Lohnt eine private Pflegeversicherung?

  • Die Zahl der Pfle­ge­be­dürf­ti­gen in Deutsch­land steigt wei­ter an. Im Jahr 2025 be­zo­gen rund 6,4 Mil­li­o­nen Men­schen Leis­tun­gen aus der Pfle­ge­ver­si­che­rung.
  • Trotz des Ver­si­che­rungs­schut­zes müs­sen Pfle­ge­be­dürf­ti­ge häu­fig einen er­heb­li­chen Teil der Pfle­ge­kos­ten selbst tra­gen.
  • Eine pri­va­te Pfle­ge­zu­satz­ver­si­che­rung kann dabei hel­fen, die fi­nan­zi­el­le Be­las­tung zu ver­rin­gern und Er­spar­nis­se zu schüt­zen.

Unser Tipp

Pflegeabsicherung fürs Alter

Private Pflege­zusatz­versicherung als Ergänzung

Die ge­setz­li­che Pfle­ge­ver­si­che­rung wurde am 1. Ja­nu­ar 1995 als ei­gen­stän­di­ger Zweig der So­zi­al­ver­si­che­rung ein­ge­führt. Al­ler­dings über­nimmt sie nur einen Teil der Kos­ten, die bei Pfle­ge­be­dürf­tig­keit ent­ste­hen. Daher kommt auch die ge­läu­fi­ge Be­zeich­nung „Teil­kas­ko­ver­si­che­rung“.

Hier setzt die frei­wil­li­ge pri­va­te Pfle­ge­zu­satz­ver­si­che­rung an. Je nach Tarif er­hal­ten Ver­si­cher­te im Pfle­ge­fall zu­sätz­li­che Geld­leis­tun­gen oder eine Er­stat­tung be­stimm­ter Pfle­ge­kos­ten. Wel­che Leis­tun­gen ihnen zu­ste­hen, hängt von den je­wei­li­gen Ver­si­che­rungs­be­din­gun­gen ab.

Wenn Sie früh­zei­tig eine Pfle­ge­zu­satz­ver­si­che­rung ab­schlie­ßen, pro­fi­tie­ren Sie häu­fig von nied­ri­ge­ren An­fangs­bei­trä­gen. Die Bei­trä­ge kön­nen je­doch im Laufe der Jahre stei­gen. Des­halb soll­ten Sie neben dem Leis­tungs­um­fang auch die lang­fris­ti­gen Kos­ten be­rück­sich­ti­gen.

Tipp

Wenn An­ge­hö­ri­ge oder Be­kann­te die Pfle­ge über­neh­men, kön­nen frei ver­füg­ba­re Geld­leis­tun­gen sinn­voll sein. Dafür kom­men z. B. eine Pfle­ge­ta­ge­geld­ver­si­che­rung oder eine Pfle­ger­en­ten­ver­si­che­rung in­fra­ge. Wel­che Ab­si­che­rung sich für Sie eig­net, hängt von Ihren per­sön­li­chen Be­dürf­nis­sen und fi­nan­zi­el­len Mög­lich­kei­ten ab.

Zusatz­leistungen privater Pflege­zusatz­versicherungen im Überblick

Pfle­ge­ta­ge­geld­ver­si­che­rung

Bei die­sen Po­li­cen er­hal­ten Sie im Pfle­ge­fall einen fest­ge­leg­ten Be­trag, des­sen Höhe meist vom Pfle­ge­grad ab­hängt. In nied­ri­ge­ren Pfle­ge­gra­den zah­len viele Ver­si­che­rer nur einen Teil des ver­ein­bar­ten Ta­ges­sat­zes. Sinn­voll kann zudem eine re­gel­mä­ßi­ge An­pas­sung an die In­fla­ti­on sein. Dabei er­höht der Ver­si­che­rer den Ta­ges­satz, al­ler­dings kön­nen da­durch auch die Bei­trä­ge stei­gen. Das Pfle­ge­ta­ge­geld kön­nen Sie frei und ohne Kos­ten­nach­weis ver­wen­den. Wo und von wem Sie ge­pflegt wer­den, spielt dabei keine Rolle.

Pfle­ge­kos­ten­ver­si­che­rung

Diese Zu­satz­ver­si­che­rung er­stat­tet je nach Tarif einen Teil der nach­ge­wie­se­nen Pfle­ge­kos­ten. Häu­fig um­fasst der Ver­si­che­rungs­schutz nur Leis­tun­gen aus dem Ka­ta­log der ge­setz­li­chen Pfle­ge­ver­si­che­rung. Bleibt nach der Zah­lung durch die Pfle­ge­kas­se ein Be­trag offen, über­nimmt der pri­va­te Ver­si­che­rer einen ver­ein­bar­ten An­teil der Rest­kos­ten. Al­ter­na­tiv zahlt er bis zu einer fest­ge­leg­ten Höchst­gren­ze. Die Kos­ten für Un­ter­kunft und Ver­pfle­gung im Heim, eine pri­va­te Haus­halts­hil­fe oder zu­sätz­li­che Be­treu­ungs­an­ge­bo­te sind häu­fig nicht ab­ge­deckt. Bei der Pfle­ge durch An­ge­hö­ri­ge kön­nen die er­stat­tungs­fä­hi­gen Kos­ten ge­rin­ger aus­fal­len als bei einem pro­fes­si­o­nel­len Pfle­ge­dienst.

Pfle­ger­en­ten­ver­si­che­rung

Diese Va­ri­an­te ist eine Form der Le­bens­ver­si­che­rung. Die Höhe der ver­ein­bar­ten Pfle­ger­en­te legen Sie beim Ver­trags­ab­schluss fest. Im Pfle­ge­fall er­hal­ten Sie eine mo­nat­li­che Rente. Wie hoch diese aus­fällt, hängt in der Regel vom Pfle­ge­grad ab. Das Geld kön­nen Sie frei ver­wen­den.

Tipp

Las­sen Sie sich un­ab­hän­gig be­ra­ten, um Leis­tun­gen und Ver­trags­be­din­gun­gen ver­schie­de­ner Ta­ri­fe zu ver­glei­chen.

Was sind die Leistungen der gesetz­lichen Pflege­versicherung?

Die so­zi­a­le Pfle­ge­ver­si­che­rung un­ter­stützt Pfle­ge­be­dürf­ti­ge mit an­er­kann­tem Pfle­ge­grad. Eine kos­ten­lo­se Pfle­ge­be­ra­tung nach § 7a SGB XI in­for­miert Sie dar­über, wel­che Pfle­ge- und Un­ter­stüt­zungs­leis­tun­gen Ihnen zu­ste­hen.

Pflegereform 2027: Was soll sich ändern?

Die Bun­des­re­gie­rung plant, die Pfle­ge­ver­si­che­rung ab 2027 schritt­wei­se neu zu ord­nen. Dazu hat das Bun­des­ka­bi­nett am 30. Sep­tem­ber 2026 einen Ge­setz­ent­wurf be­schlos­sen. Fol­gen­de Än­de­run­gen sind unter an­de­rem ge­plant:

  • Fle­xi­ble­re Leis­tun­gen: Neue Bud­gets sol­len bis­her ge­trenn­te Pfle­ge­leis­tun­gen bün­deln und ihre Nut­zung ver­ein­fa­chen.
  • Mehr Un­ter­stüt­zung im All­tag: Für die Pfle­ge­gra­de 2 bis 5 ist ein neues So­zi­al­raum­bud­get von bis zu 175 Euro mo­nat­lich vor­ge­se­hen.
  • Bes­se­re Pfle­ge­be­ra­tung: Eine zu­sätz­li­che Pfle­ge­be­glei­tung soll Pfle­ge­be­dürf­ti­ge und An­ge­hö­ri­ge bei der Or­ga­ni­sa­ti­on der häus­li­chen Pfle­ge un­ter­stüt­zen.
  • Schnel­le Hilfe in Not­fäl­len: Ein neues Über­brü­ckungs­bud­get soll die Ver­sor­gung bei einem plötz­li­chen Aus­fall der Pfle­ge­per­son er­leich­tern.
  • Än­de­run­gen bei Pfle­ge­grad 1: Der bis­he­ri­ge Ent­las­tungs­be­trag soll ent­fal­len. Statt­des­sen sind zu­sätz­li­che Be­ra­tungs- und Prä­ven­ti­ons­an­ge­bo­te ge­plant.


Die Re­form ist noch nicht end­gül­tig be­schlos­sen. Auch künf­tig soll die Pfle­ge­ver­si­che­rung nur einen Teil der Pfle­ge­kos­ten ab­de­cken. Eine pri­va­te Pfle­ge­zu­satz­ver­si­che­rung bleibt daher eine Mög­lich­keit, sich gegen zu­sätz­li­che fi­nan­zi­el­le Be­las­tun­gen ab­zu­si­chern.

Gut zu wissen

Die fol­gen­den Leis­tungs­be­trä­ge ent­spre­chen den ak­tu­ell gel­ten­den Re­ge­lun­gen (Stand: Ok­to­ber 2026).

Pflegegeld

Wer sich durch An­ge­hö­ri­ge oder Eh­ren­amt­li­che zu Hause ver­sor­gen lässt, kann ab Pfle­ge­grad 2 mo­nat­lich fol­gen­des Pfle­ge­geld er­hal­ten:

  • 347 Euro bei Pfle­ge­grad 2
  • 599 Euro bei Pfle­ge­grad 3
  • 800 Euro bei Pfle­ge­grad 4
  • 990 Euro bei Pfle­ge­grad 5


Bei Pfle­ge­grad 1 be­steht kein An­spruch auf Pfle­ge­geld. Das gilt auch, so­lan­ge noch kein Pfle­ge­grad an­er­kannt ist.

Pflegesachleistungen

Pfle­ge­be­dürf­ti­ge, die zu Hause Un­ter­stüt­zung durch einen am­bu­lan­ten Pfle­ge­dienst be­kom­men, er­hal­ten Pfle­ge­sach­leis­tun­gen. Diese be­tra­gen seit Ja­nu­ar 2025 mo­nat­lich bis zu:

  • Pfle­ge­grad 2: 796 Euro
  • Pfle­ge­grad 3: 1.497 Euro
  • Pfle­ge­grad 4: 1.859 Euro
  • Pfle­ge­grad 5: 2.299 Euro


Die am­bu­lan­ten Pfle­ge­sach­leis­tun­gen kön­nen mit dem Pfle­ge­geld kom­bi­niert wer­den. Dabei ver­rin­gert sich das Pfle­ge­geld an­tei­lig.

Auch pfle­gen­de An­ge­hö­ri­ge be­nö­ti­gen ge­le­gent­lich eine Ver­tre­tung, z. B. bei Ur­laub oder Krank­heit. Dafür gibt es die so­ge­nann­te Ver­hin­de­rungs­pfle­ge. Ab Pfle­ge­grad 2 über­nimmt die Pfle­ge­ver­si­che­rung die Kos­ten für eine Er­satz­pfle­ge für bis zu acht Wo­chen im Ka­len­der­jahr. Seit Juli 2025 steht für Ver­hin­de­rungs- und Kurz­zeit­pfle­ge ein ge­mein­sa­mes Jah­res­bud­get von bis zu 3.539 Euro zur Ver­fü­gung.

Über­neh­men nahe An­ge­hö­ri­ge oder Per­so­nen aus dem­sel­ben Haus­halt die Er­satz­pfle­ge nicht er­werbs­mä­ßig, gel­ten grund­sätz­lich nied­ri­ge­re Höchst­be­trä­ge:

  • Pfle­ge­grad 2: 694 Euro
  • Pfle­ge­grad 3: 1.198 Euro
  • Pfle­ge­grad 4: 1.600 Euro
  • Pfle­ge­grad 5: 1.980 Euro


Zu­sätz­li­che not­wen­di­ge Aus­ga­ben, etwa Fahrt­kos­ten oder Ver­dienst­aus­fall, kön­nen die Er­stat­tung er­hö­hen. Ins­ge­samt gilt je­doch die Ober­gren­ze des ge­mein­sa­men Jah­res­bud­gets. Gut zu wis­sen: Seit 2026 müs­sen Sie die Er­stat­tung der Ver­hin­de­rungs­pfle­ge spä­tes­tens bis zum Ende des fol­gen­den Ka­len­der­jah­res unter Vor­la­ge ent­spre­chen­der Be­le­ge be­an­tra­gen.

Au­ßer­dem bie­ten die Kas­sen kos­ten­lo­se Kurse für pfle­gen­de An­ge­hö­ri­ge und be­tei­li­gen sich an er­for­der­li­chen Um­bau­maß­nah­men.

Entlastungsbetrag

Zu­sätz­lich steht Pfle­ge­be­dürf­ti­gen aller Pfle­ge­gra­de bei häus­li­cher Pfle­ge ein mo­nat­li­cher Ent­las­tungs­be­trag von bis zu 131 Euro zu. Der Be­trag ist zweck­ge­bun­den und wird nicht au­to­ma­tisch aus­ge­zahlt. Damit kön­nen Sie z. B. an­er­kann­te Un­ter­stüt­zungs­an­ge­bo­te im All­tag sowie Tages-, Nacht- oder Kurz­zeit­pfle­ge mit­fi­nan­zie­ren.

Für die Kos­ten­er­stat­tung müs­sen Sie ent­spre­chen­de Be­le­ge bei der Pfle­ge­kas­se ein­rei­chen. Nicht ge­nutz­te Be­trä­ge kön­nen Sie bis zum 30. Juni des Fol­ge­jah­res ver­wen­den.

Entlastung bei Pflege­heim­kosten

Pfle­ge­be­dürf­ti­ge ab Pfle­ge­grad 2 in voll­sta­ti­o­nä­ren Pfle­ge­ein­rich­tun­gen er­hal­ten seit 2022 einen Leis­tungs­zu­schlag, der sich nach der Dauer des Auf­ent­halts rich­tet. Seit Ja­nu­ar 2024 gel­ten fol­gen­de Zu­schlä­ge auf den pfle­ge­be­ding­ten Ei­gen­an­teil:

  • 15 Pro­zent des Ei­gen­an­teils an den Pfle­ge­kos­ten ab dem ers­ten Monat, 
  • 30 Pro­zent des Ei­gen­an­teils nach 12 Mo­na­ten,
  • 50 Pro­zent des Ei­gen­an­teils ab 24 Mo­na­ten und
  • 75 Pro­zent des Ei­gen­an­teils nach dem 36. Monat.


Bei Pfle­ge­grad 1 zahlt die Pfle­ge­ver­si­che­rung für die voll­sta­ti­o­nä­re Pfle­ge einen pau­scha­len Zu­schuss von 131 Euro mo­nat­lich.

Die Zu­schlä­ge be­rück­sich­ti­gen auch die Aus­bil­dungs­um­la­gen. Wei­te­re Aus­ga­ben für Un­ter­kunft, Ver­pfle­gung und In­ves­ti­ti­ons­kos­ten müs­sen Pfle­ge­be­dürf­ti­ge da­ge­gen aus ei­ge­ner Ta­sche be­zah­len.

Fazit – lohnt sich eine Pflege­zusatz­versicherung?

Eine pri­va­te Pfle­ge­zu­satz­ver­si­che­rung kann Ihnen im Pfle­ge­fall mehr fi­nan­zi­el­len Spiel­raum ver­schaf­fen und Ihre Er­spar­nis­se scho­nen. Zu­sätz­li­che Geld­leis­tun­gen las­sen sich z. B. für pro­fes­si­o­nel­le Pfle­ge oder die Un­ter­stüt­zung durch An­ge­hö­ri­ge nut­zen. Bei einer Pfle­ger­en­ten­ver­si­che­rung ent­schei­den Sie selbst, wofür Sie die mo­nat­li­chen Zah­lun­gen ver­wen­den.

Wie viel zu­sätz­li­cher Schutz für Sie sinn­voll ist, hängt von Ihren fi­nan­zi­el­len Re­ser­ven und Ihrer per­sön­li­chen Le­bens­si­tu­a­ti­on ab. Ach­ten Sie bei der Aus­wahl dar­auf, dass die Leis­tun­gen Ihren Be­dürf­nis­sen ent­spre­chen und die Bei­trä­ge lang­fris­tig be­zahl­bar blei­ben.

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