Wer Geld an der Börse anlegt, muss einkalkulieren, dass es mit den Kursen nicht immer nur aufwärtsgeht. Doch das sollte kein Hinderungsgrund für eine Investition in Aktien, Investmentfonds oder ETFs sein. Je nach persönlicher Ausrichtung können sich zwischenzeitliche Kursschwankungen teilweise sogar positiv auf die Geldanlage in Wertpapieren auswirken. Wie sich Anleger entsprechend vorbereiten und bei fallenden Kursen handeln können, erfahren Sie im Folgenden.
Schwankende Aktienkurse – was tun?
Wie entstehen Kursschwankungen?
Blickt man auf den Aktienmarkt, gibt es eine Vielzahl von Faktoren, die die Kursentwicklung beeinflussen. Dabei gilt es grundsätzlich, zwischen der Wertentwicklung einzelner Papiere und ganzer Märkte zu unterscheiden. Denn diese verläuft nicht immer parallel.
Ein Beispiel: Auch wenn sich ein bestimmter Marktsektor, etwa Basiskonsumgüter (z. B. Nahrungsmittel, Getränke), positiv entwickelt, kann die Aktie eines einzelnen Unternehmens aus diesem Sektor an Wert verlieren. Ein Grund dafür könnte sein, dass das Unternehmen die Gewinnerwartungen der Analysten nicht erfüllt. Verlieren Aktionäre dadurch das Vertrauen in die zukünftige Ertragskraft des Unternehmens und trennen sich in größerem Umfang von ihren Aktien, kann sich das negativ auf dessen Aktienkurs auswirken.
Schwankt hingegen der Kurs eines ganzen Sektors oder sogar eines ganzen Marktes, hat dies in der Regel gesamtwirtschaftliche Gründe. Dazu gehören konjunkturelle Rahmenbedingungen, wie die Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts, ebenso wie Veränderungen der Inflationsraten oder geldpolitische Weichenstellungen der Notenbanken. Hinzu kommen wirtschafts- oder geopolitische Unwägbarkeiten in Form von Zöllen oder militärischen Konflikten.
Auch hierfür ein Beispiel: Bei steigender Inflation sinkt die Kaufkraft der Haushalte – Stichwort „Alles wird teurer“. In der Folge geben Verbraucher weniger Geld für Waren oder Dienstleistungen aus, die sie nicht zwingend benötigen, etwa ein neues Auto oder eine teure Reise. Das wiederum schmälert die Einnahmen der entsprechenden Unternehmen, die darüber hinaus auch von den steigenden Kosten – etwa für Energie – betroffen sind. Eine mögliche Folge: Die Gewinnerwartungen für die entsprechenden Sektoren sinken (siehe oben) und Investoren ziehen ihr Anlagekapital aus den Unternehmen dieser Sektoren ab, um es in erfolgversprechendere Bereiche oder Anlageklassen zu investieren. Hinzu kommt, dass Anleger häufig einem Herdentrieb folgen und damit einen Börsentrend verstärken.
Tipp
Insbesondere als Börseneinsteiger sollten Sie statt auf Einzeltitel lieber auf eine möglichst breit diversifizierte Anlage in Investmentfonds oder ETFs setzen. So haben Sie eine größere Chance, dass Verluste einzelner Aktien durch Gewinne anderer Titel im Fonds ausgeglichen werden.
Was kann man bei fallenden Kursen tun?
Regel Nummer 1: nicht in Panik geraten. Nur weil andere Anleger ihre Wertpapiere verkaufen, heißt das nicht, dass das auch für Sie die richtige Entscheidung sein muss. Falls möglich, lassen Sie sich entsprechend beraten. Wenn Sie in aktiv gemanagte Investmentfonds investieren, kümmert sich ein professionelles Fondsmanagement darum, die Fondszusammensetzung den Marktgegebenheiten anzupassen. Auch dann könnte es also besser sein, zunächst abzuwarten und Ihre Anteile zu halten (siehe unten).
Insgesamt haben Sie bei fallenden Kursen drei grundsätzliche Handlungsmöglichkeiten. Diese hängen unter anderem davon ab, zu welchem Typ Anleger Sie sich zählen.
1. Verkaufen
Der erste Reflex bei spürbar fallenden Kursen ist oft ein Verkauf der betroffenen Titel oder Fondsanteile. Für kurzfristig orientierte Anleger kann das tatsächlich eine mögliche Option sein. Denn durch einen schnellen Verkauf können mitunter noch Gewinne realisiert oder zumindest größere Verluste vermieden werden. Voraussetzung dafür ist, dass der aktuelle Kurs (noch) über beziehungsweise erst knapp unter dem ursprünglich gezahlten Kaufkurs liegt. Ansonsten gilt: Wenn Sie Wertpapiere unter dem Kaufpreis verkaufen, verwandeln Sie Buchverluste auf Ihrem Depotauszug in reale Verluste. Hinzu kommt das Problem mit dem Timing: Geht es mit den entsprechenden Kursen wieder aufwärts, ist es fast unmöglich, den richtigen Wiedereinstiegszeitpunkt zu finden – die allermeisten Anleger steigen zu spät wieder ein. Bedenken Sie auch, dass bei fast jedem Wertpapierkauf bzw. -verkauf Kosten anfallen und mögliche Gewinne versteuert werden müssen.
Tipp
Orientieren Sie sich immer an Ihrer persönlichen Risikobereitschaft und Ertragserwartung.
2. Halten
Es kann auch besser sein, fallende Kurse einfach auszusitzen, also Ihre Aktien zu halten. Historisch betrachtet sind gesamtwirtschaftlich bedingte marktweite Kursrücksetzer immer nur von gewisser Dauer. Oft erholen sich die Märkte bereits nach einigen Wochen oder Monaten, seltener dauert es wenige Jahre. Wichtig: Das gilt möglicherweise nicht für Aktien einzelner Unternehmen, die in wirtschaftlichen Schwierigkeiten stecken.
Tipp: Verluste aus dem Verkauf von Wertpapieren können gegebenenfalls mit entsprechenden Gewinnen steuerlich verrechnet werden. Eine steuerrechtliche Beratung ist hier hilfreich.
3. Kaufen
Gefallene Kurse können bei entsprechender Risikobereitschaft interessante Einstiegs- oder Nachkaufmöglichkeiten bieten. Dabei sollten Sie jedoch die Börsenregel „Greife niemals in ein fallendes Messer“ beherzigen. Das heißt: Kaufen Sie erst, wenn sich eine Trendumkehr verfestigt hat.
Wenn Sie sich mit den Schwankungen an den Kapitalmärkten gar nicht belasten wollen, setzen Sie einfach auf eine regelmäßige Investition in Investmentfonds oder ETFs, am besten über einen Sparplan. Dabei investieren Sie – zum Beispiel monatlich – eine bestimmte Summe in den Kauf von Fonds- bzw. ETF-Anteilen. Sinkt der Kurs des Fonds, erhalten Sie für Ihr Geld automatisch mehr Anteile. Steigt der Kurs wieder, steigt auch der Wert Ihrer Anteile.
Dynamische bzw. erfahrene Anleger: auf fallende Kurse setzen
Während man als Anleger beim Kauf von Wertpapieren normalerweise daraufsetzt, dass die Kurse langfristig steigen, gibt es auch Investoren, die kurzfristig auf fallende Kurse setzen. Das geht zum Beispiel über den sogenannten Leerverkauf von Aktien, über Derivate (z. B. Futures und Optionen) oder Differenzkontrakte (CFDs). Klingt kompliziert? Ist es auch, vor allem, wenn Sie damit keine Erfahrung haben. Zudem ist das Verlustrisiko vergleichsweise hoch. Das ist ein Grund, warum viele Banken entsprechende Produkte gar nicht anbieten.
Fest steht:
Kursschwankungen gehören bei einer Anlage in Wertpapieren einfach dazu. Das sollte Sie – bei entsprechender Risikobereitschaft – aber nicht davon abhalten, einen Teil Ihres Anlagekapitals an der Börse zu investieren. Denn nur so können Sie an den Renditechancen der Kapitalmärkte teilhaben.
Risikohinweis
Jede Geldanlage in Wertpapiere ist mit Risiken verbunden. Die Anlage ist nicht garantiert, Schwankungen des Markts können zu Kursverlusten bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen. Über die speziellen Risiken des jeweiligen Wertpapierprodukts informieren Sie die jeweiligen gesetzlich vorgeschriebenen Verkaufsunterlagen. Diese sind auf www.postbank.de abrufbar, wenn Sie dort in der Suche die ISIN/WKN des Produkts eingeben, außerdem erhältlich in der Postbank Filiale bei Ihrem Wertpapierberater. Weitere Informationen enthalten zudem die „Basisinformationen für Wertpapiere und weitere Kapitalanlagen“.
Mit dem Postbank Wertpapierdepot legen Sie den Grundstein für Ihren Einstieg ins Wertpapiergeschäft – für 0,00 Euro Grundpreis.