30.12.2019

Hat das private Silvester-Feuerwerk ausgedient?

Das jährliche Feuerwerk gehört für viele Menschen zum Silvesterfest wie einGläschen Sekt, „Dinner for one“ oder das Bleigießen. Seit einigen Jahren findet in der Gesellschaft allerdings ein Umdenken statt: Einige deutsche Städte richten mittlerweile Böller-Bannzonen ein, Super- und Baumärkte verzichten teilweise aufden Verkauf von Feuerwerkskörpern. Eine Petition der deutschen Umwelthilfe sorgt für zusätzlichen Zündstoff.

Handel mit Feuerwerk ist Jahr für Jahr ein Millionengeschäft

Böller und Raketen werden bereits seit Jahrhunderten genutzt, um in derSilvesternacht böse Geister zu vertreiben. Schon im Frühmittelalter wurden in China erste Feuerwerke gezündet, im 14. Jahrhundert wurde diese Kunst in Italien perfektioniert. Bis zum heutigen Tag hat sich dieses eigentlich heidnische Brauchtum gehalten: Jahr für Jahr gehen allein in Deutschland Feuerwerkskörper im Wert von 130 Millionen Euro in Schall und Rauch auf. Ein Gros der Pyrotechnik wird dabei aus Asien zu uns importiert, allein im Jahr 2018 wurdenlaut Statista 45.871 Tonnen Feuerwerk nach Deutschland eingeführt.

In den letzten Jahren wurden die eigentlich fröhlichen Silvesterfeiern aber in mehreren Städten durch Attacken mit Feuerwerkskörpern, die sich gegen Denkmäler, Sicherheitskräfte oder Sanitäter richteten, oftmals überschattet. Schwere Unfälle mit sogenannten „Polen-Böllern“, also illegalen und nicht zertifizierten Feuerwerkskörpern, nahmen ebenfalls zu. Nach der Silvesternacht herrschte aufgrund der entstandenen Sach- und Personenschäden regelmäßig Katerstimmung.

Bundesumweltamt rügt hohe Feinstaubbelastung zu Silvester

Ein weiteres Argument gegen das jährliche Silvesterfeuerwerk ist die hohe Umweltbelastung, die Pyrotechnik verursacht. Nach Erhebungen des Bundesumweltamtes steigt kurz nach der Silvesternacht die Feinstaubbelastung in Deutschland sprunghaft an. „Dicke Luft“ herrscht dann vor allem in Großstädtenund Ballungsgebieten. Die Emmissionen von ca. 4.500 Tonnen Feinstaub, die Jahrfür Jahr in der Silvesternacht entstehen, entsprechen mehr als 15 Prozent der jährlichen Belastung durch den gesamten Straßenverkehr in der Bundesrepublik.

Auch andere Umweltschützer rügen die Silvesterbräuche in Deutschland: Soberichtet der Naturschutzbund Deutschland (NABU) von verstörten, aufgeschreckten und verunglückten Wildtieren, die Tierrechtsorganisation PETA kritisiert den entstehenden Stress bei Zoo- und Haustieren. Zudem sorgt der übrig bleibende Silvestermüll für einen hohen Arbeitsaufwand und immense Kosten: Alleine in Berlin sind am Neujahrstag 600 Angestellte der Stadtreinigung damit beschäftigt, die Straßen und Fußgängerwege der Stadt wieder begehbar zu machen. All diese Argumente veranlassten die Deutsche Umwelthilfe im Oktober 2019 dazu, mit der Initative „Silvester 2.0“ für saubere Alternativen wie Licht- & Lasershows zu werben. Im Zuge dessen stellte der Verein in insgesamt 98 Städten Anträge für ein generelles Verbot von privatem Silvesterfeuerwerk.

Erstmals großflächige Pyrotechnikverbote in München, Hannover & Co.

Einige Städte richten tatsächlich eigenständig Verbotszonen ein, in denen das Abbrennen von Silvester-Feuerwerk aus Sicherheitsgründen generell untersagt ist. In Köln sind Raketen und Böller beispielsweise rund um den Kölner Dom verboten. In Hannover gibt es erstmals eine Sperrzone in der zentralen Innenstadt, auch in München ist das Böllern im Mittleren Ring untersagt. Kleinere Sperrgebiete gibt es außerdem u. a. in den folgenden Städten:

  • Bremen
  • Stuttgart
  • Erfurt
  • Berlin
  • Dortmund
  • Düsseldorf
  • Nürnberg
  • Karlsruhe
  • Aachen
  • Bielefeld

Auf den Inseln Amrum, Sylt und Föhr ist Feuerwerk aus Naturschutzgründen sogar vollständig untersagt. Ein generelles Verbot für das Abbrennen von Feuerwerkskörpern gibt es außerdem deutschlandweit in der Nähe von Krankenhäusern, Pflegeheimen, Kirchen, Fachwerkhäusern und Reetdächern.Diese Gesetzgebung ist allerdings nicht neu, sondern ein langjähriger Bestandteilder Ersten Verordnung zum Sprengstoffgesetz (1. SprengV). Hier wird übrigensauch gesetzlich geregelt, dass pyrotechnische Gegenstände der Kategorie 2 (Kleinfeuerwerk) nur am 31. Dezember und 1. Januar gezündet werden dürfen, und das auch nur von volljährigen Privatpersonen.

Wenn Sie an Silvester trotz aller kritischer Stimmen nicht auf das privateFeuerwerk verzichten möchten, sollten Sie folgende Regeln beachten:

  1. Kaufen Sie nur Feuerwerkskörper mit amtlichem CE-Zeichen.
  2. Brennen Sie kein Kleinfeuerwerk in Wohnräumen ab.
  3. Halten Sie angezündete Böller niemals in der Hand.
  4. Versuchen Sie niemals, Blindgänger erneut anzuzünden.
  5. Schützen Sie Ihre Kinder und lassen Sie diese nicht mit Kleinfeuerwerk hantieren.
  6. Vermeiden Sie zu starken Alkoholkonsum vor dem Feuerwerk.
  7. Bauen Sie eine stabile Startrampe für Raketen.
  8. Schließen Sie vor dem Feuerwerk alle Fenster und Türen am Haus, damit sich kein Böller „verirrt“.
  9. Nehmen Sie möglichst Rücksicht auf Tiere und Umwelt und entsorgen Sie den entstehenden Müll fachgerecht.

Mit diesen Tipps können Sie sicher sein, dass Ihre Silvesterfeier sicher und gefahrlos über die Bühne geht. Wir wünschen schon jetzt ein frohes neues Jahr!