- Schulden gehören in vielen Haushalten zum Alltag und können in bestimmten Fällen durchaus sinnvoll sein – wie etwa zur Finanzierung beim Immobilienkauf oder einer Weiterbildung.
- Wichtig ist, dass Sie Ordnung in Ihre Finanzen bringen und Schulden gezielt abbauen. Denn vor allem schlechte Schulden können schnell zur Belastung werden.
- Lesen Sie hier, wie die Schneeball- und die Lawinenmethode zum Schuldenabbau funktionieren.
Schulden abbauen – Schneeball- oder Lawinenmethode?
Gute Schulden, schlechte Schulden
Ob Ratenkauf, Autokredit, Dispo oder Baufinanzierung: Die meisten Menschen nehmen im Laufe ihres Lebens ein oder mehrere Darlehen auf. An sich spricht nichts gegen Schulden. Entscheidend ist vielmehr, ob die Verbindlichkeiten langfristig zu Ihrer Lebenssituation passen und gut planbar bleiben.
Ein wesentlicher Knackpunkt dabei ist die Frage, ob es sich um gute oder schlechte Schulden handelt. Als gute Schulden gelten Darlehen, die nachhaltige Werte schaffen oder Zukunftschancen verbessern. Das kann z. B. eine Baufinanzierung für die eigene Wohnung oder ein Studienkredit sein. Schlechte Schulden umfassen überwiegend Konsumschulden, wie etwa ein überzogenes Girokonto, teure Ratenkäufe oder Kreditkartenschulden mit hohen Zinsen. Sich zu verschulden, muss nicht zwingend kritisch sein. Doch gerade bei schlechten Schulden steigt das Risiko einer Überschuldung.
Egal, ob gute oder schlechte Schulden: Das Ziel sollte sein, die Verbindlichkeiten möglichst effizient zu tilgen und eine Neuverschuldung zu vermeiden. Das lohnt sich aus mehreren Gründen:
- Sie haben dadurch mehr finanziellen Spielraum, um laufende Ausgaben zu decken.
- Kredite können auf Dauer durch die hohen Zinskosten viel Geld kosten.
- Stabile Finanzen stärken die Bonität – damit haben Sie bessere Aussichten, später z. B. ein Baudarlehen zu erhalten.
Insbesondere, wenn mehrere Kredite parallel laufen, empfiehlt sich eine klare Strategie. Zwei bewährte Ansätze für den Schuldenabbau sind die Schneeballmethode und die Lawinenmethode.
Schneeballmethode: Schulden tilgen und Motivation steigern
Bei der Schneeballmethode geht es darum, die kleinsten Schulden zuerst zu begleichen. Dann arbeiten Sie sich Schritt für Schritt an die größeren Summen heran. Mit dieser Strategie erzielen Sie schneller die ersten Erfolge. So bleiben Sie motiviert am Ball und machen sichtbare Fortschritte.
Die nachfolgende Anleitung erklärt Ihnen, wie Sie bei der Schneeballmethode vorgehen:
- Listen Sie alle Ihre Schulden auf. Notieren Sie sich auch die monatlichen Raten.
- Sortieren Sie die Schulden nach der noch ausstehenden Kreditsumme. Ihre Liste könnte z.B. folgendermaßen aussehen: 1. Kreditkarte 280 Euro, 2. Geduldete Überziehung (Dispokredit) 1.200 Euro, 3. Autofinanzierung 8.200 Euro.
- Leisten Sie zunächst für alle Darlehen den fälligen Mindestbetrag.
- Mit jedem Euro, den Sie zusätzlich für den Schuldenabbau zur Verfügung haben, zahlen Sie die kleinste Schuld ab. In unserem Beispiel tilgen Sie demzufolge erst die Kreditkarte.
- Ist die kleinste Schuld komplett abgezahlt, nehmen Sie sich den nächstgrößeren Kreditbetrag vor. Diese Methode wiederholen Sie so lange, bis alle Schulden vollständig zurückgezahlt sind.
Vorteile der Schneeballmethode
Der große Vorteil: Die Schneeballmethode motiviert, weil kleine Schulden verschwinden und Fortschritte dadurch sofort sichtbar sind. Das gibt ein gutes Gefühl und macht es einfacher, auf lange Sicht durchzuhalten. Wenn eine Verbindlichkeit wegfällt, fließt das frei verfügbare Geld in den nächsten Kredit. So rollt Ihr Schuldenabbau mit der Zeit wie ein Schneeball, der immer größer wird.
Nachteile der Schneeballmethode
Die Schneeballmethode ist im Hinblick auf die Zinsen möglicherweise nicht die beste Strategie. Tilgen Sie zunächst Kredite mit niedrigen Zinsen, bleiben teure Darlehen länger bestehen.
Lawinenmethode: Schulden abbauen und Zinskosten minimieren
Die Lawinenmethode setzt auf eine andere Vorgehensweise: Hierbei steht der Zinssatz im Mittelpunkt, um die Gesamtkosten zu reduzieren. Bei der Sortierung der einzelnen Schulden gehen Sie wie folgt vor:
- Verschaffen Sie sich wie auch bei der Schneeballmethode einen Überblick über alle Schulden.
- Sortieren Sie die Schulden nach der Zinshöhe. An erster Stelle steht dieses Mal der Kredit mit der höchsten Verzinsung. Unsere beispielhafte Liste sieht so aus: 1. Geduldete Überziehung (Dispokredit) 13 Prozent, 2. Kreditkarte 11 Prozent, 3. Autokredit 6 Prozent.
- Alle Kredite bedienen Sie vorerst mit der jeweils vereinbarten Mindestrate.
- Ihre zusätzlichen Mittel für den Schuldenabbau verwenden Sie konsequent für den Kredit mit dem höchsten Zinssatz.
- Sind diese Schulden abgezahlt, nehmen Sie sich den Kredit mit dem nächsthöchsten Zinssatz vor.
Vorteile der Lawinenmethode
Da Sie zuerst die teuersten Schulden abbauen, sparen Sie langfristig Zinsen. Oftmals sind es insbesondere Dispokredite und Kreditkarten, die hohe Zinssätze haben. Wenn Sie diese Schulden frühzeitig reduzieren, wirkt sich das spürbar auf die Gesamtkosten aus.
Nachteile der Lawinenmethode
Die Lawinenmethode erfordert Geduld: Ist der teuerste Kredit gleichzeitig der größte, lassen die ersten Erfolgserlebnisse länger auf sich warten. Der Weg aus den Schulden fühlt sich dadurch mühsamer an, auch wenn diese Strategie aus finanzieller Sicht sinnvoller ist.
Fazit: Schuldenabbau strategisch planen
Damit die Rückzahlung von Schulden gelingen kann, braucht es in jedem Fall einen klaren Plan und Durchhaltevermögen. Diese Tipps helfen Ihnen dabei:
- Überblick verschaffen
Wer in finanzielle Schieflage gerät, sollte frühzeitig aktiv werden. Jetzt sprichwörtlich den Kopf in den Sand zu stecken, kann die Situation nur verschlimmern. Sammeln Sie alle Unterlagen zusammen und notieren Sie sich die Schulden mit Kreditbetrag, Zinssatz, monatlicher Rate, Laufzeit sowie Kreditgeber.
- Haushaltsbudget prüfen
Stellen Sie Ihre monatlichen Einnahmen und Ausgaben gegenüber. Ein Haushaltsbuch erleichtert es Ihnen, alle regelmäßigen Kosten und variablen Ausgaben zu erfassen. So können Sie genau feststellen, wie viel Geld Ihnen zusätzlich für den Schuldenabbau bleibt. - Schulden strategisch tilgen
Überlegen Sie sich, welche Methode am besten zu Ihnen passt:- Sind Sie besonders motiviert, wenn Sie zügig Ergebnisse sehen? Dann kann die Schneeballmethode für Sie geeignet sein.
- Möchten Sie vor allem Zinsen sparen? Dann setzen Sie auf die Lawinenmethode.
- Schuldenabbau zur Routine machen
Richten Sie Daueraufträge für die monatlichen Raten ein. Sie können auch den zusätzlichen Betrag für den Schuldenabbau automatisch überweisen. Damit verringern Sie das Risiko, dieses Geld anderweitig auszugeben. - Rücklagen aufbauen
Idealerweise sorgen Sie in Zukunft dafür, dass keine schlechten Schulden mehr entstehen. Ein Notgroschen kann hilfreich sein, falls beispielsweise eine unerwartete Rechnung anfällt. Damit müssen Sie im Notfall nicht wieder auf Ihren Dispokredit oder die Kreditkarte zurückgreifen. - Fortschritte kontrollieren
Gehen Sie Ihren Plan regelmäßig durch. Wie hoch ist die Restschuld aktuell? Welche Schulden sind bereits abgezahlt? Solche Erfolgsmomente motivieren und spornen zum Weitermachen an.
Gut zu wissen
Zögern Sie nicht, mit Ihrer Bank zu sprechen oder eine Schuldnerberatung in Anspruch zu nehmen. Hilfe bekommen Sie unter anderem bei anerkannten Beratungsstellen wie der Caritas und der Diakonie.