So ticken die Deutschen heute

10 Jahre Sparen-Umfrage – aus Ausgabe 4/2021
Deutschland ist eine Nation der Sparer – daran ändert auch die Corona-Krise nichts. Im Gegenteil: Im Krisenmodus legen die Menschen noch mehr Geld beiseite. Die bevorzugten Anlageformen haben sich im Laufe der vergangenen zehn Jahre hingegen deutlich verändert. Wo legen die Deutschen an?

Bild Nr. 1625, Quelle: Postbank / © RuthBlack

Digitalisierung, Umwelt­bewusstsein, gesunder Lifestyle – das Leben hat sich in den letzten zehn Jahren sehr verändert. Doch eines bleibt konstant: die Zahl der deutschen Sparer. Seit einem Jahrzehnt untersucht die Postbank mit repräsentativen Umfragen das Sparverhalten der Deutschen. Demnach liegt der Anteil der Sparer an der Gesamt­bevölkerung bei durchschnittlich 77 Prozent. In keinem Jahr wich dieser Wert um mehr als fünf Prozent­punkte ab. Aktuell liegt er bei 80 Prozent. „Sparen hat in Deutschland seit Generationen Tradition“, erklärt Kapital­markt­stratege Dr. Marco Bargel von der Postbank den eisernen Sparwillen der Deutschen. Außerdem spiegele er die rationale Weitsicht der Bundesbürger: „Haus­halte brauchen für größere Anschaffungen, die Alters­vorsorge oder unvorher­sehbare Belastungen immer auch ein finanzielles Polster.“ Bei aller Kontinuität markiert die Corona-Pandemie einen Einschnitt im Spar- und Anlage­verhalten: Laut Postbank Umfrage legen heute knapp jede vierte Sparerin und jeder vierte Sparer (23 Prozent) mehr Geld beiseite als vor der Corona-Krise. Im März 2020 antwortete nur jeder Achte (13 Prozent), dass aufgrund der Krise mehr Rücklagen gebildet werden. „Während der Pandemie wird tendenziell mehr gespart, da zum Beispiel Reisen oder der Besuch von Freizeit­einrichtungen gar nicht oder nur eingeschränkt möglich sind. Auch legen viele aus Sorge vor einem Einkommens­verlust in der Krise mehr Geld auf die hohe Kante“, betont Bargel. „Die deutschen Haushalte haben daher in erheblichem Umfang zusätzliche Ersparnisse gebildet. In der EU insgesamt beläuft sich diese Zusatz­ersparnis auf schätzungsweise gut 500 Milliarden Euro.“

Anlage-Rekorde

Wohin fließt dieses Geld? Der größte Teil parkt auf dem Girokonto. Seit Start der Umfragereihe gaben noch nie so viele Befragte an, Ersparnisse auf dem Girokonto zu belassen, wie aktuell: Ihre Zahl stieg von 38 Prozent im Jahr 2011 auf 63 Prozent heute. Auch andere Anlage­formen, deren Verzinsung gen null tendiert, stehen bei Sparerinnen und Sparern erstaunlicher­weise hoch im Kurs: Heute zahlen 49 Prozent Geld auf ein klassisches Sparbuch ein – ebenfalls ein Höchststand –, 2011 waren es 38 Prozent. Auch die Zahl der Befragten, die ihr Geld zu Hause verwahren, stieg sprunghaft an: Derzeit heben 31 Prozent der Sparenden ihre Rücklagen in Haus oder Wohnung auf – im Vergleich zu 21 Prozent vor zehn Jahren. Immerhin investiert aktuell knapp jeder bzw. jede Dritte (31 Prozent) Geld in Aktien und Fonds. Auch dies ist ein Höchstwert seit Umfragestart. 2011 gaben nur 17 Prozent der Befragten an, dass sie Geld an der Börse anlegen. „Viele scheuen nach wie vor die mit höher rentierlichen Anlagen verbundenen Risiken. Dabei verlieren Ersparnisse, die auf einem Bankkonto zinslos angelegt werden, angesichts der stark gestiegenen Inflation in realer Rechnung immer mehr an Wert“, ergänzt der Postbank Experte. „Durch ein gut strukturiertes Anlage­portfolio lassen sich auch unter Berück­sichtigung der jeweiligen Risiko­neigung in aller Regel höhere Renditen erzielen als bei einer Anlage auf einem Bankkonto.“

Informationen zur Umfrage

In einer repräsentativen Online-Befragung interviewte Kantar im Auftrag der Postbank zwischen dem 28. September und 10. Oktober 2021 insgesamt 1.101 Befragte ab 16 Jahren.