Energie­effizient bauen – Energie­spar­häuser im Überblick

  • Ein En­er­gie­spar­haus be­nö­tigt we­ni­ger En­er­gie als her­kömm­li­che Wohn­ge­bäu­de und kann lang­fris­tig Heiz­kos­ten sen­ken.
  • Wie en­er­gie­ef­fi­zi­ent ein Ge­bäu­de ist, hängt unter an­de­rem von der Bau­wei­se, der Däm­mung, der Haus­tech­nik und dem ge­wähl­ten En­er­gie­stan­dard ab.
  • Hier er­fah­ren Sie, wel­che Arten von En­er­gie­spar­häu­sern es gibt, wel­che För­de­rung die KfW bie­tet und wor­auf Sie bei Neu­bau oder Sa­nie­rung ach­ten soll­ten.

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Was ist ein Energie­sparhaus?

Eine ein­heit­li­che De­fi­ni­ti­on für En­er­gie­spar­häu­ser gibt es nicht. Der Be­griff be­zeich­net Wohn­ge­bäu­de, die we­ni­ger En­er­gie be­nö­ti­gen als her­kömm­li­che Häu­ser. Des­halb ist häu­fig auch von Nied­rig­ener­gie­häu­sern die Rede.

Kenn­zeich­nend dafür sind eine en­er­gie­ef­fi­zi­en­te Bau­wei­se und mo­der­ne Ge­bäu­de­tech­nik. Dazu ge­hö­ren eine gut ge­dämm­te Ge­bäu­de­hül­le, ef­fi­zi­en­te Fens­ter, eine kon­trol­lier­te Lüf­tung oder eine Heiz­tech­nik, die er­neu­er­ba­re En­er­gien nutzt.

Gut zu wis­sen: Ein sa­nier­tes Ei­gen­heim kann die An­for­de­run­gen an ein En­er­gie­spar­haus eben­so er­fül­len wie ein Neu­bau. Dafür fal­len zwar zu­nächst hö­he­re In­ves­ti­ti­ons­kos­ten an. Lang­fris­tig kön­nen je­doch nied­ri­ge­re En­er­gie­kos­ten, mehr Wohn­kom­fort und ein bes­se­res Raum­kli­ma ent­ste­hen. Gleich­zei­tig sinkt der En­er­gie­be­darf des Ge­bäu­des.

Gut zu wissen

Eine en­er­gie­ef­fi­zi­en­te Hei­zung trägt dazu bei, den En­er­gie­be­darf eines Hau­ses zu sen­ken. Öl- und Gas­hei­zun­gen blei­ben zwar er­laubt, für neu ein­ge­bau­te An­la­gen gilt aber die Bio-​Treppe. Ab 2029 muss ein wach­sen­der An­teil der be­reit­ge­stell­ten Wärme aus er­neu­er­ba­ren oder bio­ge­nen Quel­len stam­men: 10 Pro­zent ab 2029, 15 Pro­zent ab 2030, 30 Pro­zent ab 2035 und 60 Pro­zent ab 2040. Daher kann es sinn­voll sein, früh­zei­tig auch an­de­re Heiz­tech­no­lo­gien zu ver­glei­chen.

Welche Arten von Energiesparhäusern gibt es?

Die Be­zeich­nung „En­er­gie­spar­haus“ al­lein sagt noch nicht aus, wie en­er­gie­ef­fi­zi­ent ein Ge­bäu­de tat­säch­lich ist. Einen bes­se­ren An­halts­punkt geben En­er­gie­stan­dards wie das Ef­fi­zi­enz­haus, das Pas­siv­haus oder das Null­ener­gie­haus. Zu­sätz­lich zeigt die En­er­gie­ef­fi­zi­enz­klas­se im En­er­gie­aus­weis, wie spar­sam ein Ge­bäu­de im Ver­gleich zu an­de­ren Wohn­ge­bäu­den ist.  

Der En­er­gie­aus­weis ord­net Wohn­ge­bäu­de wei­ter­hin den Klas­sen A+ bis H zu. Grund­la­ge sind der End­ener­gie­be­darf oder End­ener­gie­ver­brauch in Ki­lo­watt­stun­den pro Qua­drat­me­ter Ge­bäu­de­nutz­flä­che und Jahr. Je nied­ri­ger die­ser Wert, desto en­er­gie­ef­fi­zi­en­ter ist das Ge­bäu­de.

Die fol­gen­de Über­sicht zeigt die En­er­gie­ef­fi­zi­enz­klas­sen für Wohn­ge­bäu­de nach End­ener­gie­be­darf oder End­ener­gie­ver­brauch:

Energieeffizienzklasse Endenergie in kWh/(m²·a) Was bedeutet die Klasse?
A+ bis 30 sehr hoher Energiestandard, z. B. Passivhaus oder sehr effizientes Effizienzhaus
A über 30 bis 50 sehr energieeffizientes Gebäude
B über 50 bis 75 guter energetischer Standard
C über 75 bis 100 solider energetischer Standard
D über 100 bis 130 mittlerer Energiebedarf
E über 130 bis 160 erhöhter Energiebedarf
F über 160 bis 200 hoher Energiebedarf
G über 200 bis 250 sehr hoher Energiebedarf
H über 250 sehr hoher energetischer Sanierungsbedarf

Hin­weis: Die tat­säch­li­chen En­er­gie­kos­ten hän­gen unter an­de­rem vom En­er­gie­trä­ger, Ver­brauch, Stand­ort, Heiz­ver­hal­ten und von den ak­tu­el­len En­er­gie­prei­sen ab.

Quelle: Anlage 10 zu § 86 GModG: Energieeffizienzklassen von Wohngebäuden.

Das Effizienzhaus

Das Ef­fi­zi­enz­haus ist ein En­er­gie­stan­dard, den die KfW für För­der­pro­gram­me nutzt. Ge­bäu­de er­hal­ten dabei eine Effizienzhaus-​Stufe, etwa 40, 55 oder 70. Diese Zahl zeigt, wie viel Pri­mär­ener­gie das Ge­bäu­de im Ver­gleich zu einem ge­setz­lich de­fi­nier­ten Re­fe­renz­ge­bäu­de be­nö­tigt. Ein Ef­fi­zi­enz­haus 40 kommt z. B. mit 40 Pro­zent die­ses Ver­gleichs­werts aus.

Für die Ein­stu­fung zäh­len vor allem zwei Kri­te­ri­en:

  • Pri­mär­ener­gie­be­darf: Die­ser Wert be­rück­sich­tigt den ge­sam­ten En­er­gie­auf­wand eines Ge­bäu­des. Dazu ge­hört auch die En­er­gie, die für die Ge­win­nung, Um­wand­lung und den Trans­port des En­er­gie­trä­gers nötig ist.
  • Qua­li­tät der Ge­bäu­de­hül­le: Hier zählt, wie gut das Dach, die Au­ßen­wän­de sowie die Fens­ter und Türen Wärme im Ge­bäu­de hal­ten.


Für Neu­bau­ten kom­men je nach KfW-​Programm un­ter­schied­li­che Effizienzhaus-​Stufen in­fra­ge. Im Pro­gramm „Kli­ma­freund­li­cher Neu­bau“ spie­len vor allem Ef­fi­zi­enz­haus 40 sowie unter be­stimm­ten Vor­aus­set­zun­gen Ef­fi­zi­enz­haus 55 eine Rolle. Bei Sa­nie­run­gen gel­ten ei­ge­ne För­der­stu­fen.

Das Passivhaus

Ein Pas­siv­haus er­füllt die Kri­te­ri­en des Pas­siv­haus In­sti­tuts (PHI). Es be­nö­tigt be­son­ders wenig Heiz­wär­me, weil die Ge­bäu­de­hül­le, Fens­ter, Lüf­tung und Haus­tech­nik op­ti­mal auf­ein­an­der ab­ge­stimmt sind. Pas­siv­häu­ser haben häu­fig eine Lüf­tungs­an­la­ge mit Wär­me­rück­ge­win­nung: Diese Tech­nik nutzt Wärme aus der Ab­luft und führt fri­sche Luft zu.

Der Heiz­wär­me­be­darf eines Pas­siv­hau­ses liegt deut­lich nied­ri­ger als bei vie­len an­de­ren Ge­bäu­den:

  • rund 90 Pro­zent nied­ri­ger als bei einem her­kömm­li­chen Be­stands­ge­bäu­de
  • rund 75 Pro­zent nied­ri­ger als bei einem durch­schnitt­li­chen Neu­bau.


Es gibt drei Passivhaus-​Klassen. Beim Pas­siv­haus Clas­sic be­trägt der Ge­samt­be­darf an er­neu­er­ba­rer Pri­mär­ener­gie ma­xi­mal 60 Ki­lo­watt­stun­den (kWh) pro Qua­drat­me­ter Nutz­flä­che. Noch stren­ge­re Werte gel­ten für Pas­siv­haus Plus mit 45 kWh und Pas­siv­haus Pre­mi­um mit 30 kWh.

Das Nullenergiehaus

Ein Null­ener­gie­haus er­zeugt über das Jahr be­trach­tet so viel En­er­gie, wie es selbst ver­braucht. Dafür braucht das Ge­bäu­de einen sehr nied­ri­gen En­er­gie­be­darf. Zu­sätz­lich er­zeugt es ei­ge­ne En­er­gie, etwa über So­lar­ther­mie (z. B. Warm­was­ser) und Pho­to­vol­ta­ik (So­lar­strom).

Wich­tig ist die Jah­res­bi­lanz: In ein­zel­nen Mo­na­ten kann das Ge­bäu­de trotz­dem En­er­gie aus dem Netz be­zie­hen. Im Som­mer kann es da­ge­gen mehr En­er­gie er­zeu­gen, als ge­ra­de be­nö­tigt wird. Netz­ba­sier­te Null­ener­gie­häu­ser be­zie­hen da­ge­gen Strom aus dem öf­fent­li­chen Netz.

Das Plusenergiehaus

Ein Plus­ener­gie­haus geht einen Schritt wei­ter. Es er­zeugt über das Jahr mehr En­er­gie, als im Ge­bäu­de ver­braucht wird. Der Über­schuss lässt sich z. B. ins Strom­netz ein­spei­sen oder für ein Elek­tro­au­to nut­zen.

Das Sonnenhaus

Beim Son­nen­haus steht die Nut­zung von Son­nen­en­er­gie im Mit­tel­punkt. Nach den ak­tu­el­len Kri­te­ri­en des Son­nen­haus In­sti­tuts soll der so­la­re Selbst­ver­sor­gungs­grad für Wärme und Strom mehr als 50 Pro­zent be­tra­gen.

Für Raum­hei­zung und Warm­was­ser gilt: Min­des­tens 50 Pro­zent des En­er­gie­be­darfs sol­len durch So­lar­ther­mie oder solar er­zeug­ten Strom ge­deckt sein. Die üb­ri­ge Wärme stammt ide­a­ler­wei­se aus er­neu­er­ba­ren Quel­len, damit der Pri­mär­ener­gie­be­darf mög­lichst ge­ring bleibt. Bei neu ge­bau­ten Wohn­häu­sern soll der Pri­mär­ener­gie­be­darf höchs­tens 15 Ki­lo­watt­stun­den pro Qua­drat­me­ter Ge­bäu­de­nutz­flä­che und Jahr be­tra­gen.

Tipp

Wel­cher En­er­gie­stan­dard zu Ihrem Haus passt, hängt vom Ge­bäu­de, vom Grund­stück und von Ihrem Bud­get ab. Auch die ge­plan­te Haus­tech­nik, die Aus­rich­tung zur Sonne und mög­li­che För­de­run­gen spie­len eine Rolle. Las­sen Sie sich daher früh­zei­tig be­ra­ten, wel­che Lö­sung für Ihr Bau- oder Sa­nie­rungs­vor­ha­ben sinn­voll ist.

Ein Energiesparhaus bauen

En­er­gie­spar­häu­ser stel­len hohe An­for­de­run­gen an Bau­wei­se, Ge­bäu­de­tech­nik, Däm­mung und Ma­te­ri­a­li­en. Damit über­tref­fen sie häu­fig die ge­setz­li­chen Min­dest­an­for­de­run­gen an die En­er­gie­ef­fi­zi­enz. Diese sind seit 2026 im Ge­bäu­de­mo­der­ni­sie­rungs­ge­setz ge­re­gelt.

Beim Neu­bau las­sen sich viele Ent­schei­dun­gen von An­fang an auf­ein­an­der ab­stim­men. Dazu ge­hö­ren die Aus­rich­tung des Hau­ses, die Däm­mung der Ge­bäu­de­hül­le, die Fens­ter, die Lüf­tung und die pas­sen­de Heiz­tech­nik. Bei einer Sa­nie­rung hängt der mög­li­che En­er­gie­stan­dard stär­ker vom Zu­stand des Ge­bäu­des ab.

Meist kos­tet ein En­er­gie­spar­haus mehr als ein „nor­ma­les“ Ei­gen­heim. Dem ste­hen lang­fris­ti­ge Vor­tei­le ge­gen­über: nied­ri­ge­re Heiz­kos­ten, ein an­ge­neh­mes Wohn­kli­ma, mehr Kom­fort und häu­fig auch ein hö­he­rer Im­mo­bi­li­en­wert. Je nach En­er­gie­stan­dard kann au­ßer­dem eine KfW-​Förderung in­fra­ge kom­men. 

Welche Energiesparhäuser fördert die KfW?

Die KfW un­ter­stützt en­er­gie­ef­fi­zi­en­tes Bauen und Sa­nie­ren mit För­der­kre­di­ten. Wel­che För­de­rung passt, hängt unter an­de­rem davon ab, ob Sie neu bauen, ein neues Haus kau­fen oder eine be­stehen­de Im­mo­bi­lie sa­nie­ren.

  • Für Neu­bau­ten kommt das Pro­gramm „Kli­ma­freund­li­cher Neu­bau – Wohn­ge­bäu­de“ in­fra­ge. Die KfW nennt dafür ak­tu­ell Ef­fi­zi­enz­haus 55 unter be­stimm­ten Vor­aus­set­zun­gen, kli­ma­freund­li­che Wohn­ge­bäu­de als Ef­fi­zi­enz­haus 40 und Ef­fi­zi­enz­haus 40 mit Qua­li­täts­sie­gel „Nach­hal­ti­ges Ge­bäu­de“. Je nach För­der­stu­fe sind bis zu 100.000 oder 150.000 Euro Kre­dit je Im­mo­bi­lie mög­lich.
  • Für die Sa­nie­rung be­stehen­der Wohn­ge­bäu­de gibt es den KfW-​Kredit 261. Er kommt in­fra­ge, wenn Sie Ihre Im­mo­bi­lie zu einem Ef­fi­zi­enz­haus sa­nie­ren oder ein frisch sa­nier­tes Ge­bäu­de kau­fen. Die KfW nennt dafür die Effizienzhaus-​Stufen 40, 55, 70 und 85 sowie Ef­fi­zi­enz­haus Denk­mal – je­weils als Erneuerbare-​Energien-​ oder Nachhaltigkeits-​Klasse.


Wich­tig ist die fach­li­che Be­glei­tung: Ein Ex­per­te oder eine Ex­per­tin für En­er­gie­ef­fi­zi­enz er­stellt die er­for­der­li­chen Nach­wei­se. Bei Sa­nie­run­gen über KfW 261 kön­nen Sie zu­sätz­lich eine För­de­rung für die Bau­be­glei­tung er­hal­ten, etwa bei Ein- und Zwei­fa­mi­li­en­häu­sern mit 50 Pro­zent der Kos­ten bis zu 5.000 Euro.