenden Preisen in der Region nicht zwangsläufig auf jedes Objekt zutreffen. Wenn Lage, Zustand, Ausstattung und Verkehrs­anbindung stimmen, kann das entscheidend zur Wert­haltigkeit beitragen.“ Strunk verweist zudem auf weitere Vorteile, die Wohn­eigentum bietet: „Die Aussicht, im Alter mietfrei zu wohnen, macht den Erwerb auch finanziell zu einem Gewinn“, sagt die Expertin.

Hintergrundinformationen zum Postbank Wohnatlas 2021

Der Postbank Wohnatlas ist eine jährlich erscheinende, mehrteilige Studienreihe, die den deutschen Immobilienmarkt unter verschiedenen Aspekten regional bis auf Kreisebene beleuchtet. Für die Analyse wurden unter der Leitung von Diplom-Volkswirtin Dörte Nitt-Drießelmann, Senior Researcherin beim Hamburger WeltWirtschaftsInstitut (HWWI), die Wohnungsmärkte der 401 deutschen Landkreise und kreisfreien Städte untersucht.

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Oliver Rittmaier
Pressesprecher