Nachlass regeln: Privates oder öffentliches Testament?

Zwischen 2015 und 2025 werden nach Schätzungen des Deutschen Instituts für Altersvorsorge in Deutschland rund 3,1 Billionen Euro vererbt. Ob Bargeld, Wertpapiere, Schmuck, das Auto oder eine Immobilie – wenn Sie möchten, dass Ihr Vermögen nach Ihrem Tod Ihren Wünschen entsprechend verteilt wird, sollten Sie das vorher schriftlich in einer letztwilligen Verfügung festlegen. Ohne ein privates oder öffentliches Testament tritt die gesetzliche Erbfolge in Kraft. Auch wenn Sie diese Verteilung Ihres Erbes begrüßen, sollten Sie das in einem Testament noch mal ausdrücklich festschreiben. Denn selbst über vergleichsweise kleine Erbschaften haben sich schon viele Familien heillos zerstritten. Der schriftlich festgehaltene Wunsch des Erblassers, auch Testator genannt, lässt viele Konflikte gar nicht erst aufkommen.

Einer repräsentativen Studie des Allensbach-Instituts zufolge haben gerade einmal 36 Prozent der Deutschen ab 16 Jahren ein Testament verfasst. Dabei ist das in den meisten Fällen ganz einfach. Sie haben dafür grundsätzlich zwei Möglichkeiten: Sie können entweder ein handschriftliches privates bzw. eigenhändiges Testament verfassen oder ein öffentliches Testament unter Zuhilfenahme eines Notars.

Faustregel: Bei großen Vermögen, komplizierten Vermögensverhältnissen oder wenn es viele mögliche Erben gibt, empfiehlt sich immer ein öffentliches Testament. Mindestens aber sollten Sie sich dann von einem Notar oder Fachanwalt für Erbrecht beraten lassen.

Das private Testament

Wenn Sie Ihren Nachlass ohne notarielle Unterstützung regeln möchten, können Sie ein sogenanntes eigenhändiges oder privates Testament aufsetzen. Dabei müssen Sie als Testator drei grundsätzliche Vorgaben einhalten, damit Ihr Letzter Wille gültig ist:

1. Ihr eigenhändiges Testament ist nur dann wirksam, wenn Sie es handschriftlich verfassen. Es sollte leserlich sein und klare Willensäußerungen enthalten, die keinen Spielraum zur Interpretation geben.

2. Sie müssen das Testament eigenhändig mit Vor- und Nachnamen unterschreiben. Denn nur anhand der individuellen Züge der Handschrift lässt sich im Zweifelsfall die Echtheit des Testaments überprüfen. Umfasst das Testament mehrere Seiten, sollten Sie es auf jeder Seite rechts unten unterschreiben.

3. Versehen Sie das Dokument unbedingt mit einem Datum. Falls mehrere Testamente auftauchen, hebt das jüngere das ältere auf. Sie können Ihr eigenhändig verfasstes Testament jederzeit nachträglich ändern. Entsprechende Nachträge sollten Sie aber immer mit Ort, Datum und Unterschrift kennzeichnen.

So wird Ihr Testament gefunden

Wer nach dem Tod des Erblassers ein eigenhändig verfasstes Testament findet, ist verpflichtet, es beim Nachlassgericht abzuliefern. Informieren Sie Ihre Erben darüber, dass Sie ein Testament gemacht haben und wo es zu finden ist. 

Tipp

Am sichersten ist es, wenn Sie Ihr privates Testament bei dem für Ihren Wohnort zuständigen Amtsgericht verwahren lassen. 

Jedes beim Amtsgericht (bzw. Notar) hinterlegte Testament wird automatisch im seit 2012 von der Bundesnotarkammer geführten Zentralen Testamentsregister für Deutschland registriert. So können Sie ganz sicher sein, dass es gefunden wird. Außerdem schließen Sie aus, dass das Testament womöglich heimlich vernichtet wird – etwa wenn dem Finder die gesetzliche Erbfolge mehr entgegenkommt als Ihr Letzter Wille. Die Hinterlegung des Testaments beim Amtsgericht kostet bundeseinheitlich 75 Euro. Nur in Baden-Württemberg sind hierfür die Notariate zuständig.

Das öffentliche Testament

Wenn Sie absolut sichergehen möchten, dass Sie beim Thema Vererben alles richtig machen, sollten Sie ein öffentliches Testament beim Notar einrichten. Sie können dafür entweder – genau wie beim privaten Testament – zunächst zu Hause ein handschriftliches Dokument verfassen und es als Testator an den ausgewählten Notar übergeben oder Ihr öffentliches Testament direkt beim Notar aufzeichnen lassen. Ein notarielles Testament beinhaltet grundsätzlich die Beratung durch den Notar. So Sie ihm gegenüber alles offenlegen wird er Sie über etwaige Fallstricke oder Ungereimtheiten informieren, sodass Sie am Ende ein rechtlich sicheres, Ihrem Willen als Testator entsprechendes Dokument hinterlassen. 

Tipp

Einen Notar in Ihrer Nähe, der ein öffentliches Testament für Sie erstellt, finden Sie zuverlässig über die Notarsuche der Bundesnotarkammer.

Der Wert des Vermögens bestimmt die Gebühr

Die Gebühr für ein notarielles Testament richtet sich nach dem Wert Ihres Vermögens zum Zeitpunkt der Testamentserstellung. Beläuft sich Ihr Nachlass beispielsweise auf 50.000 Euro, fallen für ein öffentliches Testament Gebühren in Höhe von 165 Euro an. Bei einem Nachlasswert von 250.000 Euro zahlen Sie 535 Euro. Hinzu kommen jeweils die Mehrwertsteuer und ggf. Auslagen, etwa für das Schreiben des Testaments. Verfassen Sie ein notarielles Testament gemeinsam mit Ihrem Ehepartner oder Ihrer Ehepartnerin, so verdoppeln sich die jeweiligen Gebühren. 

Immer im Testamentsregister

Ein öffentliches Testament wird immer in „amtlicher Verwahrung“ aufbewahrt, also beim zuständigen Amtsgericht. Insofern erfolgt auch die elektronische Registrierung beim Zentralen Testamentsregister automatisch.

Die am weitesten verbreitete Form des Testaments ist übrigens das sogenannte Berliner Testament, bei dem sich Eheleute gegenseitig als Erben einsetzen. Es kann sowohl öffentlich als auch privat verfasst werden. 

Privates oder öffentliches Testament: Vor-und Nachteile auf einen Blick

Eigenhändiges Testament – Vorteile

  • Es ist keine andere Person zur Testamentserstellung nötig.
  • Es entstehen keine Kosten, abgesehen von einer möglichen Hinterlegung beim Amtsgericht.
  • Das Testament lässt sich jederzeit kurzfristig ändern oder vernichten. 

Eigenhändiges Testament – Nachteile

  • Das Testament kann verloren gehen oder nicht gefunden warden.
  • Es gibt ein Risiko, dass das Testament unklar formuliert oder unwirksam ist. 

Öffentliches Testament – Vorteile

  • Es erfolgt eine Beratung durch den Notar.
  • Die automatische amtliche Verwahrung stellt sicher, dass ein notarielles Testament sicher gefunden wird und nicht gefälscht werden kann.
  • Ein öffentliches Testament ersetzt in der Regel den Erbschein, den die Erben beim privaten Testament – gegen Gebühr! – beim Amtsgericht beantragen müssen. 

Öffentliches Testament – Nachteile

  • Für ein öffentliches Testament fallen Notarkosten für die Erstellung und Beglaubigung an.