Postbank Wohnatlas 2020: Mieten und Wohneigentum bleiben bezahlbar

Der Postbank Wohnatlas 2020 zeigt: 2019 zogen die Immobilienpreise in Deutschland erneut kräftig an. Gute Nachrichten für durchschnittlich verdienende Käufer gibt es dennoch: In weiten Teilen des Landes bleibt Wohnraum bezahlbar. Für die Miete muss in keiner der traditionell sehr teuren Metropolen mehr als 30 Prozent des durchschnittlichen Haushaltseinkommens aufgebracht werden. Die jährlich erscheinende Postbank-Studie nimmt unterschiedliche Aspekte des deutschen Immobilienmarkts in den Fokus.

Immobilienpreise steigen weiter

Der Trend der letzten Jahre bleibt ungebrochen: Befeuert durch niedrige Zinsen, eine hohe Nachfrage und ein knappes Angebot befanden sich die deutschen Immobilienpreise auch 2019 im Aufwind. In über 90 Prozent aller kreisfreien Städte und Landkreise verteuerten sich die Immobilien. Im Vergleich zum Vorjahr lag der inflationsbereinigte Zuwachs bei kräftigen 9,3 Prozent – und stellt damit selbst den bereits 2018 üppig ausgefallenen Preisanstieg in den Schatten.
Besonders kräftig legten die Immobilienpreise wieder in den deutschen Metropolen zu. Beim prozentualen Zuwachs der sogenannten Big Seven, sprich der sieben größten deutschen Städte, setzte sich 2019 Frankfurt a. M. an die Spitze. Hier liegt der durchschnittliche Quadratmeterpreis mittlerweile bei stolzen 5.687 Euro. Noch teurer ist es lediglich in München, wo Käufer 8.079 Euro pro Quadratmeter bezahlen müssen. Das entspricht einem Plus von 6,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Der gestiegene Preis in den Metropolen wirkte sich auf das Preisniveau der umliegenden Städte und Landkreise aus. So zogen die Kaufpreise in den sogenannten Speckgürteln rund um die Big Seven ebenfalls deutlich an. Doch nicht nur in den großen Städten und in ihren Speckgürteln war ein kräftiger Anstieg der Immobilienpreise zu verzeichnen. Auch einige Landkreise abseits der Metropolen erlebten Preissteigerungen bis hin zum mittleren zweistelligen Prozentbereich. Der Grund: In dünn besiedelten Städten und Landkreisen, in denen wenige Häuser und Wohnungen verkauft werden, kann schon ein leichter Anstieg der Nachfrage einen hohen Preissprung auslösen.

Wohneigentum bleibt für Durchschnittsverdiener bezahlbar

Zwar kletterten die Immobilienpreise 2019 weiter nach oben. Für Durchschnittsverdiener bleibt Wohneigentum allerdings nahezu in allen deutschen Kreisen und Städten bezahlbar – so das Fazit des Postbank Wohnatlas 2020. Zugrunde gelegt wurden dabei exklusive Nebenkosten folgende Zahlen:

  • 70 Quadratmeter Wohneigentum
  • Finanzierung mit maximal 30 % des regional durchschnittlich verfügbaren Haushaltseinkommens
  • Eigenkapital: 20 % des Kaufpreises
  • Tilgungsdauer: 19 Jahre, 7 Monate
  • Zins: 2,45 % p.a.
  • anfänglicher Tilgungssatz: 4 %

Das Ergebnis: In 94 Prozent aller deutschen Kreise und kreisfreien Städte können Durchschnittsverdiener Wohneigentum mit maximal 30 Prozent des verfügbaren Haushaltseinkommens finanzieren. Im Durchschnitt aller Landkreise und kreisfreien Städte geben die Bürger 17 Prozent des regional verfügbaren Einkommens für die Finanzierung von Wohneigentum aus.

Die Lage in den Big Seven

Anders gestaltet sich die Situation in den Big Seven. Hier wird es für Durchschnittsverdiener schwierig, bezahlbares Wohneigentum zu finden. Hinsichtlich des zur Finanzierung aufzubringenden Einkommens zeigt sich folgendes Bild:

  • München: 49,0 %
  • Berlin: 42,6 %
  • Frankfurt a. M.: 39,5 %
  • Hamburg: 37,7 %
  • Stuttgart: 31,7 %
  • Köln: 29,6 %
  • Düsseldorf: 29,1 %

Lediglich in Köln und Düsseldorf bleibt der zur Finanzierung nötige Anteil des Haushaltseinkommens noch knapp unter 30 Prozent.

Tipp

Gerade in Gegenden mit hoher Nachfrage werden Immobilien schnell verkauft. Dennoch sollten Käufer ihre Wunschimmobilie gründlich begutachten. Es besteht die Gefahr, dass einzelne Objekte deutlich überteuert angeboten werden.

Mietwohnungen bleiben für Durchschnittsverdiener erschwinglich – auch in den Metropolen

Erfreuliche Nachrichten gibt es auch für durchschnittlich verdienende Mieter: Diese müssen in keiner kreisfreien Stadt und keinem Landkreis mehr als 30 Prozent ihres Einkommens in die Miete investieren. Das gilt selbst für die deutschen Großstädte. Hier wieder der Blick auf die Big Seven:

  • München: 25,5 %
  • Berlin: 23,3 %
  • Frankfurt a. M.: 22,8 %
  • Stuttgart: 22,1 %
  • Köln: 20,4 %
  • Hamburg: 20,3 %
  • Düsseldorf: 18,1 %

Im Durchschnitt über alle Landkreise und kreisfreien Städte müssen Mieter 13,4 Prozent des regionalen Haushaltseinkommens aufbringen.

Wohnen oder mieten? Was ist günstiger?

Wohneigentum erwerben oder doch lieber weiter zur Miete wohnen? Was ist langfristig günstiger? Viele Bürger stellen sich genau diese Frage. Gefühlt scheinen die stark gestiegenen Immobilienpreise eher das Mietmodell zu begünstigen. Und auch die Experten des Postbank Wohnatlas 2020 kommen vordergründig zu einem ähnlichen Ergebnis. Nur in 84 der insgesamt 401 deutschen Kreise und kreisfreien Städten ist selbst genutztes Wohneigentum günstiger als die Miete. Das entspricht einem Anteil von etwa 21 Prozent.
Allerdings gibt es auch gewichtige Gründe, die für die eigenen vier Wände sprechen. Wer eine Immobilie abbezahlt, bildet gleichzeitig Vermögen. Damit bleibt Wohneigentum einer der wichtigsten Bausteine der Altersvorsorge. Ist die Immobilie abbezahlt, wohnen Sie im Alter mietfrei.
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