Rentenerhöhung 2021 – wie hoch ist die neue Rente?

Die jährliche Rentenanpassung orientiert sich an der Entwicklung der Bruttolöhne in Deutschland. Infolge der COVID-19-Pandemie sind die Löhne 2020 allerdings merklich gesunken: Das Statistische Bundesamt meldete für das Corona-Jahr 2020 einen Rückgang der Nominallöhne von rund einem Prozent. Kurzarbeit, Entlassungen sowie ausbleibende Gehaltserhöhungen drückten das Lohnniveau nach unten – das wirkt sich nun direkt auf die neuen Rentenbezüge ab 2021 aus. 

Mit wie viel mehr Geld können Rentnerinnen und Rentner rechnen?

Für viele deutsche Rentnerinnen und Rentner bleibt die Rente in diesem Jahr gleich. Der Rentenwert steigt in den neuen Bundesländern nur geringfügig um 0,72 Prozent. Damit erhöht sich der Rentenwert (Ost) von 33,23 Euro auf 33,47 Euro. Dabei handelt es sich allerdings um keine wirkliche Erhöhung, sondern um die schrittweise Angleichung der Renten Ost an West. Der aktuelle Rentenwert (West) stagniert dagegen auf dem Niveau des Vorjahres – das sind konkret 34,19 Euro.

Einheitliches Rentenrecht bald erreicht

Die Rentenerhöhung fällt in Ost und West jedes Jahr zum 1. Juli unterschiedlich aus. Grund dafür ist eine Gesetzesänderung, die seit 2018 eine schrittweise Angleichung der Renten in den neuen Bundesländern an die Renten in den alten Bundesländern vorsieht – dieses Verfahren nennt sich „Angleichungstreppe“.

Die neue Anpassung zum 1. Juli 2021 bringt die Rente Ost auf 97,9 Prozent des Westwertes. Dem Ziel der Bundesregierung, ein einheitliches Rentenrecht für alle Bundesbürger bis 2024 zu etablieren, ist Deutschland dann wieder ein Stück näher gerückt.

Die fehlende Erhöhung der Rente ruft zudem Erinnerungen wach: Bereits in den Jahren 2004 bis 2006 und dann noch einmal im Jahr 2010 gingen Rentnerinnen und Rentner leer aus – in diesen Zeiträumen nahm die Bundesregierung keine Rentenanpassungen vor. Deutlich mehr Geld gab es noch im vergangenen Jahr: Zum 1. Juli 2020 stiegen die Renten um 3,45 Prozent (West) und 4,2 Prozent (Ost) im Vergleich zum Vorjahr.

Warum steigen die Renten 2021 nur in den neuen Bundesländern?

Anfang 2020 veranlassten die positiven Entwicklungen am deutschen Arbeitsmarkt und sukzessive Lohnsteigerungen die Bundesregierung dazu, die Renten ordentlich zu erhöhen. Nach den volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen des Statistischen Bundesamts konnte 2020 in Deutschland sowohl in den alten als auch neuen Bundesländern eine für die Rentenanpassung signifikante Lohnsteigerung verzeichnet werden – nämlich 3,83 Prozent im Osten und 3,28 Prozent im Westen.    

Mit Beginn der Pandemie wendete sich das Blatt rapide: Erstmals seit der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise sanken die Nominallöhne deutlich. Weil die relevante Lohnentwicklung 2020 negativ ausfiel, ergaben sich keine Auswirkungen auf die Rentenanpassung. Kurzum: In der Corona-bedingten Wirtschaftsflaute haben nicht nur Beschäftigte das Nachsehen, sondern auch Rentner und Rentnerinnen – für viele von ihnen kommt zur Jahresmitte eine Nullrunde.

Ein weiterer Grund für die Rentenanpassung offenbart sich im Zahlenverhältnis von Rentenbeziehenden und Beitragszahlenden, das mit dem sogenannten Nachhaltigkeitsfaktor ausgedrückt wird. 2020 beeinflusste der Nachhaltigkeitsfaktor die Rente zum Positiven: Er stieg um +0,17 Prozentpunkte. Hier macht sich der Positivtrend auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar. Die Wirtschaft florierte 2019, viele Unternehmen waren auf Wachstumskurs und stellten ein, sodass die Arbeitslosigkeit sank. Durch die höhere Zahl an sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten stieg auch die Summe der Sozialbeiträge, wovon letztendlich Rentnerinnen und Rentner profitieren. Wie genau die Rente berechnet wird, ist im Sechsten Buch Sozialgesetzbuch (SGB VI) festgelegt.  

Für die Rentenanpassung im Jahr 2021 brachte der Nachhaltigkeitsfaktor hingegen keine Auswirkungen mit sich. Separat betrachtet hätte der Nachhaltigkeitsfaktor die Rentenanpassung um 0,92 Prozentpunkte gedämpft. Allerdings gab es für die Rente West keine Anpassung und die Rente Ost erhöhte sich nur gemäß der Angleichungstreppe. Daher hatte der Nachhaltigkeitsfaktor in diesem Jahr keinen Effekt.

Beeinflusst die anhaltende Corona-Pandemie die Rente 2022?

Seit 2020 hat das neuartige Coronavirus das Leben und die Wirtschaft fest im Griff. Viele Unternehmen mussten über Wochen schließen, Arbeitnehmer gingen in Kurzarbeit oder haben ihren Job verloren. Da sich die Rentenerhöhung immer an den Werten des Vorjahres orientiert, hatte die Situation zunächst keinen Einfluss auf die Rentenerhöhung 2020. Bundesarbeitsminister Heil betonte damals noch, dass Rentnerinnen und Rentner an der guten wirtschaftlichen Entwicklung des Vorjahres teilhaben sollen. Außerdem erhöhte die Rentenerhöhung die Kaufkraft der Senioren und sollte dazu beitragen, das wirtschaftliche Corona-Tief zu überwinden.    

Im Laufe des Jahres kam es 2020 dann allerdings zu einem rapiden wirtschaftlichen Einbruch. Wie schnell sich die deutsche Wirtschaft erholen kann, ist noch nicht abzusehen. Für Rentner und Rentnerinnen dürfte es 2022 eventuell dennoch Grund zur Freude geben: Es besteht Hoffnung auf eine starke Rentenerhöhung – und zwar unabhängig von der Entwicklung der Bruttolöhne. Anlass für die Meldung ist eine Änderung der Rentenformel, die ein Plus von rund fünf Prozent bringen könnte. Ob im kommenden Jahr jedoch tatsächlich mehr Geld auf dem Konto landet, hängt von vielen Faktoren ab. Das Bundesarbeitsministerium möchte die positiven Prognosen daher noch nicht bestätigen und bittet zunächst um Geduld. Erst nächstes Jahr wird feststehen, wie es um die deutsche Wirtschaft bestellt ist und ob die Rente wie erwartet angehoben werden kann.

Senioren haben dennoch immer ein gewisses Maß an Sicherheit: Rentenkürzungen sind ausgeschlossen. Selbst wenn sich aus den Formeln zur Berechnung der Rentenerhöhung ein Minus ergeben würde, hätte dies keine Kürzungen zur Folge. Die Rentengarantie ist rechtlich abgesichert. Im schlimmsten Fall käme es zu einer erneuten Nullrunde im Westen. In den neuen Bundesländern dagegen wäre trotzdem eine geringe Erhöhung zu erwarten, da der Rentenwert Ost aufgrund gesetzlicher Regelungen weiter um 0,7 Prozent steigen muss, um die Angleichung der Renten zu erreichen.