Hilfe zur Selbsthilfe: Pflege aus Patientensicht

Egal, ob stationär oder ambulant: Wenn Sie pflegebedürftig sind, dann haben Sie ganz genaue Vorstellungen davon, wie Angehörige oder Pflegedienst­mitarbeiter Sie im Alltag unterstützen sollen. Damit Sie als Pflegefall trotz Hilfsbedürftigkeit weiterhin ein selbstbestimmtes Leben führen, bringen Pflegende bestenfalls einige wichtige Fähigkeiten mit. Neben einem guten Maß an Empathie und Kompetenz spielt hier der Zeitfaktor eine entscheidende Rolle.

Stationäre Pflege: Anbieter mit Bedacht auswählen

Der Bedarf an Pflegeplätzen in Deutschland explodiert. Im Jahr 2017 zählte Statista 14.480 Pflegeheime und 14.050 ambulante Pflegedienste, 9.243 davon waren private Dienstleister. Damit wuchs die Zahl der ambulanten Pflegebetriebe in den letzten 20 Jahren um 30 Prozent, bei den stationären Einrichtungen gab es sogar ein Plus von 60 Prozent. Der erhöhte Bedarf an Pflegeplätzen steht allerdings in starker Diskrepanz zur Personaldecke: Wie die Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen erklärte, fehlten bereits im Jahr 2017 in der Bundesrepublik 25.000 Pflegefachkräfte und 10.000 Pflegehilfen.

Diese Zahlen belegen durchaus, dass Angestellte in Pflegeberufen unter einer enormen Belastung stehen. Stress und Zeitmangel dürfen sich aber niemals auf die Qualität der Pflege auswirken. Ähnlich sehen es die deutschen Bürger: Nach einer Umfrage der Wirtschaftsprüfer von PricewaterhouseCoopers aus Dezember 2017 haben 80 Prozent der Bevölkerung Angst davor, später in einem Pflegeheim betreut werden zu müssen. Diese Beurteilung fußt primär auf dem vorherrschenden Personalmangel und damit einhergehender Überforderung des Pflegepersonals. Der drohende Verlust der Privatsphäre und der Wunsch, die Pflegezeit lieber in der eigenen Wohnung zu verbringen, spielen hier ebenfalls eine Rolle. 71 Prozent der Befragten gaben zudem an, dass sie große Qualitätsunterschiede unter den deutschen Pflegeheimen sehen. Die stationäre Pflege wird aus Sicht zukünftiger Patienten also durchaus kritisch betrachtet.

Tipp

Lassen Sie sich bei der Suche nach einem stationären Pflegeplatz viel Zeit und informieren Sie sich intensiv über die Pflegeheime in Ihrer Region. Einen guten Überblick bieten die Daten des Pflege-TÜV (MDK), die Sie u. a. auf der Website pflegelotse.de finden!

Pflege durch Familienangehörige optimal gestalten

Weil das eigene Zuhause als Pflegeplatz bevorzugt wird, ist der „größte Pflegedienst Deutschlands“ privater Natur: Nach Schätzungen der GEDA-Studie des Robert Koch-Instituts werden ca. 4,7 Millionen Menschen in Deutschland von Familienangehörigen gepflegt. Um daheim eine Pflege im Sinne des Patienten zu ermöglichen, sollten privat Pflegende unbedingt ihre Pflegekenntnisse erweitern. Durch einen Pflegekurs lernen Pflegelaien, wie sie souveräner mit der Situation umgehen, was möglichen Stress minimiert und die Situation auch für den Gepflegten deutlich entspannt.

Durch Fachwissen allein werden Angehörige aber nicht automatisch zu einer kompetenten Pflegekraft. Mindestens genau so wichtig ist es, wie sich Pflegende im täglichen Umgang mit dem Patienten verhalten. Schon kurze persönliche Gespräche helfen dabei, einem pflegebedürftigen Menschen das Gefühl von Anerkennung und Sicherheit zu vermitteln. Das gilt insbesondere für Demenzpatienten, von denen nach Angaben der Deutschen Alzheimer Gesellschaft e.V. etwa 1,1 Millionen in Privathaushalten leben. Wer sich als Pflegender in die Situation des Erkrankten versetzt, dem fällt es mitunter leichter die passenden Kommunikationswege zu finden. Das Ansehen alter Fotos, gemeinsames Musik hören oder Kuchen backen bringt nicht nur eine schöne Abwechslung in den Alltag, sondern sorgt auch für positive Ablenkung. Intensive persönliche Betreuung kann im besten Fall sogar dafür sorgen, dass sich bestimmte Sympthome verbessern oder der Krankheitsverlauf aufgehalten wird. In der Medizin wird dazu eingehend geforscht. Eine wichtige Erkenntnis ist es, dass an Demenz Erkrankte die berühmte „Hilfe zur Selbsthilfe“ benötigen. Anstatt ihnen alle Aufgaben abzunehmen, sollten Pflegebedürftige eher gefordert werden, da sich ansonsten schnell ein Gefühl von Überflüssigkeit und Resignation einstellt. Indem Sie dem Tagesablauf eines Demenzpatienten Struktur und Routine verschaffen, beugen Sie drohenden Unsicherheiten vor und können zudem selbst besser planen. Regelmäßige soziale Kontakte, Hobbys und andere Aktivitäten helfen ebenfalls dabei, die Sinne von dementen Personen anzuregen. Empfehlenswerte Tätigkeiten sind u.a.

  • Bastelarbeiten (Haptik),
  • leichte Gymnastik,
  • Vorlesen,
  • Gesellschaftsspiele,
  • Malerei sowie
  • Singen und Tanzen.

Beachten Sie bei diesen Angeboten aber immer die persönlichen Vorlieben der Pflegeperson und setzen sie Niemanden unter Druck. Pflegende sollten außerdem auch auf ihr eigenes Wohl achten. Holen Sie sich Hilfe von anderen Familienangehörigen oder nehmen Sie öffentliche Angebote in Anspruch – nicht erst, wenn Sie sich bereits mit der Situation überfordert fühlen.

Ämter und Gesetze sorgen für Unterstützung

Die Beratungs- und Informationsangebote von Ämtern, Pflegekassen und Behörden sind ein wichtiger Stützpfeiler der häuslichen Pflege. Vergessen Sie nicht, dass Pflegekosten steuerlich absetzbar sind. In einer solidarischen Situation kann Geldmangel im schlimmsten Fall zu Resignation führen, was das vertrauensvolle Pflegeverhältnis belastet.

Unser Tipp: Bleiben Sie bei der Pflegegrad-Einstufung kategorisch und legen Sie bei Zweifeln nötigenfalls Einspruch ein, um höhere Pflegegelder zu erhalten. Denken Sie außerdem daran, dass Sie bei anerkanntem Pflegegrad Pflegehilfsmittel beantragen dürfen, die zum großen Teil bezuschusst werden. Das gilt sogar für diverse Verbrauchsmaterialien.

Wer sich dafür entscheidet, einen Verwandten daheim zu pflegen, hat regelmäßig Anspruch auf eine Auszeit: Die sogenannte Verhinderungspflege steht Ihnen bis zu sechs Wochen im Jahr zu. Um Pflege und Beruf besser zu vereinbaren, können Arbeitnehmer zudem eine Familienpflegezeit beantragen. In einem Zeitrahmen von bis zu 24 Monaten wird dann die Arbeitszeit auf 15 Stunden pro Woche reduziert. Durch zinslose Bundesdarlehen fällt die Lohnfortzahlung dabei höher aus, als dies rein nach Berechnung der Arbeitsstunden der Fall wäre. Detaillierte Informationen dazu erhalten Sie im „Online-Ratgeber Pflege“ des Bundesministeriums für Gesundheit.

Bei ambulanter Pflege auf Qualitätsstandards achten

Zahlreiche Pflegedienste haben die Bedürfnisse ihrer Kunden erkannt und schulen ihre Mitarbeiter entsprechend darauf, dass Pflege von Patient zu Patient sehr individuell zu gestalten – unter großer Rücksichtnahme auf die jeweilige Lebenssituation. Gute Erreichbarkeit und Termintreue sind weitere entscheidende Qualitätskriterien. Einige Pflegedienste, die Sie bei der häuslichen Pflege unterstützen, legen ihre Dienstpläne so an, dass Patienten so oft es geht von denselben Personen betreut werden. So lässt sich im Laufe der Pflegezeit ein Vertrauensverhältnis aufbauen, das dem Gepflegten zusätzliche Sicherheit vermittelt. Neben der fachlichen Expertise sorgt u. a. eine moderne technische Ausstattung des Pflege­dienstes dafür, dass sich Hilfsbedürftige wohl fühlen.

Scheuen Sie sich nicht und nehmen Sie die Hilfe eines ambulanten Pflegedienstes in Anspruch, wenn Sie einen Familienangehörigen daheim pflegen. Bei der Auswahl des passenden Betriebs hilft Ihnen – ähnlich wie bei der stationären Pflege – der Pflege-TÜV auf pflegelotse.de weiter.

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