Retoure ans Christkind: Tipps zum Geschenke-Umtausch

Auch der Weihnachtsmann ist nicht unfehlbar und verteilt Jahr für Jahr Geschenke, die eher für lange Gesichter als für Begeisterung sorgen. Kurz nach dem Fest tummeln sich in den Innenstädten üblicherweise viele Beschenkte, die ihre Präsente möglichst unkompliziert wieder loswerden möchten. Sie gehören ebenfalls dazu? Dann lesen Sie vor dem Gang zum Einzelhändler unsere wertvollen Tipps zu Umtausch, Rückgabe und Reklamation und erfahren Sie, welche Corona-bedingten Sonderregelungen zum Jahreswechsel 2021/2022 jetzt gelten!

Alle Jahre wieder: Umtausch von unpassenden Geschenken

Das Paket unter dem Weihnachtsbaum ist kunstvoll verpackt, das silberne Geschenkband funkelt verheißungsvoll im Kerzenlicht. Doch beim Auspacken folgt der Frust: Wieder einmal haben die Lieben nicht den persönlichen Geschmack getroffen und Blümchensocken, Comic-Krawatten oder kitschige Dekoartikel verschenkt. Das ist schade, aber kein Beinbruch! Denn glücklicherweise lassen sich Weihnachtsgeschenke zumeist umtauschen. Dabei ist es egal, ob diese im lokalen Einzelhandel oder online erworben wurden. Bei der Rückgabe müssen Sie allerdings einige Punkte beachten, denn der Gesetzgeber hat hier bestimmte Fristen und Regeln vorgesehen. Wir verraten Ihnen, wie Sie alle unliebsamen Geschenke ganz einfach loswerden.

Müssen Händler Geschenke umtauschen?

Zunächst vorweg: Händler sind gesetzlich nicht dazu verpflichtet, ein­wand­freie Waren ohne Mängel wieder zurück­zu­nehmen. Die meisten Anbieter sind dies­bezüglich jedoch äußerst kulant und bieten die Möglichkeit, innerhalb eines bestimmten zeitlichen Rahmens Kaufverträge zu widerrufen. Wie dieser Zeit­rahmen aussieht, ist von Geschäft zu Geschäft unterschiedlich. Wenige ganz große Unternehmen räumen ihren Kunden ein 365-tägiges Rück­gabe­recht ein – liegen damit allerdings über dem üblichen Durch­schnitts­wert von 14 Tagen. Wie sich das Rück­gabe­recht bei einzelnen Händlern gestaltet, können Sie den jeweiligen All­ge­meinen Geschäfts­bedingungen (AGB) entnehmen, die entweder im Laden aushängen (müssen) oder auf der Homepage des Einzel­händlers zu finden sind. Die AGB regeln meistens auch, wie ein bestimmtes Unter­nehmen mit dem Rück­gabe­recht umgeht.

Umtausch, Rückgabe und Co. – das sind die feinen Unterschiede

Bei einer Rückgabe bringen Sie das ungeliebte oder unpassende Weihnachts­geschenk zurück in den Laden. Eine „Geld zurück“-Garantie gibt es aber nicht – nur rund 30 Prozent der deutschen Einzelhändler geben Kunden bei einer Rückgabe den Kaufpreis als Bargeld heraus.

Wenn Sie Weihnachts­geschenke umtauschen möchten, sieht die Sachlage anders aus. In den allermeisten Fällen müssen Sie das miss­glückte Weihnachts­präsent nämlich durch einen anderen Artikel des Händler-Sortiments ersetzen, das ungefähr den gleichen Wert hat. So hand­haben es laut Statistik 45 Prozent aller Einzelhändler in Deutschland. Alternativ kann es sein, dass Ihnen der Händler einen Gutschein zum Warenwert anbietet, mit dem Sie später nach Herzens­laune shoppen können – aber eben nur in diesem Geschäft. Gutscheine haben übrigens eine gesetzliche Verjährungsfrist von drei Jahren – selbst wenn der Händler ein anderes „Verfallsdatum“ darauf vermerkt.

Einige Waren sind generell vom Umtausch ausgeschlossen. Aus zumeist hygienischen Gründen gilt dies z. B. für Dessous, Zahn­bürsten, Kosmetika oder Bade­moden. Auch bei stark reduzierter Ware oder Sonder­angeboten könnten Sie mit dem Geschenke-Umtausch eventuell Pech haben. Gleiches gilt für personalisierte Artikel wie etwa bedruckte T-Shirts, Foto­tassen oder gravierte Schmuck­stücke sowie für verderbliche Waren wie Blumen und geöffnete Software, DVDs und Blu-Ray-Discs.

Der Mythos, dass Ware nur in Original­verpackung zurück­gegeben oder umgetauscht werden kann, ist allerdings nicht haltbar und hat keine rechtliche Grundlage. Vor allem defekte Produkte müssen Verkäufer ohne Umver­packung annehmen.

Geschenke umtauschen ohne Kassenbon: So funktioniert‘s

Natürlich ist ein Umtausch mit Kassen­zettel relativ einfach zu realisieren. Mit dem Bon beweisen Sie schließlich dem Verkäufer, dass Sie oder ein Familien­mitglied ein bestimmtes Produkt bei ihm erworben haben. Was aber, wenn kein Kauf­beleg mehr vorhanden sein sollte? In einem solchen Fall hilft Ihnen der Kredit­karten­beleg oder der Konto­auszug weiter.

Tatsächlich ist es auch möglich, beim Geschenke­umtausch ohne Quittung weiter­zu­kommen. Es kann z. B. ausreichen, wenn ein Zeuge den Kauf bestätigt oder wenn Sie ander­weitig nachweisen können, dass das Produkt exakt bei diesem Händler gekauft wurde. Bei Waren, die es ohnehin nur in einem bestimmten Geschäft gibt, ist ein Kassen­bon ebenfalls nicht zwingend notwendig. Das gilt z. B. für das Waren­sortiment einer Hausmarke.

Sonderfall Onlinehandel: Widerrufsrecht beim Umtauschen von Geschenken nutzen

Online­shopping ist bequem und sicher, unter­scheidet sich rechtlich jedoch ein wenig vom Kauf beim Einzel­händler vor Ort. Denn wenn Weih­nachts­geschenke im Internet bestellt werden, ist dies nach § 312 BGB ein sogenannter Fern­absatz­vertrag, in dessen Rahmen dem Käufer ein gesetz­liches Rück­gabe­recht binnen 14 Tagen eingeräumt wird.

Wenn Sie im Internet bestellte Weih­nachts­geschenke umtauschen möchten, müssen Sie diese postalisch an den Verkäufer zurücksenden. Hier hält sich ein weiterer Fall­strick versteckt: Wer zahlt das Porto bei einer Rück­sendung? Aus Sicht des Gesetz­gebers müssen die Kosten vom Verbraucher übernommen werden. Das Handels­unternehmen ist allerdings verpflichtet, darauf in seinen AGB hinzuweisen. Der Waren­wert spielt dabei übrigens keine Rolle: Eine früher geltende 40-Euro-Regelung gibt es im neuen Verbraucher­recht nicht mehr!

Viele namhafte Internet­händler zeigen sich aber auch bei den Porto­kosten kulant und bieten ihren Kunden die Möglichkeit an, Waren portofrei zurück­zusenden. Meistens können Sie die dafür not­wendigen Paket­scheine auf der Webseite des Händlers ausdrucken. So sparen Sie sich die Porto­kosten und können unliebsame Weih­nachts­geschenke ganz entspannt loswerden. Alle Jahre wieder …

Etwas komplizierter verhält es sich bei Speditions­lieferungen. Wenn Sie ein sperriges Gut – beispielsweise ein Möbel­stück – zu Weih­nachten geschenkt bekommen haben, müssen Sie unter Umständen sehr hohe Rück­sende­kosten tragen. Das ist jedoch nur der Fall, wenn der Verkäufer seine Kunden laut Artikel 246a § 1 Absatz 2 BGB über diese Pflicht öffentlich informiert. Bei defekter oder mangel­hafter Ware sieht die Sachlage wiederum anders aus – hier können Sie als Kunde vom Verkäufer eine Nach­erfüllung anfordern. Diese beinhaltet dann natürlich alle not­wendigen Transport-, Material- und Arbeitskosten.

Welche Besonderheiten gelten in Zeiten von Corona?

Was in der Advents­zeit eingekauft wurde und nicht gefällt, kommt kurz nach Weihnachten wieder zurück in die Geschäfte.  Aufgrund der aktuellen Corona-Regeln und -Beschränkungen sind dennoch einige Besonder­heiten zu beachten:

  • Bei Online­bestellungen erlauben zahlreiche Händler ihren Kunden üblicherweise die Rück­gabe in der Filiale. Wegen der Corona-Situation ist dies allerdings nicht überall erlaubt. Manche Geschäfte weisen ausdrücklich darauf hin, dass sie derzeit keine Waren vor Ort zurück­nehmen können, die im Onlineshop gekauft wurden. Erkundigen Sie sich daher vorher telefonisch, bevor Sie sich auf den Weg in die Innenstadt machen. Unter Umständen ist es nur möglich, die Bestellung wieder per Paket zu retournieren.
  • Falls Sie Ihre Bestellung aus dem Onlineshop in einer Filiale zurückgeben dürfen, sind trotzdem die 2G- und 3G-Zugangs­beschränkungen in den jeweiligen Bundes­ländern zu beachten. Lediglich Geschäfte der Grund­versorgung sind von den G-Regelungen nicht betroffen. Dazu gehören neben Supermärkten z. B. Drogerien, Tier­bedarfs- und Baby­fach­märkte.
  • Beim Internetkauf gilt ein gesetzliches Rück­gabe­recht, das Sie innerhalb von 14 Tagen ausüben können. Viele Händler haben ihre Retouren­frist aufgrund der pandemischen Lage verlängert. Verlassen Sie sich jedoch nicht darauf und schauen Sie lieber noch einmal auf der Webseite nach.
  • Wenn Sie krank sind oder sich in häuslicher Quarantäne befinden, bleiben Sie in jedem Fall daheim. Bitten Sie gegebenen­falls eine andere Person darum, Ihre Geschenke bei Nicht­gefallen zurückzubringen. Die Rückgabe- und Umtauschfristen verlängern sich in solch einer Situation nicht automatisch.