AirBnB: Von der Luftmatratze zur Luxusvilla

Alles begann im Oktober 2007 mit der Idee, einen Schlafplatz auf einer Luftmatratze zu vermieten. Heute ist AirBnB einer der „Big Player“ der New-Economy-Szene. Auf der Onlinebörse finden Weltenbummler über vier Millionen Übernachtungsmöglichkeiten in 190 Ländern. Der Clou: Diese werden überwiegend von privaten Vermietern angeboten. Vom kleinen Gästezimmer bis zur Luxusvilla – es gibt nichts, was es auf AirBnB nicht gibt. Doch aufgrund des knappen Wohnraums wird für viele Einheimische das Konzept immer mehr zum Ärgernis.

Wie funktioniert AirBnB?

Von Grund auf ist das Geschäftsmodell von AirBnB eigentlich ziemlich sympathisch: Wenn Sie beispielsweise einen Wochenendtrip nach Paris planen, können Sie auf der AirBnB-Webseite aus Zehntausenden privaten Zimmern oder Wohnungen wählen. Haben Sie ein passendes Angebot ausgemacht, lässt sich dieses direkt über AirBnB buchen. Die finanzielle Transaktion läuft ebenfalls über das Homesharing-Portal: Der Urlauber zahlt per PayPal oder Kreditkarte die Übernachtungskosten, AirBnB stellt das Geld dem Vermieter zur Verfügung. Um Betrug vorzubeugen, erhält der Inhaber des Mietobjekts die Zahlung allerdings erst 24 Stunden nach Anreise des Gastes.

AirBnB verdient an der Vermietung natürlich mit und kassiert von beiden Vertragspartnern eine Provision. Gastgeber bezahlen in der Regel 3 Prozent, Feriengäste durchschnittlich 10 Prozent an das US-Unternehmen. 2017 erzielte der Wohnungsvermittler so einen operativen Gewinn von ca. 100 Millionen Dollar. Heute ist AirBnB ungefähr 31 Milliarden Dollar wert und unangefochtener Platzhirsch bei der Online-Vermittlung von kurzfristig zu nutzendem Wohnraum. Das aber gefällt längst nicht jedem!

Steigende Mieten und Wohnraumverknappung wegen AirBnB?

Gerade in Touristenhochburgen kommen immer mehr geschäftstüchtige Vermieter und sogar Investoren auf den AirBnB-Geschmack. Schließlich lässt sich mit einer tageweisen Vermietung eines Apartements oder Zimmers deutlich mehr Geld verdienen, als mit einem langfristigen Mietverhältnis. Das aber wird in europäischen Großstädten wie Berlin, Amsterdam oder Barcelona zunehmend problematisch. Langjährige Mieter werden mit einer Eigenbedarfskündigung vor die Tür gesetzt, um den freigewordenen Wohnraum anschließend lukrativ über AirBnB zu vermieten. Doch durch die ohnehin angespannte Lage auf dem Immobilienmarkt und den zusätzlichen Touristenstrom kommt es zu immer mehr Engpässen, was – zumindest als Teilaspekt – zu einem deutlichen Anstieg der Mietpreise führt.

Auch der Politik ist der AirBnB-Boom zunehmend ein Dorn im Auge. Denn private Vermietungen von Ferienzimmern oder Wohnungen sind Einkünfte, die steuerlich relevant sind. Viele Vermieter führen auf die Mieterlöse aber keine Einkommenssteuer ab und so entgehen dem Staat Einnahmen in Millionenhöhe. Schlussendlich wettert die Hotelbranche gegen AirBnB: Über das Portal werden mittelweile mehr Übernachtungen gebucht, als über die fünf größten Hotelketten weltweit zusammengerechnet. Die private Konkurrenz sorgt bei Hoteliers also für massive Umsatzeinbußen.

Erste AirBnB-Verbote und -Einschränkungen

In einigen touristisch relevanten Großstädten wurden mittlerweile Gesetze gegen das Homesharing beschlossen. So ist die Vermietung von Privatwohnungen an Touristen in Mallorcas Hauptstadt Palma seit Juli 2018 generell untersagt. Wien plant selbiges Verbot ab März 2019. In einigen anderen Städten gilt ein Zeitlimit für die temporäre Vermietung von kompletten Wohnungen an Weltenbummler:

  • Amsterdam: 60 Tage (30 Tage ab 2019)
  • London: 90 Tage
  • Paris: 120 Tage
  • New York: 30 Tage
  • Frankfurt am Main: 6 Wochen
  • München: 8 Wochen

In mehreren deutschen Großstädten wählte die Politik einen anderen Ansatz: In Berlin brauchen Vermieter beispielsweise eine Genehmigung der Stadt, wenn Sie ihre komplette Wohnung über kurze Intervalle vermieten möchten. Parallel machen Teams aus Sonderermittlern Jagd auf illegal untervermietete Wohnräume und Steuersünder, die ihre Mieteinnahmen nicht beim Finanzamt angeben. Ebenso gibt es beispielsweise in München Bemühungen, AirBnB die Kontaktdaten der lokalen Anbieter zu entlocken. Da die europäische Servicezentrale des Start-ups allerdings in Irland ansässig ist, dürfte das nicht so einfach sein.

In Barcelona ist man derweil bereits einen Schritt weiter: Nach einem einjährigen Rechtsstreit und unter Androhung von 600.000 Euro Bußgeld entfernte AirBnB alle Angebote aus seinem Katalog, die keine Lizenz der katalanischen Behörden aufweisen konnten. Mittlerweile kooperiert AirBnB mit vielen Regierungen weltweit – in über 300 Städten gibt es direkte Schnittstellen zur Verwaltung. Für Übernachtungen in Dortmund zieht AirBnB z. B. automatisch die dort geltende Bettensteuer ein.

Die Zukunft von AirBnB

Trotz aller beschriebenen Widrigkeiten steht fest: AirBnB wird weiter kräftig wachsen. Das liegt u. a. daran, dass der Homesharing-Anbieter nur wenige und kleine Konkurrenten hat, die mit dem Reise-Riesen nicht mithalten können. Wimdu – ein Berliner Mitbewerber von AirBnB – stellte im September 2018 den Betrieb ein. Andere Alternativen wie 9flats, Housetrip und Way to Stay fristen ein Schattendasein neben der großen Konkurrenz.

Zudem plant AirBnB sein Angebot deutlich zu erweitern. Derzeit wird über einen Börsengang spekuliert, zudem forciert das Start-up mit mehreren Milliarden US-Dollar an Investorengeldern im Gepäck eine neue Kundengruppe: die Luxusurlauber!

Unter dem Label „AirBnB Plus“ vermittelt das Unternehmen seit kurzer Zeit geprüfte Unterkünfte, die einen strengen Qualitätscheck durchlaufen haben. So werden Reisende mit gehobenen Ansprüchen angelockt, die bei der Buchung nicht unbedingt aufs Geld achten. Die Zeiten der vermieteten Luftmatraze sind bei AirBnB also endgültig vorbei, stattdessen werden nun auch Villen und Luxusanwesen mit Pool vermittelt. Die Zukunftspläne des Unternehmens sind extrem ambitioniert: Ab dem Jahr 2028 peilt AirBnB eine Milliarde Übernachtungen an.

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