Lidl & Aldi – vom Discounter zum Trendmarkt

Für 80 Prozent der Verbraucher gehört der regelmäßige Einkauf beim Lebensmittel-Discounter zur wöchentlichen Routine. Alleine Lidl und Aldi erwirtschaften als umsatzstärkste Supermarktketten deshalb jährlich Milliardenbeträge: So verbuchte Aldi Süd im Jahr 2017 einen Umsatz von rund 17 Milliarden Euro, Lidl setzte im selben Zeitraum 24,3 Milliarden Euro um. Um neue Kunden zu gewinnen und alte zu binden, verabschieden sich die beiden Marktführer immer weiter vom typischen Discounter-Flair. Könnte am Ende ein „lachender Dritter“ davon profitieren?

Mettwurst, Müsli & Mobilfunk: das Angebot von Lidl & Aldi

Als Karl Albrecht sen. im Jahr 1913 einen typischen „Tante-Emma-Laden“ in Essen eröffnete, ahnte noch niemand, dass aus dem Geschäft ein weltweites Firmenimperium erwachsen würde. Heute – über einhundert Jahre später – ist Aldi mit seinen getrennten Filialen in Süd und Nord ein gut positionierter Discounter-Gigant, der neben Lebensmitteln u. a. auch Textilien, Unterhaltungselektronik, Reisen sowie Strom- und Mobilfunktarife anbietet.

Neben dem traditionsreichen Familienunternehmen Aldi eroberte ab Anfang der 70er-Jahre ein weiterer Discounter immer mehr Marktanteile: Lidl als Teil der Schwarz-Gruppe, zu der auch die Kaufland-Supermärkte gehören, verfügt heute über rund 3.300 Filialen in Deutschland und ist mit diesem Bestand zum größten Konkurrenten für Aldi herangewachsen.

Das Besondere an beiden Discountern war lange Zeit das große Angebot an Eigenmarken aus den Lebensmittel- und Non-Food-Bereichen: Diese werden von namhaften Firmen produziert und können vor allem aufgrund hoher Abnahmemengen zu sehr günstigen Preisen verkauft werden. Welche Hersteller hinter den No-Name-Produkten stecken, ist mittlerweile kein großes Geheimnis mehr: So stammen viele Joghurt-Erzeugnisse im Aldi- und Lidl-Sortiment von Müller Milch oder Zott, Süßwaren von Storck, Kekse von Bahlsen und einige Fruchtsäfte aus dem Hause Valensina.

Ein anderer Weg, exklusive Produkte zu günstigen Preisen anbieten zu können, ist das Prinzip der eigenen Herstellung. So nennt Aldi beispielsweise hausinterne Kaffeeröstereien sein Eigen, Lidl betreibt eine eigene Eiscreme-Manufaktur. Um dem Kunden darüber hinaus auch Mobilfunkprodukte anzubieten, kauft Aldi Kapazitäten aus dem O2-Netz des Anbieters Telefónica. Bei Stromtarifen kooperiert Lidl mit dem Energiekonzern E.ON.

Bio-Obst, Brottheke & Co.: Filialmodernisierung zum Wohl des Kunden

Da mittlerweile auch viele andere Handelsketten wie Edeka, Rewe und dm Eigenmarken im Programm führen, ist das ehemals wichtigste Alleinstellungsmerkmal der Discounter heute passé. Aus diesem Grund arbeiten Lidl und Aldi intensiv an einem neuen und modernen Image. Der Weg führt weg vom Supermarkt mit Lagerhallenflair, hin zum hellen und freundlichen Verkaufsort für Trendprodukte wie Bio-Obst, Vitalbrot und vegane Smoothies.

Das „größte Investitionsprogramm der Firmengeschichte“ soll zumindest für Aldi Süd bis ins Jahr 2020 andauern und wird bis dahin ein Budget von 3,5 Milliarden Euro für die Modernisierung von 1.900 Filialen aufbrauchen. Aldi Nord lässt sich die Erneuerung von 2.250 Filialen sogar 5,2 Milliarden Euro kosten. Auch Lidl entledigt sich seiner Discountergene und setzt auf schicke Läden, hohe Investitionen und eine neue Kooperation mit Bioland, einem ökologisch orientierten Anbauverband mit Sitz in Mainz. Das attraktive Ambiente der neuen Verkaufsflächen und das größere Angebot an Bioprodukten soll mehr Kunden anlocken. Was anscheinend auch funktioniert: Aldi Süd verbuchte im 1. Quartal 2018 ein Umsatzplus von 3,3 Prozent, Lidl legte sogar um 6,8 Prozent zu. Durch die neuen strategischen Ausrichtungen von Lidl und Aldi entstand allerdings eine Lücke im Discountersegment, die schon bald neu besetzt werden könnte.

Russischer Discounter „Centwelt“ vor Markteintritt in Deutschland

Während Aldi und Lidl mittlerweile eher auf anspruchsvolle Verbraucher setzen, könnten im Tiefstpreissegment schon bald die Karten neu gemischt werden. So wurde im Oktober 2018 bekannt, dass sich die russische Discounterkette Torgservis mit aller Macht auf dem deutschen Markt etablieren will. Dazu sucht das Unternehmen derzeit 100 Standorte im gesamten Bundesgebiet. Eine erste Filiale eröffnet noch 2018 in Leipzig – bezeichnenderweise auf einem ehemaligen Aldi-Standort.

Ob Torgservis in Deutschland tatsächlich Fuß fassen kann, bleibt abzuwarten. Sicher ist aber, dass besonders preissensitive Verbraucher großes Interesse an einem Discounter-Konzept hätten, welches die Tugenden der „alten“ Lidl- und Aldi-Filialen imitiert: einfache Warenpräsentation und ein flaches Sortiment mit hohen Qualitätsansprüchen und günstigen Preisen.

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