Was Sie über die gesetzliche Pflegeversicherung wissen müssen

Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko, zum Pflegefall zu werden, dramatisch an. Für die Betroffenen ist der Pflegefall dann meist mit extremen finanziellen Belastungen verbunden. Da immer mehr Menschen ein hohes Alter erreichen und damit ein höheres Pflegerisiko besteht, wurde 1995 die gesetzliche Pflegeversicherung eingeführt. Sowohl gesetzlich Versicherte als auch Privatpatienten müssen einzahlen. Mit dem Renteneintritt zahlen Sie ebenfalls weiter Beiträge zur Pflegeversicherung.

Was sagt die Statistik?

Aktuelle Pflegestatistiken des Statistischen Bundesamtes (Stand: Ende 2019) belegen: Während bei den 70- bis 74-Jährigen knapp jeder Vierzehnte Pflegebedarf hat, ist bei den 80- bis 84-Jährigen mehr als jeder Vierte betroffen. In der Altersgruppe der über 90-Jährigen klettert die Pflegequote sogar auf rund 76 Prozent.

Rentner zahlen den vollen Satz der gesetzlichen Pflegeversicherung

Seit Januar 2019 liegt der Beitrag für gesetzlich Versicherte bei 3,05 Prozent des beitragspflichtigen Einkommens, davon trägt die Hälfte der Arbeitgeber. Rentner zahlen den vollen Satz allein. Bis einschließlich 2021 blieb dieser Satz bisher stabil.

Wer keine Kinder hat, zahlt mehr in die gesetzliche Pflegeversicherung ein

Kinderlose zahlen einen Aufschlag von 0,25 Prozent (ausgenommen vor dem 1. Januar 1940 geborene Kinderlose und Personen, die das 23. Lebensjahr noch nicht vollendet haben). Das bedeutet, es wird ein Beitragssatz von 3,3 Prozent für Kinderlose fällig.

Die für 2021 geplante Pflegereform könnte bedeuten, dass der Beitrag für Kinderlose um 0,1 Prozent auf 3,4 Prozent steigt. Der Gesundheitsminister plant, mit dem Mehrbeitrag die Kosten der Reformen aufzufangen.

Privatpatienten zahlen altersabhängige Beiträge.

Achtung: Trotz unterschiedlicher Beiträge erhalten gesetzlich und privat Versicherte im Pflegefall aus der Pflichtversicherung die gleichen Leistungen.

Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung

Seit Beginn des Jahres 2017 gibt es zahlreiche Neuerungen bei den Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung. Die Begutachtungen durch den medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) erfassen nun nicht mehr den Zeitaufwand für die nötige Pflege. Stattdessen stellen die Mitarbeiter den Grad der Selbstständigkeit in relevanten Bereichen der Lebensführung fest. So erhalten Pflegebedürftige mit Demenz einen besseren Zugang zu den Leistungen der Pflegeversicherung. Denn sie benötigen trotz körperlich guter Gesundheit viel Betreuung und Zuwendung. Die bisherigen Pflegestufen 0 bis 3 wurden durch die Pflegegrade 1 bis 5 ersetzt. Versicherte, denen bereits eine Pflegestufe bewilligt worden war, erhalten einen lebenslangen Bestandsschutz. So wird garantiert, dass sie durch die aktualisierten Regelungen nicht schlechtergestellt werden.

Wer sich durch Angehörige oder Ehrenamtliche zu Hause versorgen lässt, erhält ab Mitte 2021 mehr Pflegegeld.

Bis zum 30. Juni 2021 gibt es in

  • Pflegegrad 2: 316 Euro
  • Pflegegrad 3: 545 Euro
  • Pflegegrad 4: 728 Euro
  • Pflegegrad 5: 901 Euro

Ab dem 01. Juli 2021 sollen die Sätze um rund fünf Prozent steigen. Pflegebedürftige erhalten, wenn die Pflegereform wie erwartet verkündet wird, für

  • Pflegegrad 2: 331 Euro
  • Pflegegrad 3: 572 Euro
  • Pflegegrad 4: 764 Euro
  • Pflegegrad 5: 946 Euro

Wer sich zu Hause durch einen ambulanten Pflegedienst versorgen lässt, erhält Pflegesachleistungen. Das sind für das erste Halbjahr 2021 in

  • Pflegegrad 2: 689 Euro
  • Pflegegrad 3: 1.298 Euro
  • Pflegegrad 4: 1.612 Euro
  • Pflegegrad 5: 1.995 Euro

Auch die Sätze für die ambulanten Pflegesachleistungen sollen ab dem 01. Juli 2021 steigen, falls die Pflegereform beschlossen wird. Dann sollten die Sätze so aussehen:

  • Pflegegrad 2: 723 Euro
  • Pflegegrad 3: 1.362 Euro
  • Pflegegrad 4: 1.692 Euro
  • Pflegegrad 5: 2.094 Euro

Die ambulanten Pflegesachleistungen können mit dem Pflegegeld kombiniert werden. Pflegende Angehörige können zudem bis zu sechs Wochen Urlaubsvertretung – zum Beispiel durch einen ambulanten Pflegedienst oder einen Tagespflegeplatz – beanspruchen. Außerdem bieten die Kassen Kurse für pflegende Angehörige und beteiligen sich an erforderlichen Umbaumaßnahmen.

Zusätzlich haben Pflegebedürftige aller Pflegegrade, die häusliche Pflege beanspruchen, ein Anrecht auf einen monatlichen Entlastungsbetrag in Höhe von maximal 125 Euro. Dieser Betrag stellt eine zweckgebundene Leistung dar und wird nicht automatisch ausgezahlt. Pflegebedürftige können das Geld verwenden, um z. B. eine teilstationäre Versorgung oder die Nutzung der Kurzzeitpflege zu finanzieren. Ungenutzte Entlastungsbeträge können in den nächsten Monat übertragen werden. Am Jahresende ist auch eine Übertragung in das Folgejahr möglich.

Tipp

Achten Sie darauf, übertragene Entlastungsbeträge aus dem Vorjahr bis zum Ende des laufenden Jahres zu verbrauchen. Andernfalls verfallen die Ansprüche.

Die gesetzlichen Leistungen bei vollstationärer Pflege betragen unabhängig davon, ob eine Demenz vorliegt, 2021 in

  • Pflegegrad 1: 125 Euro
  • Pflegegrad 2: 770 Euro
  • Pflegegrad 3: 1.262 Euro
  • Pflegegrad 4: 1.775 Euro
  • Pflegegrad 5: 2.005 Euro

Um im Pflegefall zusätzlich abgesichert zu sein, sollten Sie über den Abschluss einer privaten Pflegeversicherung nachdenken. Denn tatsächlich decken selbst die 2.005 Euro für eine stationäre Versorgung in einer Pflegeeinrichtung nur einen Bruchteil der entstehenden Kosten.

2021 soll der Eigenanteil für die Heimpflege gedeckelt werden

Die gesetzliche Pflegeversicherung deckt ebenso wie die private nur einen Teil der Pflegekosten ab. Insbesondere bei der vollstationären Pflege im Heim kommen hohe Eigenanteile auf die Betroffenen zu. Für 2021 ist geplant, den Eigenanteil auf 700 Euro pro Monat und maximal drei Jahre zu begrenzen. Allerdings betrifft diese Regelung lediglich den einrichtungseinheitlichen Eigenanteil (EEE). Die Kosten für die Unterbringung und die Verpflegung sowie den Investitionszuschuss müssen Pflegebedürftige weiter in voller Höhe zahlen. So ist weiterhin mit einem Eigenanteil von insgesamt rund 2.000 Euro zu rechnen.