- Eine Berufsunfähigkeitsversicherung springt in der Regel ein, wenn Sie Ihren Beruf aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben können.
- Schon kleinere Beeinträchtigungen können dazu führen, dass Sie Ihren beruflichen Alltag nicht mehr bewältigen können.
- Finanzielle Einbußen können damit abgemildert werden und geben mehr Planungssicherheit.
Berufsunfähigkeitsversicherung – Vorsorgen für den Fall des Falles
Welches Risiko deckt die Berufsunfähigkeitsversicherung ab?
Die private Berufsunfähigkeitsversicherung zählt zu den Risikoversicherungen, weil sie das Risiko der Berufsunfähigkeit absichert. Leistungen erhalten Sie in der Regel, wenn Sie ununterbrochen mehr als sechs Monate mindestens zu 50 Prozent außerstande sind, Ihrem zuletzt ausgeübten Beruf nachzugehen. Damit kann die BU-Versicherung als private Vorsorge helfen, die entstehende Einkommenslücke abzufedern.
Die gesetzliche Absicherung reicht nicht aus
Die gesetzliche Absicherung bietet im Ernstfall oft nur begrenzten Schutz. Dabei spielt es eine Rolle, ob die Berufsunfähigkeit durch einen Arbeitsunfall, eine Berufskrankheit oder eine Erkrankung ohne direkten Berufsbezug entsteht.
Berufsgenossenschaften leisten nur in bestimmten Fällen
Die Berufsgenossenschaften sichern Beschäftigte vor allem bei Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten ab. Der Schutz greift also nur, wenn der Unfall oder die Erkrankung im direkten Zusammenhang mit der beruflichen Tätigkeit steht. Viele gesundheitliche Ursachen für eine Berufsunfähigkeit entstehen aber außerhalb des Arbeitsplatzes. Dazu zählen z. B. psychische Erkrankungen, Krebs oder Beschwerden des Bewegungsapparats.
Erwerbsminderungsrente ersetzt keine private Absicherung
Auch die gesetzliche Rentenversicherung bietet nur eingeschränkten Schutz. Eine gesetzliche Rente wegen Berufsunfähigkeit erhalten nur Versicherte, die vor dem 2. Januar 1961 geboren sind. Für jüngere Versicherte kommt unter Umständen eine Erwerbsminderungsrente infrage. Dabei zählt allerdings auch, wie viel Stunden Sie noch irgendeiner Tätigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nachgehen können.
Wann ist man berufsunfähig?
Eine Berufsunfähigkeit tritt ein, wenn Sie Ihren zuletzt ausgeübten Beruf aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben können – etwa wegen Krankheit, Verletzung oder Kräfteverfall. Neben der Diagnose kommt es in erster Linie darauf an, wie stark Ihre konkrete berufliche Tätigkeit eingeschränkt ist.
Ein wichtiger Punkt in der Berufsunfähigkeitsversicherung ist die sogenannte abstrakte Verweisung. Das bedeutet:
- Der Versicherer kann die Leistung ablehnen, wenn Sie theoretisch noch in einem andere, vergleichbaren Beruf arbeiten könnten.
- Ob Sie tatsächlich eine solche Stelle finden, spielt dabei nur eingeschränkt eine Rolle.
- Mögliche Einkommensverluste tragen in diesem Fall Sie als versicherte Person.
- Moderne Verträge verzichten meist auf diese Klausel. In älteren Verträgen kann sie noch enthalten sein.
Ein Beispiel: Ein Chirurg, der einen Daumen verloren hat, kann vielleicht nicht mehr operieren. Enthält der Vertrag eine abstrakte Verweisung, könnte der Versicherer aber darauf verweisen, dass er theoretisch noch als medizinischer Berater arbeiten oder Sprechstunden halten könnte. Als berufsunfähig gilt er dann unter Umständen nicht.
Tipp
Wählen Sie eine Versicherung, die das versicherte Berufsbild ausdrücklich im Vertrag erwähnt. Dann besteht auch eine sichere Rechtslage darüber, welche Bedingungen erfüllt sein müssen.
Risikoberufe und Risiko-Lifestyle
Versicherer sind für eine zuverlässige Kalkulation vor Vertragsabschluss immer auf wahrheitsgemäßen Selbstauskünften ihrer Versicherungsnehmer angewiesen, zum Beispiel auch über die Ausübung einer riskanten Sportart. Denn der monatliche Tarif für die Berufsunfähigkeitsrente (abgekürzt auch „BU-Rente“) setzt sich aus vielen Faktoren zusammen.
Welche Faktoren können den Beitrag beeinflussen?
Der Beitrag zur Berufsunfähigkeitsversicherung hängt von mehreren persönlichen Faktoren ab:
- ausgeübter Beruf und körperliche Belastung
- Vorerkrankungen und Gesundheitszustand
- riskante Hobbys oder Sportarten
- gewünschte Höhe der BU-Rente
- Alter beim Vertragsabschluss
- Vertragslaufzeit und Versicherungsbedingungen
Häufige Gründe für Berufsunfähigkeit
Körperlich anstrengende Berufe können das Risiko für eine Berufsunfähigkeit erhöhen. Aktuelle Auswertungen zeigen jedoch, welche Erkrankungen am häufigsten zur Berufsunfähigkeit führen:
- Ganz vorne liegen psychische Erkrankungen wie Depressionen, Burnout oder Angststörungen.
- Danach folgen Erkrankungen des Skelett- und Bewegungsapparates, z. B. chronische Rücken-, Gelenk- oder Bandscheibenbeschwerden.
- Auch Krebs und andere schwere Erkrankungen zählen zu den häufigen Ursachen.
- Unfälle sowie Herz- und Gefäßerkrankungen kommen ebenfalls vor, machen aber einen kleineren Anteil aus.
Das zeigt: Eine Berufsunfähigkeitsversicherung kann auch für Personen wichtig sein, die im Büro arbeiten oder auf den ersten Blick keinem klassischen Risikoberuf nachgehen. Laut einer Auswertung von Morgen & Morgen [A1.1]waren 2025 psychische Erkrankungen mit 35,75 Prozent die häufigste Ursache, gefolgt von Erkrankungen des Bewegungsapparats mit 17,85 Prozent und Krebs mit 16,96 Prozent.
Tipp zur Ermittlung der Versicherungssumme
Machen Sie sich nicht nur Gedanken darüber, welche Kosten und finanziellen Verpflichtungen Sie im Falle einer Berufsunfähigkeit trotzdem immer noch haben. Überlegen Sie auch, welche Bedürfnisse und damit verbundene Kosten, die Sie aktuell auch für bestimmte Lifestyle-Gewohnheiten aufwenden, eventuell auch entfallen könnten. Prüfen Sie vor allem:
- laufende Fixkosten wie Miete, Kreditraten, Versicherungen und Lebenshaltung
- finanzielle Verpflichtungen gegenüber Familie oder Partnerin bzw. Partner
- Rücklagen für Krankheit, Pflege oder Altersvorsorge
- Kosten, die bei einer Berufsunfähigkeit möglicherweise wegfallen
- gewünschter Lebensstandard trotz geringerer Einnahmen
Je genauer Sie sich also auch mit den unvorhergesehenen Eventualitäten Ihrer Zukunftsplanung befassen, desto größer ist die Chance, zu einem günstigen Tarif auch die optimal auf Sie zugeschnittene Versicherungssumme zu finden.
6 Tipps für den Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung:
- Setzen Sie die Höhe der versicherten BU-Rente so realistisch wie möglich an. Vermeiden Sie Übertreibungen ebenso wie Untertreibungen.
- Achten Sie darauf, dass der Vertrag Ihrer tatsächlichen beruflichen Situation und Qualifikation entspricht.
- Wählen Sie eine Versicherung, die Sie schrittweise Ihren Einkommensverhältnissen anpassen können.
- Achten Sie darauf, dass sich der Vertrag ausdrücklich auf die Berufsunfähigkeit bezieht, nicht nur auf allgemeine verminderte Erwerbsfähigkeit oder -unfähigkeit. Dann haben Sie Anspruch auf eine BU-Rente und müssen im Fall der Berufsunfähigkeit keiner anderen, gesundheitlich noch zumutbaren Beschäftigung nachgehen.
- Schließen Sie einen Vertrag, bei dem die Zahlung der BU-Rente ab dem ersten Tag der festgestellten Berufsunfähigkeit erfolgt.
- Je jünger Sie beim Abschluss sind, desto geringer fällt oft der monatliche Beitrag aus. Deshalb kann es sinnvoll sein, sich frühzeitig mit dem Thema zu beschäftigen.