Smart Speaker: Komfort vs. Datenschutz

Per Sprachbefehl das Licht dimmen, Musik hören und Einkäufe tätigen? All das funktioniert mit Smart Speakern und anderen digitalen Sprachassistenten ziemlich gut. Dabei haben Siri, Alexa, Google Assistant und Co. noch ganz andere Begabungen – und sind sogar lernfähig. Doch wer hört eigentlich zu und was passiert mit den Daten? In welche Bereiche unseres Alltags die technischen Wunderwerke noch Einzug halten und welche Bedenken Datenschützer berechtigterweise haben, lesen Sie hier!

Was ist ein Smart Speaker?

Die Geräte heißen Google Nest Mini oder auch Amazon Echo Show: Smart Speaker sind kleine und manchmal unscheinbare Produkte, in denen jede Menge innovative Technik steckt. Die smarten Gadgets beinhalten zumeist einen leistungsfähigen Lautsprecher für die Musikwiedergabe sowie mehrere Mikrofone, die eine Sprachsteuerung der Geräte ermöglichen. Diese hat (außer manuell ausgeschaltet) permanent ein Ohr für jedes Ihrer Worte, um immer auf etwaige „Befehle“ reagieren zu können. Damit sind viele technische Spielereien möglich: Eingebunden ins heimische WLAN erlauben die Produkte eine Sprachsteuerung für Smart TVs, Beleuchtung, Jalousien oder Heizungsanlagen. Als Oberbegriff für diese Technologie hat sich der Begriff Smart Home etabliert.

Skills und Apps: Smart Speaker sind lernfähig

In der Grundversion können digitale Sprachassistenten schon eine ganze Menge. Sie spielen Musik auf Zuruf ab, lesen Wikipedia-Einträge oder Fußballergebnisse vor und glänzen durch Timer- und Kalenderfunktion. Selbst Anrufe können Sie per Smart Speaker tätigen.

So richtig interessant werden die Speaker aber erst, wenn sie per Skill-Funktion neue Aufgaben erlernen. Viele Hersteller haben mittlerweile selbst Skills programmiert und bieten zusätzliche vernetzte Funktionen für ihre Produkte an. Beispiel gefällig? Mit entsprechenden Apps ausgestattet wissen Smart Speaker, was im Fernsehen läuft, kennen die Termine der Müllabfuhr oder passen Licht und Musik in verschiedenen Wohnräumen einer bestimmten Stimmung an. Beim Google Assistant nennt sich diese Funktion Google Actions: Damit ermöglicht es Google, den Service eines Drittanbieters in den Sprachassistenten einzubinden. Das kann zum Beispiel der Wetterbericht oder ein Sprachkurs sein. Gerade smarte Beleuchtungssysteme erleben derzeit einen regelrechten Boom: Anbieter wie Philips oder Osram haben Lichtsysteme im Programm, die mit WLAN-Steuerung glänzen und ganz individuell einstellbar sind. Und auch das Automobil ist mittlerweile smart – Android Auto, Apple Carplay, Amazon Alexa und das Mercedes-eigene System MBUX machen es möglich. 

Online-Banking: Die Zukunft ist smart!

Selbst vor Bereichen wie dem Online-Banking machen digitale Sprachassistenten nicht halt. Entsprechend geupdatet lesen Smart Speaker Ihnen die aktuellen Börsenkurse vor oder informieren über den derzeitigen Goldpreis. Auch die Postbank hat die Zeichen der Zeit erkannt und ihrem Finanzassistenten eine Sprachsteuerung spendiert: Die mobile Banking-App für Android, iOS und Windows Phone erlaubt es Ihnen, Überweisungen per Spracheingabe zu tätigen. Voice Banking hat enormes Potenzial: Es wird in den kommenden Jahren mit Sicherheit noch viele Innovationen in diesem Bereich geben. Denn auch wenn eingefleischte Datenschützer:innen das anders sehen mögen: Die Akzeptanz für digitale Sprachassistenten nimmt deutlich zu. Wichtig ist nur, dass Banken die nötigen Vorkehrungen zur Datensicherheit sowie zusätzliche Verifizierungsmaßnahmen treffen, um so die Konteninformationen ihrer Kundschaft zu schützen.

Google, Siri, Echo, Spion? Was hören Smart Speaker mit?

Ein großes Bedenken bei der Nutzung der Smart-Home-Technologie ist tatsächlich die Angst, dabei ausspioniert zu werden. Doch wenn Sie Amazon Echo nutzen, haben Sie immer auch die Möglichkeit, die integrierten Mikrofone mit der „Mikrofon aus“-Taste zu deaktivieren. Auch der Google Assistent sowie andere Smart Speaker bieten die Funktion an, eingebaute Mikros stillzulegen.

Doch wo und wann lauscht ein Smart Speaker eigentlich mit? Bei eingeschaltetem Mikrofon sind die Geräte in einem permanenten Abhörmodus, was von Datenschützer:innen kritisiert wird. Wenn Sie per Aktivierungswort einen Sprachbefehl an den Lautsprecher senden, wird das gesprochene Wort häufig auch in der Cloud des jeweiligen Diensteanbieters abgespeichert – laut Amazon, um die Qualität der Spracherkennung permanent zu verbessern. Das Problem dabei ist, dass Sie als Nutzer:in oftmals nicht nachvollziehen können, welche Anfragen gespeichert sind und ob diese an Dritte weitergegeben werden.

Die Verbraucherzentrale empfiehlt, im Zweifelsfall den „Mute“-Button des Smart Speakers zu nutzen und den „Lauschangriff“ nur zuzulassen, wenn Sie den Lautsprecher per Sprachsteuerung bedienen möchten. Deaktivieren Sie Ihren Smart Speaker insbesondere bei Abwesenheit, um unberechtigte Zugriffe zu unterbinden. Passen Sie außerdem die Datenschutzeinstellungen an Ihre Bedürfnisse an und sichern Sie kritische Sprachbefehle gegebenenfalls durch Passwörter.

Tipp

Die gute Nachricht: Gespeicherte Sprachaufnahmen können Sie in der Regel einfach manuell aus der Cloud verbannen. Bei Google funktioniert das beispielsweise über den Link myactivity.google.com im Menü unter Sprach- und Audioaktivitäten.

Smarte Zukunft: Angebot an vernetzten Lautsprechern wächst rasant

Der Onlinehändler Amazon gilt als Vorreiter und Platzhirsch im Bereich der Smart Speaker. In den USA ist Amazons Echo bereits seit Juni 2015 auf dem Markt. Seinen Siegeszug in Deutschland trat der vernetzte Kompaktlautsprecher ab Herbst 2016 an. Doch gerade weil die Absatzchancen in dem Smart-Speaker-Segment so unglaublich hoch sind, ziehen andere Branchengrößen nach. Mittlerweile gibt es neben der Echo-Serie eine enorme Vielfalt an Modellen zu kaufen – außer Amazon und Google haben sich weitere Hersteller auf dem Markt für smarte Lautsprecher etabliert, dazu gehören Bose, Sonos und Ultimate Ears. Bereits jetzt besitzt laut statista ein Drittel aller Haushalte in Deutschland einen intelligenten Lautsprecher. Im Jahr 2018 war es nur jeder fünfte Haushalt. Es bleibt also noch Luft nach oben für neue Entwicklungen.