Was Aktienkurse zum Schwanken bringt

Kursschwankungen sind bei Aktien etwas ganz Normales. Denn die Aktienkurse spiegeln nicht einfach nur den Wert eines Unternehmens wider, sondern werden von vielen Faktoren beeinflusst. Nicht alle davon sind logisch nachvollziehbar. „Da spielt viel Psychologie mit rein. An den Aktienmärkten ist eins plus eins nicht immer zwei“, sagt Dr. Marco Bargel, Chef-Investmentstratege der Postbank. Hier lesen Sie, was Aktienkurse zum Schwanken bringt.

Angebot und Nachfrage

Der Preis einer Aktie ergibt sich grundsätzlich aus Angebot und Nachfrage. Wenn jemand die Aktie eines Unternehmens kaufen will, muss ein anderer verkaufen. Alle Verkaufs- und Kaufangebote laufen an den Kapitalmärkten, also den internationalen Börsen, zusammen. Wenn mehr Marktteilnehmer kaufen als verkaufen wollen, steigt der Aktienkurs, ist es umgekehrt, fällt er.

Bei häufig gehandelten Aktien ändert sich der Preis sekündlich. Die Technik macht’s möglich: Der Großteil des deutschen Aktienhandels etwa läuft heute über Xetra, ein vollelektronisches System, das Kauf- und Verkaufsaufträge automatisch zusammenführt. Auch beim restlichen Handel geht nichts mehr ohne Computer. Der klassische Parketthandel mit lautem Geschrei und hektischen Handzeichen ist längst ausgestorben.

Stimmungen und Meinungen

Doch was bringt Anleger überhaupt dazu, Aktien zu kaufen oder sie wieder abzustoßen? Eine Rolle spielt dabei zum Beispiel die Frage, welche Alternativen es gerade für die Geldanlage gibt. In der aktuellen Niedrigzinsphase etwa sind verzinsliche Sparanlagen wie Tages- oder Festgeld für Sparer auf der Suche nach Rendite eher unattraktiv. Die Zinsen reichen häufig nicht einmal aus, um die Inflation (Preissteigerung) auszugleichen, das Anlagekapital schrumpft also langsam zusammen. Vor diesem Hintergrund erscheinen Aktien mit ihren höheren Renditechancen trotz vorhandener Verlustrisiken attraktiver. Nach Berechnungen des Deutschen Aktieninstituts (DAI) ist die Zahl der Besitzer von Aktien oder Aktienfonds 2017 in Deutschland gegenüber dem Vorjahr um 1,1 Millionen gestiegen. Das ist ein Plus von 12,1 Prozent.
Ein weiterer entscheidender Faktor für die Aktiennachfrage ist die Gesamtstimmung. Sind die wirtschaftlichen Aussichten durchmischt oder drohen gar Kriege oder andere politische Unsicherheiten, die zum Beispiel die Unternehmensgewinne schmälern könnten, kommen Aktien tendenziell auf die Verkaufslisten. Viele Anleger investieren dann lieber in sicherere Anlagen, auch wenn ihre Renditechancen damit sinken können. Aber auch gute Nachrichten können den Verkauf von Aktien stimulieren, etwa die Ankündigung von Zinserhöhungen durch die Zentralbanken. „Solche Nachrichten können durchaus auch gegensätzliche Kursbewegungen auslösen. Es kommt darauf an, wie Investoren sie gerade bewerten“, sagt Postbank Experte Bargel.

Entwicklung der Unternehmen

Allerdings laufen nicht alle Aktienkurse stimmungsgetrieben immer in die gleiche Richtung. Das zeigt ein Beispiel: Während der Deutsche Aktienindex DAX, der die Wertentwicklung von 30 deutschen Aktiengesellschaften zusammenfasst, im ersten Halbjahr 2018 rund 4,4 Prozent seines Werts verlor, lieferte die beste Aktie aus dem Index ein Plus von rund 19 Prozent, die Aktie mit dem größten Kursverlust büßte rund 43 Prozent ein.

Neben der allgemeinen Stimmungslage spielen also auch konkrete Unternehmensdaten wie Umsatz, Gewinn oder Profitabilität eine entscheidende Rolle für die jeweilige Kursentwicklung einer Aktie. Allerdings spielt es auch hier wie bei der Stimmungslage eher weniger eine Rolle, was in den vergangenen Monaten war, und auch die Gegenwart ist nicht sonderlich wichtig. „Das Entscheidende für den Aktienkurs sind die Aussichten und die Erwartungen. An der Börse wird die Zukunft gehandelt“, sagt Dr. Marco Bargel. So können auch Aktienkurse von Unternehmen in den Himmel klettern, die noch nie einen Euro Gewinn gemacht haben.

Tipp

Kurzfristig fallende Börsenkurse müssen für Anleger kein Drama sein. Sie können die Rendite sogar langfristig beflügeln. Unter welchen Umständen das so ist, lesen Sie hier.

Bitte beachten Sie

Jede Geldanlage ist mit gewissen Risiken verbunden. In der Regel steigen mit den Renditechancen einer Anlage auch ihre Risiken. Je nach Wahl der Wertpapier-Anlageform ist insbesondere mit Kurs- bzw. Volatilitätsrisiken, Risiken der Bonität, der Liquidität, der Zinsänderung, der Währung und der Länder sowie steuerlichen Risiken zu rechnen. Über die speziellen Risiken der jeweiligen Anlageform informieren Sie die gesetzlich vorgeschriebenen Verkaufsunterlagen oder Ihr Berater.

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