Kriterien einer nach­haltigen Geld­anlage

Stoff­beu­tel statt Plas­tik­tü­te, Fahr­rad statt Auto, Fair Trade statt Schnäpp­chen­an­ge­bot – ge­hö­ren Sie auch zu den Men­schen, die im All­tag dar­auf ach­ten, die Um­welt zu scho­nen und an­de­ren Men­schen kei­nen Scha­den zu­zu­fü­gen? Zwi­schen­zeit­lich gibt es auch nach­hal­ti­ge Geld­an­la­gen. Doch was ver­steht man dar­un­ter?

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Nach­haltige Geld­anlage: mehr als Umwelt­schutz

Beim Begriff Nachhaltigkeit geht es nicht allein um ökologische Themen wie den Umwelt- und Klimaschutz, sondern auch um soziale Faktoren, etwa die Einhaltung der Menschenrechte, sowie um ökonomische Aspekte wie einen fairen Handel (Fair Trade). Ob ein Geldanlageprodukt grundsätzlich als nachhaltig eingestuft werden kann, hängt maßgeblich von der Zusammensetzung seiner Investmentbestandteile ab. Ein nachhaltiger Aktienfonds beispielsweise sollte nur Wertpapiere von Unternehmen enthalten, die in ihrer unternehmerischen Ausrichtung Nachhaltigkeitskriterien berücksichtigen. Das sind zum Beispiel:

  • Umweltverträgliche Herstellungsverfahren
  • Eine energie- und ressourcenschonende Produktion
  • Faire Arbeitsbedingungen, zum Beispiel gleicher Lohn für Frauen und Männer
  • Der Verzicht auf Kinder- oder Zwangsarbeit
  • Der Verzicht auf Tierversuche
  • Faire Preise für die Erzeuger
  • Keine Produktion von Rüstungsgütern
  • Keine Nutzung von Gentechnik oder Kernenergie

Wie ein Invest­ment­fonds nachhaltig wird

Eine gesetzlich verankerte Definition für nachhaltige Kapitalanlagen gibt es bislang nicht. Bei der Zusammenstellung eines nachhaltigen Investmentfonds können verschiedene Methoden zum Einsatz kommen. Die wichtigsten im Überblick:

  • Ausschlusskriterien: Hier werden Emittenten, die unter Nachhaltigkeitsaspekten fragwürdige Produkte herstellen, ausgeschlossen. Das können zum Beispiel Hersteller oder Händler von Waffen sein oder – bei Staatsanleihen – Länder, denen Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen werden. Hierunter fallen insbesondere Verstöße gegen globale Normen bzw. bestimmte Investitionen in kontroverse Sektoren. Nachfolgend finden Sie eine beispielhafte Aufstellung von Normen/Sektoren
    • United Nations Global Compact
      Der United Nations Global Compact ist ein nicht verbindlicher Pakt der Vereinten Nationen, dessen Ziel es ist, Unternehmen weltweit dazu zu bewegen, nachhaltige und sozialverantwortliche Unternehmensrichtlinien einzuführen und über deren Umsetzung zu berichten
    • Tabakwarenproduktion
      Tabakwarenproduktion bezeichnet die Herstellung von Zigaretten, Zigarren, Schnupftabak, Kautabak und Pfeifentabak
    • Thermische Kohle
      Thermische Kohle bezeichnet Kohle, die in Kraftwerken und industriellen Dampfkesselanlagen verwendet wird, um Strom und/oder Dampf zu erzeugen. Thermische Kohle umfasst Braunkohle, Steinkohle, Anthrazitkohle und Kesselkohle
    • Kontroverse Waffen
      Kontroverse Waffen sind Waffen, die durch geltende internationale Abkommen bzw. Konventionen (z. B. die UN-Konventionen, die Ottawa-Konvention und das Oslo-Abkommen) geächtet werden. Dazu zählen u. a. Streubomben (Bomben, Geschosse, Raketen oder Granaten, welche in ihrem Gehäuse enthaltene Submunition über eine Fläche verstreuen), Anti-Personenminen (Sprengsätze, die unter dem Boden bzw. einer anderen Oberfläche oder bodennah platziert werden und durch die Gegenwart bzw. Nähe oder den Kontakt mit einer Person oder per Fernzündung durch einen Bediener an einem anderen Standort ausgelöst werden) sowie chemische und biologische Waffen (definiert als Waffen, die Erreger wie Viren, Bakterien oder krankheitsverursachende biologische Wirkstoffe, Giftstoffe oder chemische Substanzen mit toxischen Eigenschaften verwenden, um Zielpersonen zu töten, zu verletzen oder außer Gefecht zu setzen)
    • Konventionelle Waffen
      Konventionelle Waffen sind zur Kriegsführung eingesetzte Waffen, die nicht atomarer, biologischer oder chemischer Natur sind. Hierbei handelt es sich um die bekanntesten Arten von Waffen, die üblicherweise in Konflikten und kriminellen Kontexten zum Einsatz kommen. Dazu zählt ein breites Spektrum an Ausrüstung, wie zum Beispiel Kampfpanzer, gepanzerte Kampffahrzeuge, großkalibrige Artilleriesysteme, Kampfflugzeuge und unbemannte Kampfflugzeuge (unmanned combat aerial vehicles, UCAV), Kampfhubschrauber, Kriegsschiffe, Raketen und Raketenwerfer, Landminen, Streumunition, Kleinwaffen und leichte Waffen sowie Munition.
  • Positivkriterien: Hier werden nur Assets ins Portfolio aufgenommen, die nach Nachhaltigkeitsaspekten positiv zu werten sind, etwa aus dem Bereich erneuerbare Energien oder bei der Umsetzung der UN-Nachhaltigkeitsziele.
  • Best-in-Class: Bei diesem Ansatz werden Unternehmen bevorzugt, die in ihrer Branche besonders vorbildlich agieren, also „Klassenbeste“ sind. Das können beispielsweise auch Unternehmen sein, die ein an sich umweltschädliches Produkt herstellen, dabei aber die höchsten Umweltschutzstandards einhalten.
  • ESG-Kriterien: Die englische Abkürzung „ESG“ steht für „Environment“ (Umwelt), „Social“ (Soziales) und „Governance“ (Unternehmensführung). ESG-Anlagen beruhen auf einem regelbasierten Ansatz, der Unternehmen nach ihrem Engagement für ökologische, soziale und die Unternehmensführung betreffende Geschäftspraktiken beurteilt. ESG-Merkmale können Anlegern dabei helfen, nichtfinanzielle, aber wesentliche Informationen in ihren Anlageprozess einzubeziehen.
  • UN-Nachhaltigkeitsziele (SDG): Ein weiterer möglicher Rahmen für die Beurteilung von Investmentzielen in Bezug auf Nachhaltigkeit sind die 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen, die „Sustainable Development Goals (SDG)“. Dazu gehören die Bekämpfung von Hunger und Armut sowie Maßnahmen zum Klimaschutz und menschenwürdige Arbeitsbedingungen. Investoren können beispielsweise auf Unternehmen setzen, die in besonders hohem Maße zu zur Erreichung dieser Ziele beitragen.
  • Green Bonds: So bezeichnet man alle Arten von Anleihen, deren Emissionserlöse ausschließlich zur anteiligen oder vollständigen (Re-)Finanzierung grüner Projekte verwendet werden, die einen klaren Umweltnutzen schaffen. Hierzu zählen insbesondere Projekte zur Förderung erneuerbarer Energien oder Energieeffizienz, sauberer Transport oder verantwortungsvolles Abfallmanagement.

Nachhaltig auch in puncto Rendite­chancen?

Ein wesentliches Auswahlkriterium bei der Zusammenstellung nachhaltiger Investmentfonds bleibt natürlich die Aussicht auf Renditechancen unter Beachtung der Risiken. Fest steht: Ökologisch und sozial verantwortungsvolles Handeln und eine einträgliche Rendite schließen einander nicht aus. Laut FNG belegen diverse Studien, dass entsprechende Kapitalanlagen bei Rendite und Risiko keinen Nachteil gegenüber konventionellen Anlagen aufweisen. Einige Investoren sind sogar davon überzeugt, dass nachhaltiges Handeln ein Indikator für die Qualität eines Unternehmens, also dessen wirtschaftlichen Erfolg sein kann. Auf der anderen Seite ist Nachhaltigkeit allein natürlich auch kein Garant für eine wirtschaftlich erfolgreiche Geldanlage. Zudem nehmen Investoren bei der Investition in einen nachhaltigen Investmentfonds nicht an der Wertentwicklung der über die Nachhaltigkeitskriterien ausgeschlossenen Werte teil.

Tipp

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Risikohinweis

Jede Geld­an­la­ge in Wert­pa­pie­re ist mit Ri­si­ken ver­bun­den. Die An­la­ge ist nicht ga­ran­tiert, Schwan­kun­gen des Markts kön­nen zu Kurs­ver­lus­ten bis hin zum To­tal­ver­lust des ein­ge­setz­ten Ka­pi­tals füh­ren. Über die spe­zi­el­len Ri­si­ken des je­wei­li­gen Wert­pa­pier­pro­dukts in­for­mie­ren Sie die je­wei­li­gen ge­setz­lich vor­ge­schrie­be­nen Ver­kaufs­un­ter­la­gen. Diese sind auf www.post­bank.de ab­ruf­bar, wenn Sie dort in der Suche die ISIN/WKN des Pro­dukts ein­ge­ben, au­ßer­dem er­hält­lich in der Postbank Fi­li­a­le bei Ihrem Wert­pa­pier­be­ra­ter. Wei­te­re In­for­ma­ti­o­nen ent­hal­ten zudem die „Ba­sis­in­for­ma­ti­o­nen für Wert­pa­pie­re und wei­te­re Ka­pi­tal­an­la­gen“.