Frührente: Einstiegsalter und Optionen

Die Rente mit 63 war eines der größten Projekte der Großen Koalition im Jahr 2014: Während die Altersgrenze sich schon seit 2012 langsam von 65 Jahren in Richtung 67 bewegt, sollten besonders langjährige Arbeitnehmer bereits zwei Jahre früher in Rente gehen können – und zwar abschlagsfrei. Ob Sie zu den Glücklichen gehören und welche Möglichkeiten des vorzeitigen Ruhestandes Sie generell haben, erfahren Sie hier.

Vorzeitiger Ruhestand – was bedeutet das für die Rente?

Knapp 100 Jahre lang konnten Arbeitnehmer in Deutschland mit 65 Jahren in Rente gehen, nämlich von 1916 bis zum Jahr 2012.

Aufgrund der in den letzten Jahrzehnten gestiegenen Lebenserwartung der Bevölkerung verabschiedete die Bundesregierung 2007 das sogenannte Rentenversicherungs-Altersgrenzenanpassungsgesetz. Dieser komplizierte Begriff besagt im Prinzip nicht anderes, als dass sich das Renteneintrittsalter ab dem Jahr 2012 schrittweise von 65 auf 67 Jahre erhöht. Das gilt für nach dem Jahr 1947 Geborene. Doch die meisten Deutschen möchten nicht bis zu ihrem 67. Lebensjahr arbeiten, zumindest nicht in Vollzeit. Ein früherer Renteneinstieg ist möglich, denn es gibt in Deutschland unterschiedliche Altersrenten, die alle jeweils verschiedene Zugangsbedingungen haben. Dazu gehören die

  • Regelaltersrente
  • Altersrente für besonders langjährig Versicherte
  • Altersrente für langjährig Versicherte
  • Altersrente für schwerbehinderte Menschen / Erwerbsminderungsrente

Die Regelaltersrente steht allen rentenversicherten Menschen schon nach mindestens fünf Beitragsjahren (Wartezeit) zu, die gearbeitet und/oder Kinder erzogen haben. Das Einstiegsalter dieser „normalen“ Rente wird – wie oben beschrieben – zum jetzigen Zeitpunkt auf 67 Jahre angehoben. Möchten Sie in Frührente gehen, sollten Sie sich die Zugangsbedingungen für die anderen drei Renten-Optionen genauer anschauen.

Frührente: Voraussetzungen für einen vorgezogenen Renteneintritt

Die Höhe Ihrer Rente und der Anspruch auf Frührente hängen von der Länge Ihrer Beitragszahlungen in die Rentenkasse ab.

Altersrente für besonders langjährig Versicherte

Seit dem Jahr 2014 haben Sie die Möglichkeit, schon mit 63 Jahren ohne finanzielle Abschläge in Rente zu gehen. Um die sogenannte abschlagsfreie Rente mit 63 in Anspruch nehmen zu können, sind folgende Voraussetzungen zu erfüllen. Sie müssen

  • mindestens 63 Jahre alt sein,
  • 45 Jahre Versicherungszeit vorweisen können und
  • vor dem Jahr 1953 geboren sein.

Für Versicherte, die zwischen 1953 und 1963 geboren wurden, wird das Renteneintrittsalter schrittweise um jeweils zwei Monate nach hinten verschoben. Sind Sie also beispielsweise Jahrgang 1956, könnten Sie zum jetzigen Zeitpunkt mit einer entsprechend hohen Versicherungszeit erst mit 63 Jahren und 8 Monaten in Frührente gehen. Ab dem Geburtenjahrgang 1964 liegt das Eintrittsalter bei 65 Jahren.

Nicht nur reine Arbeitszeit können Sie sich für die 45 Jahre Versicherungszeit anrechnen lassen, sondern auch

  • die Erziehung eines Kindes bis zum 10. Lebensjahr,
  • Wehr- oder Zivildienst,
  • ein Freiwilliges Soziales Jahr,
  • die nicht erwerbsmäßige Pflege von Angehörigen,
  • Lebensabschnitte, in denen Sie Leistungen wie Arbeitslosengeld 1, Krankengeld oder Kurzarbeitergeld bezogen haben,
  • Zeiten, in denen Sie freiwillige Versicherungsbeiträge gezahlt haben oder einen sogenannten Minijob ausführten.

Prüfen Sie Ihren beruflichen Lebenslauf also genau, wenn Sie in Erwägung ziehen, die Frührente mit 63 in Anspruch zu nehmen.

Altersrente für langjährig Versicherte

Eine weitere Option für die Frührente ist die Altersrente für langjährig Versicherte. Diese können Sie bereits nach 35 Beitragsjahren in Anspruch nehmen, allerdings nicht abschlagsfrei.
Für jeden Monat, den Sie früher in Rente gehen, wird Ihre Rentenzahlung um 0,3 Prozent gekürzt. Die Altersgrenze hängt von Ihrem Geburtsjahr ab:

  • Für vor dem Jahr 1948 geborene Versicherte liegt die Altersgrenze bei 65 Jahren.
  • Für zwischen 1948 und 1964 Geborene wird die Altersgrenze stufenweise bis 67 Jahre angehoben.
  • Für nach 1964 Geborene liegt sie bei 67 Jahren.

Wenn Sie also eigentlich bis zum Alter von 67 Jahren arbeiten müssten, aber mit 63 in Rente gehen möchten, können Sie mit einer maximalen Kürzung von 14,4 Prozent rechnen.

Auch für diese Altersrente werden neben Ihren eigenen Beitragszeiten zahlreiche andere Zeiten angerechnet, z. B. Zeiten aus einem Versorgungsausgleich, Zeiten aus Minijobs oder Zeiten, in denen Sie nicht arbeiten konnten wie Studium, Schwangerschaft oder Krankheit.

Frührente wegen Krankheit oder einer schweren Behinderung

Für Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr arbeiten können, kommen folgende Renten infrage:

  • die Altersrente für schwerbehinderte Menschen und
  • die Erwerbsminderungsrente.

Versicherte mit einer Schwerbehinderung können nach einer Mindestversicherungszeit von 35 Jahren abschlagsfrei ab 63 Jahren in Rente gehen. Voraussetzung ist der Nachweis einer Schwerbehinderung. Auch bei dieser Altersrente gibt es eine stufenweise Anhebung der Altersgrenze auf 65 Jahre. Sie gilt für zwischen 1962 und 1963 Geborene. Bei nach 1963 Geborenen liegt die Altersgrenze bei 65 Jahren. Wer trotzdem in Frührente gehen möchte, muss Abschläge hinnehmen.

Die Erwerbsminderungsrente hingegen steht Versicherten vor dem Renteneintrittsalter zu, die aus gesundheitlichen Gründen nur weniger als sechs Stunden täglich arbeiten können. Wer zwischen drei und sechs Stunden arbeiten kann, erhält die halbe Erwerbsminderungsrente. Wer weniger als drei Stunden täglich beruflich tätig sein kann, hat Anspruch auf die volle verminderte Erwerbsrente. Voraussetzung für beide Renten ist eine Wartezeit von mindestens fünf Jahren.

Die Erwerbsminderungsrente ist eine Erwerbsunfähigkeitsrente, d. h. sie wird nur gezahlt, wenn Sie erwerbsunfähig sind. In den meisten Fällen könnten Arbeitnehmer in einem anderen Beruf weiterarbeiten, was sich in der Praxis allerdings oft schwierig gestaltet. Eine private Vorsorge für den Fall einer Berufsunfähigkeit ist deshalb eine lohnenswerte Investition. Wenn Sie die Berufsunfähigkeitsversicherung mit einer privaten Altersvorsorge kombinieren, sind Sie im Berufsleben gut abgesichert und schließen zudem die Rentenlücke, die Ihnen bei einer Frührente mit Abschlägen zwangsläufig droht. Informieren Sie sich dazu über die große Auswahl an Altersvorsorge-Produkten der Postbank.

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