Um­tausch & Rück­gabe digitaler Güter

  • Software, E-Books, Filme, Musik und Online-Kurse – viele Produkte können Sie heute mit wenigen Klicks digital erwerben.
  • Bei der Rückgabe oder beim Umtausch digitaler Güter gelten jedoch zum Teil andere Regeln als bei physischen Produkten. Ein Widerruf des Online-Geschäfts ist deshalb nicht immer möglich.
  • Hier lesen Sie, welche Rechte Sie beim Kauf digitaler Produkte haben und was Sie zu Umtausch oder Rückgabe digitaler Produkte wissen sollten.

Tipp

Postbank Vorteilswelt

Zunächst die gute Nachricht: Auch beim Kauf digitaler Artikel steht Ihnen ein 14-tägiges Widerrufsrecht zu. Bei Downloads, Streams oder Apps kann dieses Recht allerdings vorzeitig erlöschen, wenn Sie dem sofortigen Start ausdrücklich zustimmen. Ob Sie ein MP3-Album, ein E-Book oder eine App also wirklich zurückgeben können, hängt daher vom jeweiligen Anbieter ab.

Der Grund dafür liegt auf der Hand: Der Handel kann schließlich nicht konkret nachvollziehen, ob ein rein digitales E-Commerce-Produkt nach dem Widerruf auch tatsächlich nicht mehr genutzt wird. Theoretisch wäre es möglich, ein E-Book herunterzuladen, zu lesen und anschließend wieder zurückzugeben. Spiele, Filme und Apps können zudem von Endkunden mit hohen IT-Kenntnissen reproduziert werden. Deshalb sehen Händler bei digitalen Produkten ein großes Potenzial für Missbrauch von Rückgaberechten bei Online-Käufen.  

Kundschaft muss bei Widerrufsausschluss zustimmen

Viele Händler schieben der Rücknahme von digitalen Produkten deshalb einen Riegel vor. In solchen Fällen müssen Sie dem Ausschluss ihres Widerrufsrechts aktiv zustimmen. Meistens geschieht dies über eine Check-Box, die Sie vor dem Kauf eines entgeltpflichtigen digitalen Produkts anklicken müssen. Händler sind nun auch dazu verpflichtet, Ihnen das Erlöschen des Widerrufsrechts nachvertraglich zu bestätigen – z. B. in Form einer E-Mail. Akzeptieren Sie den Ausschluss, dürfen Sie anschließend den Download starten. Stimmen Sie nicht zu, verweigert der Onlinedienst den Download. Sie sollten in solchen Fällen also sicher sein, dass Sie das digitale Produkt nach dem Kauf auch behalten möchten.

Tipp

Möchten Sie sich ein Digitalprodukt unverbindlich anschauen? Dann entscheiden Sie sich zunächst für eine kostenlose Testversion. Nachdem Sie diese in Ruhe ausprobiert haben, können Sie immer noch die Vollversion erwerben. Gerade beim Download von PC- oder Konsolenspielen bietet sich dieses Vorgehen an.

Populäre Online-Händler zeigen sich meist kulant

Obwohl sich digitale Produkte oft nicht ohne Weiteres widerrufen lassen, bieten einige Plattformen eigene Rückgabe- und Erstattungsoptionen an. Wie kulant ein Anbieter ist, hängt vor allem von der Produktart und den Kaufbedingungen ab. Häufig gilt eine Rückgabe nur innerhalb kurzer Fristen und nur dann, wenn Sie den Inhalt noch nicht genutzt oder heruntergeladen haben. Welche Online-Händler das sind, erfahren Sie in der folgenden Übersicht.

Amazon:

  • Kindle-E-Books. Eine versehentliche Buchbestellung lässt sich innerhalb von 14 Tagen stornieren. Amazon kann die Rückgabe ablehnen, wenn Sie das Buch teilweise gelesen haben oder die Funktion missbräuchlich nutzen.
  • Prime Video: Versehentlich getätigte Prime-Video-Käufe lassen sich innerhalb von 14 Tagen stornieren, sofern Sie das Video weder gestartet noch heruntergeladen haben.
  • Keine Rückgabe von Spiele- oder MP3-Downloads

Google:

  • Apps, Spiele und In-App-Käufe: Je nach Kauf kann innerhalb von 48 Stunden eine Erstattung erlaubt sein. Danach verweist Google in der Regel auf den jeweiligen Entwickler.
  • E-Books: Eine Erstattung können Sie innerhalb von 7 Tagen beantragen. Wenn sich das E-Book nicht öffnen oder wie erwartet nutzen lässt, nennt Google eine längere Frist. Geliehene E-Books sind ausgeschlossen.
  • Filme und Serien über Google TV: Wenn Sie sich den Film oder die Serie noch nicht angesehen haben, ist eine Erstattung innerhalb von 7 Tagen möglich.
  • Hörbücher: Käufe sind endgültig und daher von der Rückgabe ausgenommen.

Apple:

  • Für Käufe im App Store, iTunes Store oder in Apple Books lässt sich über „Problem melden“ eine Rückerstattung beantragen. Für bestimmte Käufe ist so möglicherweise eine Rückerstattung erlaubt.

Microsoft:

  • Apps auf Windows-PCs: Digitale Güter wie Apps, Add-ons, Abonnements, Filme und TV-Sendungen sind in der Regel nicht erstattungsfähig.
  • Xbox / digitale Spiele: Sie können für Spiele mit geringer Spielzeit eine Rückerstattung innerhalb von 14 Tagen beantragen.

PlayStation:

  • Eine Rückerstattung ist innerhalb von 14 Tagen möglich, sofern Sie weder den Download noch das Streaming begonnen haben.

Steam:

  • Download-Spiele und Software: Rückerstattungen sind in der Regel innerhalb von 14 Tagen zulässig, wenn die Nutzungsdauer unter zwei Stunden liegt.

Für digitale Produkte mit Nutzerdaten „bezahlen“ – Widerrufs­recht erlischt

Mit der Omnibus-Richtlinie gilt seit Mai 2022 ein geändertes Widerrufsrecht für digitale Inhalte, die ein Händler als Download anbietet. Dabei geht es konkret um digitale Produkte, die Sie nicht mit Geld, sondern mit Ihren personenbezogenen Daten bezahlen. Beispiele dafür sind scheinbar kostenlose Spiele-Apps, die Sie gegen Angabe Ihrer Nutzerdaten herunterladen können. Die Anbieter nutzen diese persönlichen Informationen wiederum, um Geld durch personalisierte Werbung zu verdienen. Das Widerrufsrecht erlischt bei solchen Verträgen, wenn das Unternehmen mit der Vertragserfüllung begonnen hat. Überlegen Sie sich daher gut, ob Ihre persönlichen Daten den Download wert sind.

 

Gesetzliche Gewährleistung greift auch bei digitaler Ware

Während die Rückgabe digitaler Produkte bei einigen Händlern eingeschränkt ist, gilt dieser Umstand nicht für eventuelle Gewährleistungsansprüche. Schließlich kann es durchaus einmal vorkommen, dass ein Download misslingt und Sie eine unbrauchbare Datei auf Ihrer Festplatte haben.

In diesem Fall haben Sie einen gesetzlichen Gewährleistungsanspruch gegen den Anbieter. Wie das Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz auf seiner Webseite anführt, sind Verkäufer verpflichtet, Mängel an digitalen Produkten zu beseitigen beziehungsweise den Käufer:innen einwandfreie Dateien zur Verfügung zu stellen. Kommt das Unternehmen dieser Pflicht nicht nach, so haben Käufer:innen das Recht, den Kaufpreis zu mindern oder vom Kaufvertrag zurückzutreten. Sollten durch die Download-Datei Schäden an Ihrem Rechner entstehen, können Sie dem Verkäufer gegenüber sogar Schadensersatzansprüche stellen. In all diesen Fällen kommt eine zweijährige Verjährungsfrist ab dem Kaufdatum zum Tragen.