Frauen bei der Altersvorsorge weiter im Nachteil

Aus Ausgabe 2/2026
Frauen sorgen deutlich seltener fürs Alter vor als Männer – und der Abstand wächst weiter. Gleichzeitig legen inzwischen mehr Frauen Geld in Wertpapieren an als noch vor zwei Jahren. Eine aktuelle Postbank Umfrage zeigt: Finanzwissen und Selbstvertrauen sind entscheidende Faktoren bei der Geldanlage.

Bild Nr. 1776, Quelle: Postbank / © Luis Molinero

In vie­len Be­rei­chen hat die Gleich­be­rech­ti­gung zwi­schen Män­nern und Frau­en in den ver­gan­ge­nen Jah­ren Fort­schrit­te ge­macht. Bei der Al­ters­vor­sor­ge sind Frau­en trotz­dem immer noch klar im Nach­teil. Die Er­geb­nis­se einer ak­tu­el­len YouGov-​Umfrage im Auf­trag der Postbank zei­gen, dass rund jede fünf­te er­werbs­tä­ti­ge Frau (21 Pro­zent) nicht selbst für das Alter vor­sorgt. Vor zwei Jah­ren lag der An­teil noch bei 19 Pro­zent. Bei den Män­nern ist er deut­lich ge­rin­ger: Nur knapp zwölf Pro­zent ver­zich­ten auf eine pri­va­te Al­ters­vor­sor­ge (2024: 14 Pro­zent). „Es ist höchst pro­ble­ma­tisch, dass die Zahl der Frau­en ohne ei­ge­ne Alters­vorsorge wei­ter zu­nimmt“, er­klärt An­ni­ka van Nüß, zu­stän­dig für „Fe­ma­le Fi­nan­ce“ bei der Deut­schen Bank. „Ge­ra­de Frau­en sind im Alter oft stär­ker fi­nan­zi­ell ein­ge­schränkt, da sie meist we­ni­ger ver­die­nen und häu­fi­ger für Kin­der oder Pfle­ge von An­ge­hö­ri­gen be­ruf­lich kür­zer­tre­ten.“

Frau­en zu­rück­hal­ten­der

Auch bei der Art der Geld­an­la­ge zei­gen sich Un­ter­schie­de: Wäh­rend rund 68 Pro­zent der Män­ner, die pri­vat vor­sor­gen, dabei auf Ak­ti­en, Fonds oder ETFs set­zen, nut­zen Frau­en Wert­pa­pie­re deut­lich sel­te­ner. Den­noch zeich­net sich eine lang­sa­me Ver­än­de­rung ab: Im Jahr 2024 in­ves­tier­ten erst rund 41 Pro­zent der Frau­en im Rah­men ihrer Al­ters­vor­sor­ge in Wert­pa­pie­re, heute sind es be­reits 46 Pro­zent. „Viele Frau­en trau­en sich beim lang­fris­ti­gen Ver­mö­gens­auf­bau noch zu wenig zu“, sagt An­ni­ka van Nüß. Die Grün­de dafür seien viel­fäl­tig.

Hemm­schwel­len ab­bau­en

Neben tra­di­ti­o­nel­len Rol­len­bil­dern spiel­ten oft feh­len­des Fi­nanz­wis­sen und man­geln­des Ver­trau­en in die ei­ge­ne Ent­schei­dungs­kom­pe­tenz bei Fi­nanz­the­men eine Rolle. Wich­tig bleibt dabei ein re­a­lis­ti­scher Blick auf Chan­cen und Ri­si­ken: Wert­pa­pie­re bie­ten lang­fris­tig Ren­di­te­chan­cen, un­ter­lie­gen je­doch Kurs­schwan­kun­gen. Ver­lus­te bis hin zum ein­ge­setz­ten Ka­pi­tal sind mög­lich. Wel­che Form der Geld­an­la­ge ge­eig­net ist, hängt immer von der in­di­vi­du­el­len Le­bens­si­tu­a­ti­on, den fi­nan­zi­el­len Mög­lich­kei­ten und der per­sön­li­chen Ri­si­ko­be­reit­schaft ab. Um mehr Frau­en für Fi­nanz­the­men zu sen­si­bi­li­sie­ren, ent­ste­hen zu­neh­mend spe­zi­el­le In­for­ma­ti­ons­an­ge­bo­te. Ban­ken, Ver­brau­cher­or­ga­ni­sa­ti­o­nen und Fi­nanz­platt­for­men bie­ten Ver­an­stal­tun­gen und Bil­dungs­an­ge­bo­te an, die Fi­nanz­wis­sen ver­ständ­lich und pra­xis­nah ver­mit­teln. Ziel ist es, Frau­en dabei zu un­ter­stüt­zen, fi­nan­zi­el­le Ent­schei­dun­gen selbst­be­stimmt zu tref­fen und lang­fris­tig Ver­mö­gen auf­zu­bau­en. „Viele Frau­en or­ga­ni­sie­ren ihren All­tag fi­nan­zi­ell sehr ver­ant­wor­tungs­voll, sind beim lang­fris­ti­gen Ver­mö­gens­auf­bau aber oft zu­rück­hal­ten­der als Män­ner“, er­klärt An­ni­ka van Nüß von der Deut­schen Bank. „Des­halb ist es wich­tig, sich mög­lichst früh­zei­tig mit der ei­ge­nen fi­nan­zi­el­len Zu­kunft aus­ein­an­der­zu­set­zen und re­gel­mä­ßig vor­zu­sor­gen.“ Wer lang­fris­tig spart und früh be­ginnt, könne mög­li­che Ver­sor­gungs­lü­cken im Alter bes­ser ab­fe­dern.

Informationen zur Umfrage

Die ver­wen­de­ten Daten be­ru­hen auf einer Online-​Umfrage der YouGov Deutsch­land GmbH, an der 2.059 Per­so­nen zwi­schen dem 2. und 5.4.2026 teil­nah­men. Die Er­geb­nis­se wur­den ge­wich­tet und sind re­prä­sen­ta­tiv für die deut­sche Be­völ­ke­rung ab 18 Jah­ren.