Die neue Lust am Anlegen

Aus Ausgabe 4/2025
Wertpapiere wandeln sich vom Spekulationsobjekt zur salonfähigen Anlage für den langfristigen Aufbau von Vermögen – das zeigt eine aktuelle Postbank Umfrage. Vor allem börsengehandelte Indexfonds (ETFs) treiben diesen Trend. Doch was macht diese Anlageform für immer mehr Menschen so attraktiv?

Bild Nr. 1758, Quelle: Postbank / © Prostock-studio

Den Schritt an die Bör­sen wagen in Deutsch­land immer mehr Men­schen: Wäh­rend 2023 rund 27 Pro­zent der Ver­brau­cher in Ak­ti­en und Fonds in­ves­tier­ten, legen heute be­reits 34 Pro­zent Geld in Wert­pa­pie­ren an. Das er­gibt eine ak­tu­el­le YouGov-​Umfrage im Auf­trag der Postbank. Maß­geb­lich für diese Ent­wick­lung ist die stei­gen­de Be­liebt­heit von ETFs („Ex­chan­ge Traded Funds“): In­ner­halb von zwei Jah­ren stieg der An­teil der ETF-​Anleger um 62 Pro­zent – von 13 Pro­zent auf 21 Pro­zent, so ein Um­fra­ge­er­geb­nis. Im Ge­gen­satz zu aktiv ge­ma­nag­ten In­vest­ment­fonds ver­su­chen ETFs nicht, einen Markt zu über­tref­fen, son­dern ihn mög­lichst genau ab­zu­bil­den. Dies macht sie im Ver­gleich zu aktiv ge­ma­nag­ten Fonds un­fle­xi­bler, aber dafür kos­ten­güns­ti­ger. Die Verwaltungs-​ und Trans­ak­ti­ons­kos­ten bei einem ETF sind deut­lich ge­rin­ger als bei einem In­vest­ment­fonds.

Breit streu­en, lang­fris­tig an­le­gen

Grund­sätz­lich gilt: Wert­pa­pier­an­la­gen ber­gen Ri­si­ken, doch wer ei­ni­ge Re­geln be­ach­tet, kann diese deut­lich re­du­zie­ren. „Je brei­ter ein ETF auf­ge­stellt ist, desto ge­rin­ger fällt das Ri­si­ko aus“, er­klärt Fi­nanz­ex­per­te Mi­cha­el Ko­schatz­ki von der Postbank. Ein Bei­spiel ist der MSCI World Index, der die Ent­wick­lung von rund 1.300 Un­ter­neh­men aus 23 In­dus­trie­na­ti­o­nen um­fasst. Zudem gilt: Ge­duld zahlt sich meist aus. „Eine Wert­pa­pier­an­la­ge soll­te stets lang­fris­tig aus­ge­rich­tet sein, damit mög­li­che Kurs­schwan­kun­gen aus­ge­gli­chen wer­den kön­nen – ein An­la­ge­ho­ri­zont von zehn Jah­ren und mehr ist ideal“, rät Mi­cha­el Ko­schatz­ki.

Ren­di­te un­ter­schätzt

Auf lange Sicht kann der Zin­ses­zins­ef­fekt die an­ge­leg­te Summe er­heb­lich wach­sen las­sen – vor­aus­ge­setzt, dass der Fonds schwar­ze Zah­len schreibt und der An­le­ger von den Ge­win­nen wei­te­re An­tei­le des In­dex­fonds kauft. „Es gibt so­wohl ETFs, die ihre jähr­li­chen Ge­win­ne au­to­ma­tisch wie­der an­le­gen, als auch sol­che, die sie aus­schüt­ten. Für den lang­fris­ti­gen Ver­mö­gens­auf­bau eig­net sich in der Regel die erste Va­ri­an­te, unter Fach­leu­ten ‚the­sau­ri­erend‘ ge­nannt“, so Mi­cha­el Ko­schatz­ki. His­to­risch er­ziel­te der MSCI World im Durch­schnitt 6,7 Pro­zent Ren­di­te pro Jahr. Mit die­sem durch­schnitt­li­chen Er­trag hätte man bei einem mo­nat­li­chen Kauf von MSCI-​World-​Anteilen in Höhe von 100 Euro über einen Zeit­raum von 15 Jah­ren ein End­ka­pi­tal von 30.000 Euro er­zie­len kön­nen. Laut Um­fra­ge liegt jeder drit­te Spa­rer (38 Pro­zent) mit sei­ner Ren­di­te­er­war­tung zum Teil deut­lich unter dem his­to­ri­schen Durch­schnitt; jeder vier­te (25 Pro­zent) kann die Ren­di­te eines ETF-​Sparplans gar nicht ein­schät­zen. An­le­ger soll­ten be­den­ken, dass jede An­la­ge in Wert­pa­pie­re mit Ri­si­ken ver­bun­den und eine ver­gan­ge­ne Wert­ent­wick­lung kein Ver­spre­chen für die Zu­kunft ist.

Informationen zur Umfrage

Die ver­wen­de­ten Daten be­ru­hen auf einer Online-​Umfrage der YouGov Deutsch­land GmbH, an der 2.004 Per­so­nen zwi­schen dem 19. und 22.09.2025 teil­nah­men. Die Er­geb­nis­se wur­den ge­wich­tet und sind re­prä­sen­ta­tiv für die deut­sche Be­völ­ke­rung ab 18 Jah­ren.