Hausbau: mit Keller oder ohne?

Wenn Sie ein Haus bauen möchten, stehen Sie recht früh vor der Frage, ob es einen Keller haben soll. Zwar bietet ein Untergeschoss viel zusätzlichen Raum, dafür ist der Hausbau mit Keller deutlich teurer. Lohnt sich der Aufwand oder ist es sinnvoller, das Haus einfach auf einer Betonplatte zu errichten? Hier finden Sie alle Informationen, um die richtige Entscheidung für Ihren Traum vom Eigenheim zu treffen.

Keller – eventuell günstiger als gedacht

Bauherren teilen sich in zwei Gruppen. Während die einen die Unterkellerung für unverzichtbar halten, denken die anderen direkt an den Hausbau ohne Keller. Letzteres ist sehr oft der Fall, wenn das Budget eng begrenzt ist. In einigen Fällen werden die Kosten für den Keller dabei aber höher geschätzt als sie tatsächlich wären. Die Initiative Pro Keller gibt die Mehrkosten für einen Keller verglichen mit einer einfachen Bodenplatte mit 180 bis 425 € pro Quadratmeter an. Durchschnittlich verteuert sich der Hausbau mit Keller um rund 10 Prozent. Dafür steht rund 40 Prozent mehr Nutzfläche zur Verfügung. Wie teuer Kellerräume tatsächlich werden, das hängt von der Bodenbeschaffenheit ab. Felsiger Untergrund oder ein hoher Grundwasserspiegel verteuert den Bau. Fehlentscheidungen in der Planungsphase zeigen sich oft erst Jahre später. Überlegen Sie in Ruhe, ob Sie den Hausbau ohne Keller für sich als sinnvoll erachten.

Die Vor- und Nachteile einer Unterkellerung des Hauses

Vorteile Keller Nachteile Keller
Platz für die Haustechnik Baukosten höher
mehr Stauraum und Wohnfläche auf kleinen Grundstücken ausreichend Tageslicht nur über Hochkeller oder Lichtschächte
ideal für einen Hauswirtschaftsraum barrierefreier Zugang aufwendig
Lagerfläche für Lebensmittel Anfälligkeit für Feuchtigkeit und Schimmel
Einrichtung von Hobbyraum oder Werkstatt möglich
Unterbringung von Fahrrädern, Kinderspielzeug und Gartengeräten
Umwidmung zu Wohnraum (je nach örtlichem Baurecht)
Immobilie erhält höheren Wiederverkaufswert

Das Grundstück bestimmt die Bauplanung mit

Der Hausbau mit Keller schafft in erster Linie mehr Stauraum. Dieser lässt sich häufig auch oberirdisch durch ein größeres Gebäude, einen Anbau oder eine Doppelgarage realisieren.
Das ist in folgenden Fällen empfehlenswert:

  • Der Baugrund ist felsig und das Abtragen des Gesteins lässt die Baukosten explodieren.
  • Die Grundwasserlinie liegt hoch und die Kellerwanne muss absolut wasserdicht gestaltet werden.
  • Das Grundstück liegt in einem Überschwemmungsgebiet, ein Keller läuft schließlich zuerst voll.

Anders sieht es aus, wenn Sie auf einem sehr kleinen Flurstück bauen. Mehr Wohn- und Nutzfläche erreichen Sie hier nur über mehrere Etagen. Ebenso verhält es sich bei einem großen Grundstück mit engen Baugrenzen. Diese Situation finden Sie z. B. bei Reihenhäusern. Obwohl das Eckgrundstück größer ausfällt, zwingt der Bebauungsplan Sie dazu, das Bauwerk ebenso zu bemessen wie die anschließende Häuserreihe. In diesem Fall ist ein aufwendiger Hausbau mit Keller bei schwierigen Bodenverhältnissen sinnvoll.

Tipp

Lassen Sie sowohl die Kosten für den Hausbau mit Keller als auch die für eine Immobilie mit mehr oberirdischem Stauraum berechnen, das ist eine gute Entscheidungshilfe.

Wie möchten Sie wohnen?

Ist der Hausbau mit Keller problemlos möglich, überlegen Sie, ob Sie ihn tatsächlich benötigen. Ein Hauswirtschaftsraum neben dem Schlaf- oder Ankleidezimmer kann viel praktischer sein als Waschmaschine und Trockner im Untergeschoss. Wenn Sie nicht gerade Kartoffeln und anderes Gemüse unter der Erdoberfläche kühl lagern möchten, erreichen Sie einen Vorratsraum neben der Küche schneller – zumal die modernen Gebäude für das Einkellern von frischen Lebensmitteln in der Regel zu warm sind. Fahrräder, Kinderspielgeräte und Werkzeuge sind in der Garage oder einem Gartenhaus gut aufgehoben. Stellen Sie sich unter anderem folgende Fragen:

  • Wie viele Zimmer benötigen Sie?
  • Wie groß muss der Stauraum sein?
  • Was passiert, wenn Sie im Alter die Treppen nicht mehr bewältigen?
  • Ist eine Ausbaureserve erforderlich?

Lassen sich die nötigen Lichtverhältnisse schaffen, ist ein Untergeschoss ideal, wenn Sie sich ein Gäste-, Arbeits- oder Fitnesszimmer wüschen. Auch für einen Hobbyraum oder eine kleine Werkstatt bietet sich ein Keller an. Für Ihre persönlichen Bedürfnisse kann der Hausbau mit Keller die richtige Entscheidung sein. Allerdings ist zu bedenken, dass der Verzicht auf die unterirdischen Räume in vielen Regionen den Wiederverkaufswert der Immobilie senkt.

Hoher Grundwasserspiegel: Hausbau ohne Keller alternativlos?

Nasse, schimmelnde Kellerwände sind ein Albtraum für Eigenheimbesitzer. Doch bedeutet das, dass Sie bei einem hohen Grundwasserspiegel auf den Hausbau mit Keller verzichten müssen? Mitnichten. Bautechnisch ist es möglich, die unterirdische Außenhülle des Gebäudes mehr oder weniger komplett abzudichten. Diese Möglichkeiten stehen zur Wahl:

  • Schwarze Wanne: Bei dieser Variante erhalten die Außenseiten des Kellers eine Umhüllung aus Bitumen.
  • Weiße Wanne: Mittlerweile ist es möglich, wasserundurchlässigen Beton (WU-Beton) anzumischen. Diese Lösung ist kostengünstiger, allerdings kann Feuchtigkeit durch die Wände diffundieren.
  • Braune Wanne: Hier erhält die weiße Wanne eine dünne Beschichtung aus Bentonit. Dieser Spezialton ist extrem quellfähig und absolut wasserundurchlässig. Die Zusatzschicht dichtet den Beton zuverlässig ab. Die Baukosten sind geringer als bei der schwarzen Wanne.

Eine Alternative kann ein sogenannter Hochkeller sein. Dieser liegt über der Wasserlinie und ragt über die Bodenlinie hinaus. Das senkt zusätzlich den Aushub für die Baugrube und verbessert den Lichteinfall und damit die Wohnqualität in den unteren Räumen.

Tipp

Sparen Sie nicht die Kosten für ein Bodengutachten, bevor Sie ein Grundstück kaufen. Die Informationen des Experten können Sie vor hohen Folgekosten bewahren.

Keine Angst vor Feuchtigkeit

Ist beim Hausbau der Keller korrekt geplant und realisiert, müssen Sie keine Angst vor Schimmel haben. Mit den folgenden Tipps und Tricks halten Sie die Räume trocken:

  • Hängen Sie keine Wäsche im Keller auf.
  • Platzieren Sie keine großen Möbelstücke an den Außenwänden.
  • Im Sommer bleibt das Untergeschoss kühl. Lüften Sie nicht am Tage, sonst schlägt sich die Feuchtigkeit der Außenluft an den Wänden nieder. Stoßlüften am Morgen genügt.
  • Im Winter dürfen Sie dagegen die Fenster dauerhaft geöffnet lassen.

Ob der Hausbau mit Keller oder ohne besser ist, sollte gut überlegt sein. Immobilienfachleute raten zum zusätzlichen Stauraum, wenn die Kosten nicht aufgrund der Bodenverhältnisse unsinnig hoch steigen. Denken Sie daran, dass Sie diese Entscheidung kaum nachträglich ändern können. Zwar ist es teilweise technisch möglich, ein Gebäude später zu unterkellern. Die zu erwartenden Kosten übertreffen die des Neubaus um ein Vielfaches.

Unsere Empfehlung

Immobilienfinanzierung

Mehr zum Thema

Eigenleistung beim Hausbau – Geld sparen mit der Muskelhypothek