Altersvorsorgedepot: Mangelndes Wissen bremst Interesse

Aus Ausgabe 2/2026
Das für Anfang 2027 geplante staatlich geförderte Altersvorsorgedepot soll den Einstieg in die Altersvorsorge mit Wertpapieren erleichtern. Eine aktuelle Umfrage zeigt: Das Interesse ist da – doch viele Verbraucher zögern noch. Es fehlt vor allem an Wissen über Chancen, Risiken und Funktionsweise.

Bild Nr. 1770, Quelle: Postbank / © ikostudio

Steht die pri­va­te Al­ters­vor­sor­ge vor einem grund­legenden Wan­del? Der Staat will mit einem ge­för­der­ten Al­ters­vor­sor­ge­de­pot zu­künf­tig mehr Men­schen für den lang­fris­ti­gen Ver­mö­gens­auf­bau mit Wert­pa­pie­ren ge­win­nen und un­ter­stützt durch För­de­rung und steu­er­li­che An­rei­ze. Eine ak­tu­el­le YouGov-​Umfrage im Auf­trag der Postbank zeigt: Das In­ter­es­se an einem sol­chen Mo­dell ist grund­sätz­lich vor­han­den. Mehr als jeder drit­te Er­werbs­tä­ti­ge (38 Pro­zent) kann sich vor­stel­len, ein Al­ters­vor­sor­ge­de­pot zu nut­zen. Be­son­ders hoch ist die Auf­ge­schlos­sen­heit bei Men­schen, die be­reits im Rah­men ihrer Al­ters­vor­sor­ge in Wert­pa­pie­re in­ves­tie­ren: Rund 60 Pro­zent von ihnen zie­hen ein sol­ches Depot in Be­tracht. Auch bei jün­ge­ren Be­frag­ten ist das In­ter­es­se über­durch­schnitt­lich aus­ge­prägt. Be­mer­kens­wert: Jeder Fünf­te (20 Pro­zent), der pri­vat vor­sorgt, aber bis­lang keine Wert­pa­pie­re nutzt, würde ein Al­ters­vor­sor­ge­de­pot wahr­schein­lich ab­schlie­ßen.

Gleich­zei­tig sind viele Men­schen zu­rück­hal­tend: 46 Pro­zent der Er­werbs­tä­ti­gen geben an, dass der Ab­schluss eines Al­ters­vor­sor­ge­de­pots für sie nicht in­fra­ge kommt. „Ein Grund dafür ist die ver­brei­te­te Un­si­cher­heit im Um­gang mit Wert­pa­pie­ren“, sagt Mi­cha­el Ko­schatz­ki von der Postbank. „Viele Ver­brau­che­rin­nen und Ver­brau­cher tun sich schwer, Chan­cen und Ri­si­ken re­a­lis­tisch ein­zu­schät­zen – ins­be­son­de­re Wert­schwan­kun­gen und mög­li­che Ver­lus­te. Laut Postbank Um­fra­ge kann knapp jeder Drit­te (32 Pro­zent) das Ver­lust­ri­si­ko von Wert­pa­pie­ren mit Blick auf die per­sön­li­chen Fi­nan­zen über­haupt nicht be­ur­tei­len.

Das Al­ters­vor­sor­ge­de­pot sieht vor, dass re­gel­mä­ßig in Wert­pa­pie­re wie Fonds oder ETFs in­ves­tiert wird, deren An­la­gen breit ge­streut sind. Staat­li­che Zu­la­gen und steu­er­li­che Vor­tei­le sol­len den Ver­mö­gens­auf­bau un­ter­stüt­zen. Gleich­zei­tig gilt: An­ders als bei klas­si­schen Vor­sor­ge­pro­duk­ten kann auch in Pro­duk­te in­ves­tiert wer­den, deren Wert­ent­wick­lung den Schwan­kun­gen der Ka­pi­tal­märk­te un­ter­liegt. Ver­lus­te bis hin zum ein­ge­setz­ten Ka­pi­tal sind theo­retisch mög­lich. „Wert­pa­pie­re kön­nen lang­fris­tig ein Bau­stein der Al­ters­vor­sor­ge sein – sie sind je­doch mit Ri­si­ken ver­bun­den und er­for­dern einen lan­gen An­la­ge­ho­ri­zont sowie eine brei­te Streu­ung. Zudem soll­te die An­la­ge zur per­sön­li­chen Ri­si­ko­be­reit­schaft pas­sen“, er­gänzt Mi­cha­el Ko­schatz­ki. Die Um­fra­ge zeigt eine Prä­fe­renz vie­ler Men­schen für si­cher­heits­ori­en­tier­te Mo­del­le: 34 Pro­zent der Er­werbs­tä­ti­gen wür­den eine An­la­ge mit einem fes­ten Aus­zah­lungs­be­trag be­vor­zu­gen, wäh­rend sich rund 23 Pro­zent eher für eine chan­cen­ori­en­tier­te Lö­sung ent­schei­den wür­den. „Ob mehr Men­schen dafür ge­won­nen wer­den kön­nen, mit Wert­pa­pie­ren für ihr Alter vor­zu­sor­gen, wird auch davon ab­hän­gen, wie gut es ge­lingt, über Chan­cen und Ri­si­ken auf­zu­klä­ren und ihnen eine fun­dier­te Ent­schei­dungs­grund­la­ge zu bie­ten“, er­klärt der Postbank Ex­per­te.

Informationen zur Umfrage

Die ver­wen­de­ten Daten be­ru­hen auf einer Online-​Umfrage der YouGov Deutsch­land GmbH, an der 2.059 Per­so­nen zwi­schen dem 2. und 5.4.2026 teil­nah­men. Die Er­geb­nis­se wur­den ge­wich­tet und sind re­prä­sen­ta­tiv für die deut­sche Be­völ­ke­rung ab 18 Jah­ren.