Was bedeutet Inflation? 

Kaum ein Tag vergeht derzeit ohne Nachrichten zur Inflation oder Inflationsrate. Was aber sagen die Zahlen genau aus? Mit dem Begriff Inflation wird ein anhaltender Anstieg der Preise für Waren und Dienstleistungen in einer Volkswirtschaft bezeichnet, zum Beispiel in Deutschland oder der Eurozone. Die Inflationsrate, auch Teuerungsrate oder kurz Teuerung genannt, beschreibt, wie stark der Preisanstieg ist.

Ende in Sicht? 

Im Mai 2022 kletterte die Inflationsrate hierzulande auf 7,9 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat, das ist der höchste Wert, der im wiedervereinigten Deutschland jemals erreicht wurde. Im früheren Bundesgebiet erreichte die Teuerung zuletzt zu Zeiten der Ölkrise in den 1970er-Jahren vergleichbare Höhen. Zum Vergleich: Von Januar 2015 bis Dezember 2020 lag die Inflationsrate in Deutschland bei durchschnittlich 1,0 Prozent. Im Jahr 2021 stieg sie auf 3,1 Prozent an.

Im November 2022 stiegen die Verbraucherpreise in Deutschland gegenüber dem Vorjahresmonat um 10,0 Prozent. Im Vormonat lag die Inflationsrate noch 0,4 Prozentpunkte höher. Seit Juli 2021 befindet sich die Inflation in Deutschland auf Rekordniveau. 

Wie wird die Inflationsrate berechnet?

Um die Preise für einen bestimmten Zeitrahmen vergleichbar zu machen, wird ein fiktiver Warenkorb erstellt, der sämtliche von privaten Haushalten gekaufte Waren und Dienstleistungen repräsentiert. In Deutschland ist dafür das Statistische Bundesamt zuständig. Die Statistiker erheben bundesweit vor Ort, etwa in Geschäften, sowie im Internet mehr als 300.000 Einzelpreise. Daraus wird monatlich ein Durchschnittswert, der Verbraucherpreisindex (VPI), berechnet. Mit welcher Gewichtung die verschiedenen Güterarten in den Gesamtindex einfließen, ist in einem Wägungsschema festgehalten, das von Zeit zu Zeit überarbeitet wird. Eine hohe Gewichtung haben aktuell zum Beispiel die Wohnkosten, Wasser, Strom, Gas und andere Brennstoffe, weil die Privathaushalte dafür vergleichsweise viel ausgeben müssen. Die Inflationsrate ergibt sich aus der Veränderung des VPI zum Vorjahresmonat in Prozent. Bei einem länger anhaltenden Anstieg der Teuerung spricht man von Inflation, zu Deutsch „Aufblähung“, bei einem anhaltenden Rückgang des Preisniveaus von Deflation.

Tipp

Ihre ganz persönliche Inflationsrate hängt natürlich davon ab, welche Güter des Warenkorbs Sie tatsächlich kaufen oder nutzen. Wer kein Auto fährt oder den Sprit nicht selbst bezahlen muss, kann zum Beispiel den Preisanstieg für Kraftstoffe vernachlässigen. Mit dem persönlichen Inflationsrechner des Statistischen Bundesamts können Sie Ihre individuelle Inflationsrate berechnen.

Warum ist die Inflationsrate zuletzt so stark gestiegen?

Dafür gibt es verschiedene Gründe – die einen sind kurzfristig, also eher vorübergehend, die anderen strukturell, also länger anhaltend.

Zu den kurzfristigen Gründen für den Anstieg der Teuerung zählen vor allem Folgen des Russland-Ukraine-Kriegs: Laut Statistischem Bundesamt wird die Inflationsrate aktuell erheblich vom Anstieg der Preise für Energieprodukte bestimmt. Hinzu kommen Preissteigerungen durch weiterhin bestehende Lieferengpässe infolge der Corona-Pandemie. Dadurch verteuerten sich nicht nur die Preise für Energieprodukte, sondern auch für andere Waren und Dienstleistungen, insbesondere viele Nahrungsmittel.

Langfristig treiben Themen wie der Klimaschutz oder die demografische Entwicklung die Preise, da zum Beispiel Unternehmen mehr in ihre Energieeffizienz investieren müssen beziehungsweise aufgrund des alterungsbedingt zunehmenden Fachkräftemangels die Löhne steigen. Langfristig preistreibend könnten sich auch ein Zurückfahren der globalen Arbeitsteilung und eine wieder stärkere Lagerhaltung auswirken, wie sie nach den jüngsten Lieferkettenproblemen und dem Anstieg der Transportkosten in manchen Unternehmen diskutiert werden.

Warum ist eine zu hohe/niedrige Inflation nicht nur für Konsumenten schlecht?

Ziehen die Preise zu stark an, trifft das nicht nur ganz direkt die Verbraucher, für die vieles teurer wird. In der Folge fordern die Arbeitnehmer häufig Lohnerhöhungen ein, die die Preise zusätzlich steigen lassen. Kommt es zu einer Lohn-Preis-Spirale, kann das die Wirtschaft abwürgen. Umgekehrt können auch langfristig sinkende Preise Gift für die Wirtschaft sein. Denn in deren Folge schrumpft in Erwartung noch weiter fallender Preise auch die Nachfrage der Verbraucher. Das wiederum lässt die Umsätze der Unternehmen zurückgehen und deren reale Kosten steigen. In der Folge sinken die Gewinnerwartungen der Unternehmen und ihre Investitionsbereitschaft lässt nach. Im schlimmsten Fall werden Standorte geschlossen und Mitarbeiter entlassen. Mit steigender Arbeitslosigkeit schrumpft dann die Nachfrage nach Konsumgütern und die Preise sinken weiter – diese Abwärtsspirale nennt man Deflation. Da der Geldwert in einem solchen Szenario kontinuierlich zunimmt, steigen nicht zuletzt die realen Verbindlichkeiten von Schuldnern, etwa dem Staat.

Was bedeutet eine hohe Inflation für Sparer?

Eine hohe Inflation bei niedrigen Zinsen schmälert die realen Renditen (Ertrag einer Investition nach Abzug der Inflation), insbesondere von festverzinslichen Anlagen. Diese können sogar negativ werden. Das macht diese Art der Geldanlage seit einiger Zeit unter Renditegesichtspunkten eher unattraktiv und hat dazu geführt, dass der Investitionsschwerpunkt der meisten Marktteilnehmer zuletzt auf Anlageklassen wie Aktien und Immobilien lag.

Lässt sich die Inflation beeinflussen?

Der Erhalt der Preisstabilität in der Eurozone ist eine der obersten Aufgaben der Europäischen Zentralbank (EZB). Dafür stehen der Notenbank verschiedene geldpolitische Maßnahmen zur Verfügung, etwa die Festlegung der Leitzinsen und der Ankauf von Vermögenswerten in Form von zum Beispiel Staats- und Unternehmensanleihen. Um der aktuell hohen Inflation Herr zu werden, hat die EZB im Juli 2022 eine Anhebung der Leitzinsen um 0,5 Prozentpunkte beschlossen. Das ist die erste Leitzinserhöhung seit elf Jahren. Mitte Dezember 2022 lag der wichtigste Zins der Eurozone bei 2,50 Prozent. Ein wesentlicher Grund für die Anhebung der Leitzinsen sind die hohen Inflationsraten. Höhere Leitzinsen lassen in der Folge die Kapitalmarktzinsen steigen. Das, so die Theorie, bremst den Konsum und Investitionen und lässt die Preise fallen. Die Notenbanker müssen dabei allerdings überlegt vorgehen, denn ein zu schneller Zinsanstieg könnte die Konjunktur abwürgen.

Hintergrund

Die EZB verfolgte wie auch andere Notenbanken westlicher Industriestaaten zur Bekämpfung deflationärer Entwicklungen seit der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 eine Niedrigzinspolitik. Das Inflationsziel für die Eurozone betrug viele Jahre lang knapp unter 2 Prozent. Dieser Wert wurde für optimal empfunden als Puffer gegen Deflation. Seit 2021 halten die europäischen Zentralbanker mit ihrer aktuellen Chefin Christine Lagarde auch moderate Abweichungen vom neuen 2-Prozent-Ziel für tragbar.